2477261

Audi: Eyetracking, 122-cm-Display und räumliches Sehen

06.01.2020 | 21:00 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Audi zeigt am Vorabend der CES in Las Vegas ein neues Bedienkonzept mit Eyetracking und Remote Touch, eine neue Display-Technologie sowie AI:ME als Konzept-Auto für die Verbindung zwischen Auto und Nutzer. Plus: Räumliches sehen mit dem Audi 3D mixed reality Head-up-Display.

Audi AI:ME

Der Audi AI:ME (das AI steht für „Audi Intelligence“) ist eine autonom fahrende, vollvernetzte „Wellbeing“-Lounge (O-Ton Audi). In dem Concept Car (4,30 Meter Länge, 1,90 Meter Breite, Radstand 2,77 Meter, Höhe 1,52 Meter, vier Sitze) können die Passagiere ihre Zeit nach Belieben gestalten für Kommunikation, Online-Shopping, Entertainment oder Entspannung. Der Audi AI:ME erkennt etwa Vorlieben bei Klimatisierung und Innenraumbeleuchtung, außerdem macht er Vorschläge für eine ideale Routenführung.

Eyetracking und Remote Touch

Die Bedienung des AI:ME und aller Kommunikations- und Interaktionssysteme läuft entweder über Spracheingabe oder Blicksteuerung, das sogenannte Eyetracking. Per Eyetracking solle es zum Beispiel möglich sein, im Menü „Wellbeing“ die gewünschte Mahlzeit auszuwählen und zu bestellen. Der AI:ME kennt Zieladresse sowie Ankunftszeit und koordiniert selbstständig die Lieferung. Auf der CES 2020 demonstriert Audi dieses Konzept im Rahmen einer automatisierten Fahrt.

Der AI:ME hat zwei VR-Brillen an Bord, mit denen die Passagiere im Showcase virtuell durch eine Berglandschaft gleiten und dabei zunehmend in die VR-Welt eintauchen können. Im Showcase werden die virtuellen Inhalte – die eine reale Umgebung zeigen – in Echtzeit an die Fahrbewegungen des Autos angepasst. Dabei kombiniert die immersive VR-Technologie die gezeigten Inhalte mit relevanten Datenpunkten des Autos – etwa Beschleunigung und Lenkung.

Der dreidimensionale OLED-Monitor, der unter der Windschutzscheibe liegt und die ganze Breite des Cockpits nutzt, dient primär dem Dialog mit der Blicksteuerung. Bestimmte Funktionsmenüs lassen sich per Blickkontakt auswählen und geben dann weitere Bedienebenen frei. Je eine kleine Infrarotkamera für Fahrer und Beifahrer beobachtet die Muskelbewegungen unter den Augen und erkennt daraus die exakte Blickrichtung. Die Passagiere bestätigen ihre Eingaben über berührungssensitive Felder in der Türbrüstung („Remote Touch“).

Der AI:ME kommuniziert nicht nur mit seinen Passagieren, sondern auch mit anderen Verkehrsteilnehmern: das Konzept des Showcars sieht dafür LED-Einheiten und Micro-Matrix- Projektoren vor, die Warn- und Hinweissymbole abstrahlen.

Wenn Bedienelemente wie Instrumente, Lenkrad und Pedale während einer autonomen Fahrt (Level 4) nicht gebraucht werden, ziehen sie sich selbsttätig zurück.

Neue Display-Technologien

Auf der CES 2020 zeigt Audi das „Display on Demand-transparent“ und das „Audi 3D mixed reality Head-up-Display“.

Das "Display on Demand-transparent" ist ein durchsichtiger Bildschirm, der sich über die komplette Breite des Fahrzeugs erstreckt und teilweise in der Instrumententafel versenkt liegt. Das Display ist 15 cm hoch und 122 cm breit. Betrachtet man aber etwa einen Kinofilm, so kann das Display bis zu 25,5 Zentimeter in die Höhe ausgefahren werden; das ermöglicht den Film-Genuss im Format 16:9 bzw. 21 Zoll Bildschirmdiagonale.

Auf der grafischen Benutzeroberfläche bekommt der Kunde nur Informationen angezeigt, die er aktuell benötigt. Dies können Navigationshinweise sein oder auch Kommunikations- und Infotainment-Inhalte. Die Darstellung dieser Informationen erfolgt auf teil-transparenten oder schwarz hinterlegten Displaysegmenten, was den Kontrast der Anzeige deutlich erhöhen soll.

