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Amazon suchte Geheimdienst-Analysten zur Gewerkschafts-Überwachung

02.09.2020 | 10:43 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Amazon suchte Experten zur Beobachtung von Gewerkschaften, Aktivisten und feindlichen politischen Führern. Das geht aus Amazon-Stellenanzeigen hervor, die mittlerweile verschwunden sind.

In den US-Medien macht eine Meldung die Runde, die den Online-Versandgiganten Amazon in einem denkbar ungünstigen Licht erscheinen lässt: Demnach suchte Amazon „Intelligence Analysts“, also eine Art „Geheimdienst-Analysten“ ("Intelligence" kann unter anderem mit "Geheimdienst" übersetzt werden), die unter anderem Gewerkschaften überwachen sollen. Das berichtet zum Beispiel The Verge.

Amazon hatte laut The Verge zwei Online-Stellenanzeigen geschaltet für einen “Intelligence Analyst”. Eine Stellenausschreibung suchte einen „Intelligence Analyst“, die andere einen „Senior Intelligence Analyst“. Die Stellenausschreibungen konnte man unter diesem Link finden, sie sind aber nicht mehr online. Der Stelleninhaber sollte laut der Stellenbeschreibung, von der Sie hier auf Twitter einen Screenshot finden, unter anderem „Bedrohungen durch Gewerkschaften“ innerhalb des Unternehmens beobachten.

Ein Screenshot der Stellenanzeige.
Vergrößern Ein Screenshot der Stellenanzeige.
© twitter.com/WolfieChristl/status/1300776980602925060/photo/1

Die Stellenausschreibungen waren laut The Verge für Mitarbeiter von Amazons „Global Intelligence Program“ gedacht. Die Stelleninhaber sollten das Management von Amazon mit für die Entscheidungsfindung wichtigen Informationen über heikle und vertrauliche Themen versorgen. Darunter auch gewerkschaftliche Bedrohungen gegen das Unternehmen. Auch Aktivistengruppen und „feindliche politische Führer“ werden als zu beobachtende Personenkreise genannt.

Als diese Stellenanzeigen in den sozialen Netzen für große Unruhe sorgten und eine umfangreiche Medienberichterstattung zur Folge hatten, sah sich Amazon offensichtlich zu einer Stellungnahme genötigt. Laut CNBC behauptet Amazon nun, dass die Stellenanzeigen die Aufgaben der gesuchten Personen nicht korrekt beschrieben hätten. Die Stellenbeschreibung sei fehlerhaft gewesen, so Amazon, und sei nun korrigiert worden. Details dazu, was denn nun genau falsch gewesen sei an der ursprünglichen Stellenbeschreibung, nannte Amazon nicht.

Amazon fährt seit jeher eine harte Gangart gegen Gewerkschaften, wie The Verge hier kurz skizziert. In Deutschland liegt Amazon im Dauerstreit mit der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di.

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