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Apothekerkammer rechnet mit Hunderttausenden falschen Impfzertifikaten

13.01.2022 | 17:01 Uhr | Michael Söldner

Nach Ansicht der Apothekerkammer befinden sich in Deutschland Hunderttausende gefälschte Impfzertifikate im Umlauf.

Nach einer erfolgten Impfung gegen das Coronavirus lässt sich die im gelben Impfausweis eingetragene Impfung in vielen Apotheken mit einem digitalen Impfnachweis erweitern. Damit landet der Nachweis über eine erfolgte Impfung bequem auf dem Smartphone und kann bei Bedarf vorgezeigt werden. Die Apothekerkammer Baden-Württemberg geht nach Angaben unserer Kollegen von Heise aber davon aus, dass sich in Deutschland Hunderttausende falsche Impfzertifikate im Umlauf befinden. Offiziell seien zwar nur 3.000 bis 4.000 Ermittlungen gegen gefälschte Impfausweise begonnen worden. Martin Braun, Präsident der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, rechnet jedoch mit einer deutlich höheren Dunkelziffer. Er geht davon aus, dass 12 bis 15 Prozent der gelben Impfpässe, die bei der Übertragung als Nachweis dienen, gefälscht seien.

Körperverletzung oder Urkundenfälschung?

Die Menge der verfolgten Fälle sei nur die Spitze des Eisbergs. Braun geht davon aus, dass Hunderttausende gefälschte Impfzertifikate in deutschen Apotheken ausgestellt wurden. Da ungeimpfte Menschen im vergleich zu dreifach Geimpften ein deutlich höheres Infektionsrisiko mitbringen, sei nach Ansicht von Braun schon fast von Körperverletzung auszugehen.

Chargennummer als wichtigstes Prüfkriterium

Hauptgrund für die große Menge an gefälschten Impfzertifikaten sei die Tatsache, dass sich die analogen Impfpässe kaum prüfen lassen. Ein Wasserzeichen sei beispielsweise nicht zu finden, zudem gebe es überall Blanko-Papiere des gelben Impfausweises. Lediglich die Abfrage der Chargennummer könne Hinweise auf eine Fälschung geben. Dabei handelt es sich allerdings nur um das Verfallsdatum des Impfstoffs, welches logischerweise nicht vor dem eigentlichen Impftermin erreicht sein darf. Auch das Druckdatum des Papiers darf nicht vor der angeblich erfolgten Immunisierung liegen.

Anzeige oder Berufsenthebungsverfahren

Zudem drohen Fälschern kaum rechtliche Konsequenzen. Zwar könne mittlerweile von einer Urkundenfälschung ausgegangen werden. Doch Apotheker unterlägen der Schweigepflicht, daher sei lange nicht klar gewesen, ob eine Anzeige überhaupt möglich ist. Mehrere Generalstaatsanwaltschaften hätten nun jedoch bestätigt, dass diese Vorgaben zur Geheimhaltung aufgehoben seien. Andernfalls könnten Beschuldigte den Mitarbeiter der Apotheke sogar mit einem Berufsenthebungsverfahren konfrontieren.

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