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Amazon kontert Kritik von Ver.di - Streiks seien nutzlos

29.04.2019 | 15:10 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

"Enorme Arbeitshetze, Kontrolldruck und Missachtung von Arbeitnehmerrechten" sowie "unternehmerische Gier Amazons" lauten die Vorwürfe von Ver.di gegenüber Amazon. Amazon weist die Vorwürfe zurück und kontert: Die von Ver.di organisierten Streiks seien wirkungslos.

Update 29.4.2019: Amazon weist Vorwürfe zurück

Amazon reagiert auf die Vorwürfe von UNI Global Union und Ver.di mit einer Stellungnahme. Darin weist Amazon die Vorwürfe der Gewerkschaften zurück. Thorsten Schwindhammer, Community Relations Manager von Amazon, schreibt: „Die von der Gewerkschaft erhobenen Vorwürfe weisen wir zurück. Amazon beweist jeden Tag, dass man auch ohne Tarifvertrag ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber sein kann. Wir achten sehr auf die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Belegschaft und bezahlen in unseren Logistikzentren am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich ist….“.

Angesichts der häufigen Streikaufrufe von Ver.di ist besonders die folgende Aussage von Amazon interessant: „Die von der Gewerkschaft organisierten Streikaktivitäten haben keinen Einfluss auf die Einhaltung unseres Lieferversprechens, denn die überwältigende Mehrheit unserer Mitarbeiter arbeitet normal.“

Gegenüber Ver.di legt Amazon noch einmal nach: „Darüber hinaus haben wir fest etablierte Kooperationen mit unseren Betriebsräten, die von allen Mitarbeitern gewählt werden und die gesamte Belegschaft repräsentieren – im Gegensatz zur Gewerkschaft, die nur für eine Minderheit spricht. Um es klarzustellen: Die Gewerkschaft hat mit den Verbesserungen in unseren Logistikzentren nichts zu tun. Diese sind ein Ergebnis des ständigen und direkten Austausches mit Mitarbeitern und Betriebsräten.“ Update Ende

Die Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und der Online-Versandgigant Amazon liefern sich bereits seit einigen Jahren eine heftige Auseinandersetzung mit zeitweisen Arbeitsniederlegungen. Bisher blieben die Proteste der Gewerkschafter ohne großen Erfolg, Amazon lässt alle Streikaktionen an sich abprallen. Jetzt treffen sich Gewerkschaftsmitglieder aus 16 Ländern in Berlin, um ihren Arbeitskampf gegen Amazon zu koordinieren.

Bei dem internationalen Gewerkschaftstreffen am 29. und 30. April 2019 im Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin wollen Ver.di und die weltweite Gewerkschaftsföderation UNI Global Union die länderübergreifende Zusammenarbeit gegen Amazon vorantreiben. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen laut Ver.di aus 16 Ländern: Ägypten, Argentinien, Australien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Österreich, Pakistan, Polen, Schweden, Schweiz, Spanien und den USA.

Ver.di begründet das Treffen folgendermaßen: „Beschäftigte in den Versandzentren von Amazon sind - egal ob in Deutschland oder anderen Ländern - mit enormer Arbeitshetze, Kontrolldruck und der Missachtung von Arbeitnehmerrechten konfrontiert. Das bleibt nicht ohne Gegenwehr. Immer mehr Beschäftigte und Gewerkschaften vernetzen und koordinieren sich.“

"Der Kampf gegen die unternehmerische Gier Amazons ist einer der wichtigsten Arbeitskämpfte der jüngeren Geschichte. Amazons erschreckender Umgang mit Beschäftigten, die Nichtanerkennung von Gewerkschaften und die unethische Steuervermeidungspraxis sind inakzeptabel ", sagt Christy Hoffmann, Generalsekretärin von UNI Global Union. Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger legt nach: "Amazon tritt die Rechte der Beschäftigten mit Füßen. Die Streiks der vergangenen Jahre haben in Deutschland wichtige Verbesserungen gebracht, aber das Ziel bleibt ein Tarifvertrag für existenzsichernde Einkommen sowie gute und gesunde Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten… Wir haben einen langen Atem und werden uns noch stärker länderübergreifend koordinieren".

Darum geht es beim Streit Ver.di gegen Amazon: Die Auseinandersetzung zwischen Ver.di und Amazon dauert schon mehr als fünf Jahre an. Ver.di fordert, dass für die Amazon-Mitarbeiter die Tarifbedingungen des Einzel- und Versandhandels gelten sollen – das hätte höhere Löhne zur Folge. Amazon lehnt dies jedoch ab und legt die schlechteren Vorgaben des Tarifvertrags für die Logistikbranche zu Grunde. Amazon zahle laut eigenen Angaben 10,78 Euro pro Stunde, nach 24 Monaten Unternehmenszugehörigkeit würde ein Amazonmitarbeiter im Schnitt 2275 Euro brutto im Monat verdienen, worin alle Sonderzahlungen enthalten sind.

Zusätzlich würden laut Amazon „Mitarbeiter von Aktien und weiteren Zusatzleistungen wie Sondervergütung für Überstunden, Lebens- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung, Beiträgen für die betriebliche Altersvorsorge oder das Career-Choice-Programm, über das bis zu 95 Prozent der Kursgebühren und Literaturkosten für eine Aus- und Weiterbildung übernommen werden“, profitieren. „Für den Job als Versandmitarbeiter sind keine Vorqualifikationen erforderlich“, wie Schwindhammer seine Ausführungen schließt. Ver.di hatte allerdings auch schon mal wegen „respektloser Behandlung durch Vorgesetzte“ zu Streiks aufgerufen.

Amazon: Seit Mitternacht Streik in Logistikzentrum

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