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Autofahrer atmen auf: Wohl keine Blow-Up-Gefahr auf Autobahnen

19.06.2022 | 19:25 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Die Sommerhitze kann Autobahnen plötzlich aufplatzen lassen. Dann besteht Lebensgefahr für Verkehrsteilnehmer. Doch 2022 scheint sich die Lage entspannt zu haben.

Die erste Hitzewelle des Jahres ist da. In den Vorjahren bedeutete das auf einigen deutschen Autobahnen Lebensgefahr für Auto- und vor allem Motorradfahrer. Doch 2022 stellt sich die Lage anscheinend entspannter dar.

Denn mittlerweile haben die Autobahnmeistereien die bekannten gefährdeten Autobahn-Abschnitte prophylaktisch präpariert, wie der Bayerische Rundfunk berichtet . Die Betondecken wurden in den letzten Jahren in regelmäßigen Abständen aufgeschnitten und in diese Entlastungsschnitte brachten die Arbeiter Asphalt ein. Der Asphalt kann ich ausdehnen, was die Betonplatten entlastet und so die lebensgefährlichen Blow-Ups verhindert. Zudem machen die Autobahnmeistereien regelmäßig Kontrollfahrten auf den fraglichen Autobahnabschnitten. 2022 sollte die Lage also unter Kontrolle sein. Bereits 2021 habe es in Südbayern keine Blow-Ups mehr gegeben, die Maßnahme mit den Entlastungsschnitten scheint also wirksam zu sein.

Wichtig: Achten Sie trotzdem immer auf entsprechende Durchsagen im Verkehrsfunk und auf entsprechende Warnungen im Internet.

Blow-Ups können nur auf Beton-Autobahnen auftreten. Über die technischen Hintergründe und die Entwicklung der letzten Jahre lesen Sie hier mehr:

Hintergrund: Die Blow-Up-Entwicklung seit 2021

Mit zunehmender Hitze kehrte auch 2021 eine Gefahr für Autofahrer und besonders für Motorradfahrer zurück: Blow-Ups, also aufplatzende Autobahnen mit Fahrbahnen aus Beton-Elementen. Dieses Problem existiert nicht nur in den unter besonders großer Hitze leidenden Bundesstaaten im Südwesten der USA, wie etwa dieser Tweet illustriert, sondern auch in Deutschland.

Verkehrsteilnehmer sollten an heißen Sommertagen also besonders umsichtig und bremsbereit auf (meist älteren) Autobahnen mit Beton-Fahrbahnen unterwegs sein. Verfolgen Sie die Verkehrsnachrichten nach entsprechenden Hinweisen. Zudem müssen Sie gegebenenfalls mit zeitweisen Tempolimits rechnen – damit wollen Autobahnmeistereien und Polizei das Unfallrisiko auf gefährdeten Abschnitten reduzieren.

In der Vergangenheit haben die Autobahnmeistereien aber Maßnahmen gegen die Blow-Up-Gefahr ergriffen. So wurden auf vielen Fahrbahnen Entlastungsschnitte durchgeführt, die dann mit Asphalt ausgegossen werden.

Sollten Sie Blow-Ups während der Fahrt entdecken, die noch nicht im Verkehrsfunk oder in den Echtzeitverkehrsinformationen von Tomtom, Garmin, Here oder Google Maps sowie Apple Karten auftauchen, dann informieren Sie die Polizei.

Blow-Ups: Entwicklung in den Jahren 2014 bis 2018

Im Juli 2018 war es wieder so weit: Kaum hatten wir mehrere heiße Sommertage hintereinander, schon mussten die Autobahn-Meistereien wieder einige betonierte Autobahn-Abschnitte mit Geschwindigkeitsbegrenzungen versehen. So galt in Baden-Württemberg für ausgewählte Abschnitte auf A81 und A7 ein Tempolimit von 80 km/h, weil es dort hitzebedingt zu Aufwölbungen der Beton-Fahrbahn kommen konnte. Laut SWR3 galt das Tempolimit für diese Abschnitte: "A81 zwischen dem Autobahnkreuz Weinsberg und der Jagsttalbrücke Widdern (beides Kreis Heilbronn) in beiden Richtungen. Auch der Bereich zwischen den Anschlussstellen Boxberg (Main-Tauber-Kreis) und Osterburken (Neckar-Odenwald-Kreis) in Fahrtrichtung Norden betroffen. Auf der A7 wird die erlaubte Höchstgeschwindigkeit zunächst zwischen Ulm und dem Kreuz Feuchtwangen (Bayern) in beiden Richtungen herabgesetzt. Das Tempolimit gilt bis Sonntag jeweils von 10 bis 20 Uhr. Beobachtet wird laut Regierungspräsidium Stuttgart auch ein Abschnitt südlich der Anschlussstelle Westhausen (Ostalbkreis), hier könnte das Tempo ab Donnerstag gedrosselt werden."

