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Asteroiden-Einschläge auf dem Mond lassen Felsen in die Tiefe stürzen

15.06.2020 | 15:28 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Auf dem Mond stürzen Felsen ins Tal – genauso wie auf der Erde. Doch der Grund für Felsstürze auf dem Mond ist meist ein anderer als auf der Erde.

Wie das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen mitteilt, haben Wissenschaftler des MPS und der ETH Zürich erstmals eine globale Karte aller Felsstürze auf dem Mond erstellt. Sie zeigt 136.610 Gesteinsabgänge.

Die Forscher werteten für die Karte ein Archiv mit mehr als zwei Millionen Aufnahmen der Mondoberfläche aus. Dabei zeigte sich, dass der Grund für Felsstürze auf dem Mond meist ein anderer ist als auf der Erde. Denn nicht in erster Linie Mondbeben lassen Felsbrocken ins Tal stürzen, sondern Asteroideneinschläge sorgen dafür, dass sich auf dem Mond Trümmer lösen und ins Tal rollen oder rutschen.

Direkt oder indirekt spielen demnach Asteroideneinschläge bei mehr als 80 Prozent aller Felsstürze eine Rolle, denn „ein Großteil der Felsstürze findet sich in der Nähe von Kraterwänden“, wie Prof. Dr. Simon Löw von der ETH Zürich erläutert. Einige Felsbrocken lösen sich wohl direkt nach dem Einschlag, andere dagegen erst nach einiger Zeit. Für die übrigen rund 20 Prozent der Felsstürze dürften dagegen Erdbeben oder Vulkane verantwortlich gewesen sein.

Diese Felsstürze hinterlassen auf dem Mond durchaus ihre Spuren, wie das Bild zu dieser Meldung zeigt. Die meisten Felsbrocken sind allerdings klein und haben nur einen Durchmesser von sieben bis zehn Meter. Lange Zeit war es für die Mond-Forscher deshalb nicht möglich, die Spuren dieser kleinen abrutschenden Felsbrocken auf der Mondoberfläche zu verfolgen. Mit dem Lunar Reconnaissance Orbiter der NASA hat sich das seit 2010 aber geändert. Der erfasst die gesamte Mondoberfläche mit der nötigen räumlichen Auflösung und Abdeckung, um auch Felsrutsche solch kleiner Brocken noch erkennen zu können.

Die Forscher durchsuchten die Aufnahmen des Lunar Reconnaissance Orbiter aber nicht von Hand, sondern programmierten dafür einen Suchalgorithmus, „der auf der Grundlage neuronaler Netzwerke nach und nach lernt, die typischen Spuren abgehender Felsstürze in Satellitenbildern zu erkennen“, wie das MPS erklärt. So entstand schließlich eine Karte der Mondoberfläche zwischen 80 Grad nördlicher und 80 Grad südlicher Breite, die exakt 136.610 Felsstürze mit Durchmessern von mehr als zweieinhalb Metern zeigt.

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