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Amazon-Vizepräsident kündigt aus Protest gegen Amazon und verzichtet auf Millionen

05.05.2020 | 12:31 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Der Amazon-Vizepräsident Tim Bray hat aus Protest gegen das Verhalten von Amazon gekündigt und verzichtet auf Millionen.

Der Amazon-Vizepräsident Tim Bray hat nach über fünf Jahren bei Amazon gekündigt und erklärt in einem längeren Blog-Beitrag die Gründe, die ihn zu dieser Entscheidung gebracht haben.

Auslöser für seine Entscheidung sei demnach gewesen, dass Amazon einigen Mitarbeitern in den Lagern gekündigt hatte, nachdem diese als Whistleblower die Öffentlichkeit über die Angst der Lagerarbeiter vor Covid-19 aufmerksam gemacht hatten, weil Amazon deren Schutz nicht verbessere. Dann kündigte Amazon auch noch zwei Mitarbeitern, die auf Twitter das Engagement von Amazon zum Klimaschutz kritisiert hatten.

Zuletzt war Tim Bray bei Amazon als Vizepräsident für Amazon Web Services verantwortlich. Mit seiner Kündigung, erklärt Bray, verzichte er nicht nur auf ein Gehalt in Millionenhöhe, sondern trenne sich auch "vom besten Job, den ich je hatte" und bei dem er mit "furchtbar guten Leuten" zusammengearbeitet habe.

Bray zeigt sich in seinem Blog-Eintrag äußerst unzufrieden mit dem Verhalten von Amazon. Er habe zunächst versucht, als Vizepräsident einer völlig anderen Abteilung aktiv zu werden und seine Kritik über die vorgesehenen Kanäle eskalieren zu lassen. Allerdings ohne Erfolg. Im Ergebnis sei er dann zum Schluss gekommen, dass er als Amazon-Vizepräsident die getroffenen Entscheidungen nicht mittragen könne und daher nur noch eine Kündigung möglich ist.

"Die Opfer waren keine abstrakten Einheiten, sondern echte Menschen. Hier einige ihrer Namen: Courtney Bowden, Gerald Bryson, Maren Costa, Emily Cunningham, Bashir Mohammed, und Chris Smalls. Ich bin sicher, es ist ein Zufall, dass jeder von ihnen eine farbige Person ist, eine Frau oder beides. Nicht wahr?", schreibt Bray und fügt hinzu: "Es ist so, dass Amazon die Menschen in den Lagerhäusern als austauschbare Einheiten mit Pick-and-Pack-Potenzial behandelt. Nur dass das nicht nur Amazon ist, sondern auch der Kapitalismus des 21. Jahrhunderts.

Bei Amazon Web Services, den Bereich von Bray, behandle Amazon dagegen die Mitarbeiter ganz anders als die Lagermitarbeiter. In diesen Abteilungen würden die Mitarbeiter auch menschlicher behandelt und man ginge auch auf ihre Ängste und Sorgen besser ein. Bray stellt fest: "Die Lagermitarbeiter sind schwach und werden immer schwächer mit der wachsenden Arbeitslosigkeit (in den USA) und der arbeitsplatzgebundenen Krankenversicherung. Daher werden sie wie Dreck behandelt, wegen des Kapitalismus. Jede plausible Lösung muss damit beginnen, ihre kollektive Stärke zu erhöhen."

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