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Amazon gesteht: Fahrer urinieren in Flaschen

06.04.2021 | 09:37 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Amazon hat eingeräumt, dass seine Fahrer manchmal durchaus in Flaschen urinieren müssen. Seinen agressiven Tweet von vorletzter Woche bezeichnete Amazon als Eigentor.

Vor wenigen Tagen twitterte ein US-Politiker, dass Amazon-Mitarbeiter aus Zeitdruck in leere Wasserflaschen urinieren müssten. Amazon wies diesen Vorwurf damals in einem Tweet energisch zurück. Auch die deutsche Pressestelle von Amazon dementierte auf unsere Nachfrage, dass Amazon-Mitarbeiter in den deutschen Warenlagern keine Zeit hätten um auf die Toilette zu gehen (auf die Situation der Amazonfahrer ging Amazon Deutschland in seiner damaligen Stellungnahme nicht ein). Doch verschiedene US-Magazine und Journalisten bestätigten diesen Vorwurf und veröffentlichten entsprechende Fotos. Jetzt hat sich Amazon in einer Stellungnahme bei dem US-Politiker entschuldigt.

Amazon gibt zu, dass sein damaliger Tweet falsch war. Er hätte nur die Situation in den Warenlagern von Amazon berücksichtigt, nicht aber die Situation der vielen Amazonfahrer. In den Warenlagern würde genügend Toiletten zur Verfügung stehen, die die Mitarbeiter jederzeit nutzen könnten. Würde tatsächlich ein Mitarbeiter nicht die Zeit finden, diese Toiletten aufsuchen zu können, so solle er mit seinem Vorgesetzten sprechen und das Problem werde gelöst.

Außerdem gesteht Amazon ein, dass die Veröffentlichung seines damaligen Tweets nicht ausreichend geprüft worden wäre.

Drittens räumt Amazon ein, dass es wisse, dass seine Fahrer Probleme damit haben können rechtzeitig Toiletten zu finden. Zum Beispiel, weil sie im Stau stehen oder sie sich auf ländlichen Routen befinden würden. Das sei besonders während der Covid-19-Pandemie ein Problem, weil da viele Toiletten geschlossen seien. Dieses Problem beträfe aber nicht nur Amazon, sondern die ganze Branche - zum Beweis führt Amazon in seiner Stellungnahme Tweets an, die das Notdurft-Problem bei UPS-Fahrern beschreiben. Amazon wolle dieses Problem aber lösen, auch wenn man derzeit noch nicht wisse, wie man das anstellen soll.

Amazon geht in seiner Stellungnahme aber nicht darauf ein, wie die Fotos mit den Flaschen voller Urin in den Amazon-Warenlagern zustande gekommen sein könnten. Alle diesbezüglichen Aufnahmen und Hinweise stammten aus Amazon-Warenlagern in den USA. Aus Deutschland liegen keine entsprechenden Hinweise vor.

Berichte: Amazon-Mitarbeiter urinieren aus Zeitdruck in Flaschen

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