Das Audi 3D mixed reality Head-up-Display, das Audi zusammen mit Samsung entwickelt, projiziert fahrerrelevante Informationen als Symbole und Ziffern auf die Windschutzscheibe in das direkte Sichtfeld des Fahrers. Wie bei einem 3D-Fernseher erzeugt das Display von jedem Bild gleichzeitig zwei Ansichten: Je ein Pixel auf dem Bildschirm ist für das linke Auge vorgesehen und der benachbarte Pixel für das rechte Auge gedacht. Die 3D-Head-up-Technologie erkennt über eine Eyetracking-Kamera die Position der Augen und lenkt die Pixel dann in unterschiedliche Richtungen, so dass sie genau das jeweilige Auge erreichen.

Für den Fahrer scheinen die Bilder, die ihm das Audi 3D mixed reality Head-up-Display zeigt, in etwa 8 bis 10 Meter Entfernung zu schweben. Durch eine spezielle Darstellung wächst diese scheinbare Distanz laut Audi auf über 70 Meter. Das hat den großen Vorteil, dass sich die Augen, die auf Fernsicht fokussiert sind, nicht umstellen müssen. Die 3D-Technologie kann zudem reale Objekte direkt im Bild markieren und dabei einen realistischen Eindruck räumlicher Tiefe erzeugen. Ein Beispiel dafür ist ein Navigationspfeil, der in die Seitenstraße zeigt, in der das Ziel liegt.

Audi Intelligence Experience

Mit dem Projekt Audi Intelligence Experience (AIE) gibt Audi einen Ausblick, wie seine Kunden künftig das Automobil erleben und mit ihm interagieren sollen. Mit AIE lernt das Auto seine Benutzer sowie deren Gewohnheiten kennen und stimmt seine Komfort- und Infotainment-Systeme maßgeschneidert darauf ab. Das Auto führt Routinebefehle selbstständig aus und nimmt dem Insassen möglichst viele Handgriffe ab. Dabei kann es sich auch, wenn gewünscht, am Befinden des Benutzers orientieren; es erkennt das anhand des Fahrstils und der Vitalfunktionen wie Hauttemperatur und Puls, die von Sensoren im Fahrzeug beobachtet werden. Bei einer längeren Fahrt oder während komplexer Verkehrssituationen kann der Audi zum Beispiel entspannende Musik abspielen und eine Relax-Position für den Sitz einstellen oder in der Dunkelheit die Innenbeleuchtung dimmen.

Bei der Personalisierung, einer weiteren Funktion, können mehrere Benutzer bis zu 400 individuelle Präferenzen festlegen – von der Sitzposition über die Routenführung bis hin zu den Medien. Die nächste Ausbaustufe der Personalisierung wird Mitte 2020 in ausgewählten Audi-Modellen verfügbar sein: Hier liegen die gespeicherten Daten nicht mehr wie heute nur im Auto, sondern auch auf dem My-Audi-Account des Kunden, also in der Cloud. Auch „erkennt“ das Auto seinen Benutzer künftig auf anderem Wege: Die Fahrzeugantenne nimmt über den Funkstandard Bluetooth Low Energy Kontakt mit der My-Audi-App auf dem Smartphone des Fahrers auf. Das Auto begrüßt ihn dann mit dem persönlich hinterlegten Profilbild.

Integriert ist auch eine selbstlernende Navigation. Sie speichert die bevorzugten Ziele des Fahrers ab, verknüpft sie mit Datum, Uhrzeit und aktueller Verkehrslage und leitet daraus Routenvorschläge ab ( wobei das moderne Tomtom-Navigationsgeräte teilweise auch schon können ).

Bei Plug & Charge: Automatische Identifizierung zum Strom-aufladen

Für Fahrer, die ihren Audi E-tron oder Audi E-tron Sportback unterwegs an einer High-Power-Charging-Station laden wollen, ist die Funktion Plug & Charge konzipiert. Diese startet im Jahr 2020 in Kooperation mit dem Schnelllade-Anbieter Ionity in Europa. Bei Plug & Charge autorisiert sich der Audi über kryptographische Verfahren selbst an der Ladesäule und schaltet sie frei – eine Ladekarte wird nicht mehr benötigt. Abgerechnet wird über das Kundenkonto des E-tron Charging Service.

Der erstmals im Audi A4 vorgestellte Modulare Infotainment-Baukasten (MIB) der 3. Generation soll Mitte 2020 in weitere Audi-Modelle einziehen. Ebenfalls ab diesem Zeitpunkt bietet der MIB 3 bei der Zielführung neue Funktionen: Die Navigation soll das eigene Auto auf Schnellstraßen und einigen Großstadt-Kreuzungen präziser lokalisieren. Eine Zoomfunktion zeigt dann dem Fahrer, auf welcher Spur er fährt.

PC-WELT Marktplatz

2477261