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Aus für 10-Sekunden-Zahnbürste: Amabrush pleite

05.06.2019 | 15:48 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Amabrush versprach Zähneputzen in 10 Sekunden. Nach erfolgreicher Kickstarter-Kampagne und Marktstart folgt die Insolvenz.

Amabrush ist pleite. Das teilt das Unternehmen am Mittwoch in einer Mail an seine Kunden mit. "Leider müssen wir Sie informieren, dass unsere Reise mit Amabrush zu einem Ende gekommen ist", heißt es in der englischsprachigen Mail des Unternehmens. Verwiesen wird auf einen Blog-Eintrag, wo sich auch der Grund für das "Ende der Reise" findet. Das österreichische Unternehmen ist pleite.

Für hohe Aufmerksamkeit sorgte Amabrush im Jahr 2017 mit dem Start seiner Kickstarter-Kampagne. Mit der Amabrush sollten die Nutzer ihre Zähne vollständig und gründlich in nur 10 Sekunden reinigen können. Dabei schiebt man sich das Mundstück wie einen Schnuller in den Mund und nach dem Einschalten vibriert das Gerät und überträgt diese Vibration an das Mundteil, wodurch sich gemeinsam mit der flüssigen Zahnpasta die Zähne reinigen. Auch wir berichteten damals ausführlich über Amabrush. Insgesamt wurden 3,2 Millionen Euro von über 26.000 Unterstützern gesammelt. Nach TV-Auftritten stieg das Interesse dann nochmals.

Dann aber wurde der Amabrush-Start immer wieder verschoben. Und als die ersten Besteller Ende vergangenen Jahres beliefert wurden, kam Kritik an der als "revolutionär" angepriesenen Zahnbürste auf, weil sie eben nicht wie versprochen die Zähne gründlich in so kurzer Zeit reinigte. Im April wurde bekannt, dass gegen Amabrush sogar eine Sammelklage drohe.

In dem jetzt veröffentlichten Blog-Eintrag erklären die Macher von Amabrush, dass vor Gericht die Insolvenz angemeldet werden musste. Außerdem gibt es eine Erklärung darüber, was letztendlich passiert ist. Demnach habe das große Interesse an Amabrush zu einer hohen Anzahl von Vorbestellungen geführt, die es nötig gemacht hatten, einen geeigneten Hersteller zu finden, der das Produkt in einer großen Menge und der gewünschten Qualität herstellen konnte. Die Wahl fiel auf einen asiatischen Hersteller, der das Mundstück aber letztendlich nicht in der notwendigen Qualität liefern konnte, wodurch im Oktober 2018 erneut ein neuer Hersteller gesucht werden musste.

Kampagne von Verbraucherschützern habe Mitschuld am Ende...

Durch den Wechsel zum neuen Hersteller entstanden hohe Kosten und viele Vorbesteller mussten länger als gedacht auf das Produkt warten. Hinzu kam auch, dass die ersten Kunden, die das Produkt erhielten, unzufrieden waren. Das negative Feedback und die hohe Anzahl an umgetauschten Produkten verschlimmerten die Lage, während im Hintergrund versucht wurde, die Qualität des Produkts zu verbessern, was wiederum Geld kostete.

Zwei interessierte Investoren sprangen ab, als im April die Berichte über die drohende Klage gegen Amabrush durch Verbraucherschützer die Runde machte. Die Vorwürfe, so Amabrush heute, seien zum Teil grundlegend falsch gewesen und hätten dem Unternehmen weiter geschadet. Amabrush sieht sich damit letztendlich auch als ein Opfer einer Kampagne.

Schließlich habe man nun entschieden, vor Gericht die Insolvenz anzumelden. Amabrush entschuldigt sich bei allen Kunden, die das Produkt nicht erhalten haben oder damit unzufrieden sind. Außerdem gibt es auch eine Entschuldigung an alle zufriedenen Kunden, weil diese keine neuen Teile mehr für ihre Amabrush bestellen können.

"Ohne euch wären wir nicht in der Lage gewesen, so weit zu kommen. Zumindest haben wir alle zusammen geschafft, eine erste Version einer 10-Sekunden-Zahnbürste zu realisieren", heißt es. Für alle, die über 100 Euro für Amabrush ausgegeben haben und sich damit nie die Zähne ordentlich putzen konnten, dürfte die Erkenntnis, im Besitz einer der ersten 10-Sekunden-Zahnbürsten zu sein, wohl eher ein schwacher Trost sein.

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