Auf der A93 (südlich von Regensburg) dagegen, die in den letzten Jahren ein Sorgenkind in Sachen Blow-up-Gefahr war und auf der es 2013 wegen eines Blow-ups zu einem tödlichen Unfall kam – siehe unten in dieser Meldung – bestand für dieses Jahr keine Gefahr. Die Autobahn-Meisterei hatte in den letzten Jahren viele Entlastungsschnitte an der Fahrbahndecke vornehmen lassen, die das plötzliche Aufplatzen verhindern sollten. Das war in den Jahren davor anders: Auf der A93 entdeckte die Autobahnmeisterei zum Beispiel 2015 zwischen den Anschlussstellen Abensberg und Hausen in Fahrtrichtung Regensburg eine Fahrbahnaufwölbung. Etwa einen Kilometer vor der Abfahrt Hausen. Dort galt dann eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h. Und im Jahr 2014 reichte der erste etwas sommerliche Tag aus, damit der Fahrbahnbelag auf der Autobahn A3 beim niederbayerischen Metten in Richtung Regensburg aufplatzte. Verletzt wurde damals niemand, möglicherweise waren sogar Bauarbeiten, die einen Blow-Up verhindern sollten, der Grund für das Aufplatzen.

Tipp: Erkundigen Sie sich am besten vor Fahrtantritt auf den Webseiten der Verkehrslagedienste oder auf den Webseiten der Regionalpresse, ob auf der von Ihnen befahrenen Autobahn ein Tempo-Limit wegen Blow-up-Gefahr gilt und fahren Sie dann gegebenenfalls früher los. Navigationsgeräte mit Echtzeit-Verkehrsinformationen wie das TomTom Go Camper oder die Garmin Nüvicam oder Navigations-Apps wie Google Maps oder Here We Go oder fest ab Werk im Auto verbaute Navigationssysteme wie Connected Drive von BMW oder das Discover Pro von VW weisen ebenfalls auf diese Tempolimits hin und berücksichtigen die dadurch verursachten Verzögerungen bei der Berechnung der Ankunftszeit.

Blow-up: Darum geht es und deshalb ist er so gefährlich

Nach den tiefen Temperaturen im Winter lässt heftige Sommerhitze (teilweise in Kombination mit dem immer noch recht kühlen Boden) an viele Stellen im Bundesgebiet die Fahrbahndecken aufplatzen. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von so genannten Blow-ups. Dabei reißt binnen weniger Sekunden die Fahrbahndecke auf und ein Teil der abgerissenen Fahrbahndecke hebt sich. Und bildet damit eine Art Sprungschanze, von der die darüber hinweg fahrenden Autos, LKWs und Motorräder regelrecht abheben.

Das Problem betrifft in dieser Art übrigens nur Fahrbahnen, die aus Betonplatten gebildet werden. Asphalt-Fahrbahnen können unter extremer Hitzeeinwirkung zwar auch Veränderungen zeigen, wie Spurrillen beispielsweise, sie platzen aber nicht so gefährlich auf.

2013 auf der A93: Tödlicher Unfall wegen Blow-up

Genau so ein Blow-up passierte im Jahr 2013 auf der Autobahn A93 vom Autobahnkreuz Hallertau Richtung Regensburg ziemlich genau auf der Höhe der Autobahnauffahrt Abensberg. Dort verwandelten sich ein BMW, ein Fiat, ein Kastenwagen und ein Porsche in Fluggeschosse, bis schließlich auch ein Harley-Davidson-Fahrer abhob. Und so schwer stürzte, dass er an den Folgen verstarb. Die Bremsspuren der verunglückten Fahrer konnte man noch viele Monate auf dem Belag der Autobahn erkennen. Die Autobahn-Meisterei zog die Notbremse und verhängte auf dem betroffenen Fahrbahnabschnitt ein Tempolimit.

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Gegen solche Blow-ups sind Autofahrer nahezu hilflos, die Hebung beziehungsweise Senkung der Fahrbahn passiert binnen weniger Sekunden. Einziger Schutz: Langsamer als sonst fahren, damit man im Falle des Falls vielleicht doch noch rechtzeitig vor der Abbruchkante zu stehen kommt oder zumindest mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit über die Abbruchstelle hinwegfährt – und dann dementsprechend nicht so stark abhebt.

Laut Mitteilung des ADAC sind in Deutschland rund 70 Prozent der Autobahnen aus Asphalt gebaut, etwa 30 Prozent sind Betonfahrbahnen. Probleme gibt es laut ADAC vor allem an älteren Strecken aus Beton. Derartige Schäden gibt es normalerweise vor allem bei länger anhaltenden Hitzeperioden.

 

Wer haftet?

Der ADAC weist darauf hin, dass bei Unfällen oder Schäden am Fahrzeug durch Blow-ups der Geschädigte nachweisen muss, dass die zuständige Autobahn-Meisterei ihrer Verkehrssicherungspflicht nicht nachgekommen ist. Dies dürfte angesichts der häufig spontan auftretenden Aufwölbungen sehr schwierig sein. Somit bleibt Autofahrern nichts anderes übrig, als - wie oben bereits von uns empfohlen - das Tempo zu drosseln, den Abstand zum Vordermann zu vergrößern und Schäden unverzüglich zu melden.

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