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Amazon rät: Stellt Kiffer ein - berichtet Bloomberg

02.09.2021 | 15:11 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Amazon rät seinen Partnerunternehmen, dass diese bei der Einstellung von Fahrern auf Cannabis-Tests verzichten sollen. Um endlich genügend Bewerber zu bekommen.

Die Fahrer, die Amazon-Pakete zu den Amazon-Kunden bringen, sind oft nicht direkt bei Amazon angestellt, sondern bei Partnerunternehmen, die für Amazon die Zustellung übernehmen. Diese Firmen zahlen meist nicht gerade üppige Gehälter und die Fahrer stehen häufig unter Zeitdruck - was auch dazu führen kann, dass die Fahrer schon mal in Flaschen urinieren , wie Amazon einräumen musste. Deshalb habe viele dieser Partnerunternehmen Probleme ausreichend Fahrer zu finden. Amazon gab laut einem Bericht von Bloomberg seinen Partnerunternehmen deshalb einen kuriosen Tipp, um leichter Fahrer zu finden: Stellt Kiffer ein.

Okay, genau so hat es Amazon nicht formuliert. Doch der Onlineversandgigant hat laut Bloomberg seinen Partner geraten bei  Einstellungen von potenziellen Fahrern auf Tests nach Cannabis/Hanf/Marihuana/Haschisch-Konsum zu verzichten. Und nicht nur das. Amazon rät demnach, dass die Partnerunternehmen diesen Verzicht auf Kontrollen prominent bewerben sollen. Damit es ja alle potenziellen Bewerber mitbekommen.

Bloomberg will das von vier Amazon-Partnerunternehmen sowie aus eingesehener Korrespondenz erfahren haben. Bloombergs Bericht bezieht sich ausschließlich auf die USA und nicht auf Deutschland.

Angeblich würde durch diesen Verzicht die Zahl der Bewerber um bis zu 400 Prozent steigen. Die Durchführung von Marihuana-Tests dagegen würde die Zahl der Bewerber um bis zu 30 Prozent sinken lassen. Amazon nannte für diese Zahlen aber keine Quellen, wie Bloomberg betont. Einer der von Bloomberg befragten Amazon-Partner soll aber bestätigt haben, dass Marihuana der Hauptgrund dafür sei, dass Bewerber den Drogentest nicht bestehen. Würde man dagegen nur auf Opiate und Amphetamine testen, dann würden die meisten Bewerber bestehen.

Ganz so einfach fällt den Partnerunternehmen die Entscheidung gegen Cannabis-Tests bei Bewerbern aber nicht. Denn die Lieferfirmen fürchten die rechtlichen Folgen beziehungsweise Haftungsforderungen oder Ärger mit den Versicherungen, wenn ein Fahrer unter Drogeneinfluss einen Unfall baut. Einige Unternehmen fürchten zudem, dass ein Wegfall von Tests dazu führen könnte, dass sich die Fahrer vor dem Beginn ihrer Tour erst recht noch einen Joint anzünden.

Amazon verzichtet laut Bloomberg seit Juni 2021 auf Cannabis-Tests bei seinen Bewerbern. Allerdings toleriere es Amazon nicht, wenn Mitarbeiter im "beeinträchtigten" Zustand arbeiten würden.

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