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Astronautin soll erste Straftat im Weltall begangen haben

26.08.2019 | 09:58 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Die NASA untersucht aktuell Vorwürfe gegen eine ihrer Astronautinnen. Welches Recht gilt auf der ISS? Die Antwort.

Es wäre eine Premiere in der Geschichte der Menschheit: Zum ersten Mal soll ein Mensch im Weltall eine Straftat begangen haben. Entsprechende Vorwürfe soll laut US-Medien derzeit die US-Weltraumagentur NASA untersuchen, obwohl sie es offiziell nicht bestätigt hat. Verdächtigt ist die NASA-Astronautin Anne C. McClain, die zuletzt als Flugingenieurin an den Expeditionen 58 und 59 auf der Internationalen Raumstation (ISS) teilgenommen hat. Sie befand sich vom 3. Dezember 2018 bis zum 24. Juni 2019 im Weltall. In der Zeit nahm sie auch an zwei Weltraum-Spaziergängen teil, die insgesamt 13 Stunden dauerten.

Während des sechsmonatigen Weltraum-Aufenthalts soll sich Anne McClain unerlaubterweise einen Zugriff auf das Online-Banking-Konto ihrer Ex-Ehefrau Summer Worden verschafft haben. Worden, eine  frühere Nachrichtenoffizierin der Air Force, habe gegen McClain eine Beschwerde bei der US-Bundeshandelskommission Federal Trade Commission und bei der NASA eingereicht. Sie wirft der Astronautin McClain unter anderem Identitätsdiebstahl vor.

Worden war aufgefallen, dass McClain, noch während sie auf der ISS war, gut informiert über ihren Kontostand war. Sie wandte sich daher an ihre Bank und erfuhr, dass auf ihr Online-Konto über eine IP-Adresse der NASA zugegriffen worden war.

Unstrittig ist offenbar, das McClain beim Zugriff auf das Online-Konto ihrer Ex-Partnerin nicht versucht hat, Geld zu stehlen. Sie wollte sich laut eigenen Angaben nur einen Überblick über die Finanzen von Worden verschaffen. Die Familie von Worden wirft McClain aber vor, diese Informationen für eine "manipulative" Kampagne im Sorgerechtsstreit um den gemeinsamen Sohn eingesetzt zu haben. Diesen Vorwurf weist McClain aber strikt von sich und ihr Anwalt erklärte, McClain habe sich lediglich Sorgen um das Wohlergehen des Sohnes gemacht und ob Worden in der Lage sei, alle Rechnungen zu bezahlen. Für den Zugriff auf das Online-Konto ihrer früheren Partnerin habe sie das Passwort verwendet, welches auch genutzt wurde, als die beiden noch zusammen waren.

Die NASA lehnt derzeit noch eine öffentliche Stellungnahme zu dem Fall ab und verweist auf die laufenden Untersuchungen. Im März 2019 hatte die NASA den ersten Weltraum-Spaziergang eines Frauen-Teams abgesagt. Damals hieß es, an Bord der ISS seien nicht zwei für Frauen geeignete Weltraum-Anzüge an Bord gewesen, weshalb McClain auf einen weiteren Weltraum-Spaziergang verzichten musste. An dieser Darstellung hält die NASA nun fest. Die nun bekannt gewordenen Vorwürfe gegen McClain hätten nichts mit der Entscheidung damals zu tun gehabt.

Welches Recht gilt eigentlich auf der ISS?

Die Internationale Raumstation ISS wird von insgesamt 16 Staaten betrieben. Sie befindet sich im Weltraum, wo eigentlich das Weltraumrecht gilt. Für die ISS hatten die teilnehmenden Länder aber im Jahr 1998 das Raumstations-Übereinkommen (Space Station Intergovernmental Agreement) beschlossen, dem später noch einige Zusatzvereinbarungen hinzugefügt wurden.

Demnach hat die NASA die Führungsrolle des gesamten Projekts. In den jeweiligen Modulen herrscht das Recht des Landes, welches das Modul betreibt. Durch die Mitwirkung der EU wird es aber etwas komplizierter: Seit Februar 2008 ist beispielsweise das Labormodul Columbus im Einsatz, für das aber nicht ein einzelnes Land, sondern die gesamte Europäische Union verantwortlich ist. Daher haben sich die am ISS-Projekt beteiligten Länder darauf geeinigt, dass bei strafrechtlich relevanten Delikten auf der ISS der Astronaut oder die Astronautin den in seinem/ihrem Land geltenden Gesetzen unterliegt.

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