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Autonome Liefer-Drohne stürzt neben Kindern ab

31.07.2019 | 11:10 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Eine Drohne der Schweizer Post ist neben einer Kindergartengruppe abgestürzt. Sogar der Notfall-Fallschirm versagte.

Eine Lieferdrohne der Schweizer Post ist abgestürzt und einen Steinwurf von einer Kindergartengruppe entfernt aufgeschlagen. Die Post hat daraufhin ihre Testflüge mit den autonomen Lieferdrohnen eingestellt.

Die Drohnen werden von dem kalifornischen Unternehmen Matternet im Auftrag der Schweizer Post seit zirka einem Jahr betrieben. Die Schweizer Post lässt mit den Drohnen aber keine gewöhnlichen Postsendungen zustellen, sondern transportiert damit besonders dringliche Laborproben von einem medizinischen Labor zu Krankenhäusern.

Der Absturz ist bereits die zweite außerplanmäßige Landung einer dieser Transportdrohnen innerhalb der bisher rund 3000 durchgeführten Flüge. Beim ersten Vorfall im Januar 2019 konnte die Drohne aber wenigstens sanft auf dem Züricher See aufsetzen. Die Ursache damals war ein Kurzschluss in der GPS-Hardware. Die Drohne startete daraufhin einen vorgegebenen Notfallplan und öffnete ihren Notfall-Fallschirm, um langsam zu Boden zu sinken. Danach soll Matternet das GPS-System verbessert haben.

Dieses Notlandesystem versagte jedoch bei dem zweiten Störfall und die Drohne M2 V9 SUI-9903 stürzte unkontrolliert zu Boden. Der Absturz soll sich bereits am 9. Mai 2019 ereignet haben, wurde aber erst jetzt in der Öffentlichkeit bekannt.

Die Drohne versuchte zwar auch hier, den Notfall-Fallschirm zu öffnen, durchtrennte aber irgendwie dessen Leine. Ohne rettenden Fallschirm ging es dann den Gesetzen der Schwerkraft folgend schnurstracks Richtung Erde… Die rund 12 Kilogramm schwere Drohne schlug zirka 50 Meter neben einer Gruppe Kindergarten-Kinder auf. Keines der Kinder wurde verletzt. Trotzdem ist der Absturz ein Desaster für alle Experimente mit autonomen Transportdrohnen. Denn das System versagte ja doppelt: Nicht nur, dass die Drohne nicht mehr korrekt fliegen konnte, nein, auch das Notfallsystem versagte. Und das Ganze passierte sogar noch in der Nähe von vielen Kindern.

Die Schweizer Post hat vorerst alle weiteren Flüge gestoppt. Der Flugbetrieb soll erst wieder aufgenommen werden, wenn Matternet alle Probleme in den Griff bekommen hat. Die drängendste Frage: Wie kann es sein, dass die Drohne ihre eigene Leine zum Rettungsfallschirm durchtrennt?

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