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Alphabet, Apple, Dell, Microsoft, Tesla: Sammelklage wegen Kinderarbeit

19.12.2019 | 15:35 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Apple, Alphabet (der Mutterkonzern von Google), Dell, Microsoft und Tesla werden in den USA verklagt. Da die Konzerne wissentlich Kobalt von Lieferanten kaufen würden, das unter schlimmsten Bedingungen von Kindern geschürft wird. Zweites Update.

Die Menschenrechtsorganisation International Rights Advocates (IRA) hat im Namen von 14 Personen (Eltern und ihre Kinder) vor dem United States District Court for the District of Columbia eine Sammelklage gegen Apple, Alphabet (der Mutterkonzern von Google), Dell, Microsoft und Tesla eingereicht, wie Spiegel Online berichtet. Der Vorwurf: Die genannten Technik-Konzerne würden Kobalt von Zulieferern beziehen, obwohl sie wissen, dass das Kobalt zu einem großen Teil von Kindern für ein oder zwei Dollar pro Tag unter schlimmsten Bedingungen geschürft würde. Die klagenden Familien fordern Schadenersatz.

Konkret handelt es sich um Kobaltabbau in der Demokratischen Republik Kongo. Dabei käme es zu schweren Unglücken, bei denen Kinder durch Unfälle getötet würden oder lebenslange Behinderungen davontragen würden. Die oben genannten Technikkonzerne würden von der schrecklichen Kinderarbeit wissen und trotzdem das Kobalt von dort beziehen. Die verklagten Konzerne würden den Tod und schwere Verletzungen bei den Kindern durch ihr Wissen unterstützen, wie es The Guardian sinngemäß formuliert. Die Kinder würden nicht nur zu Vollzeitarbeit gezwungen und dabei schweren Gefahren ausgesetzt sein, sondern würden mit der gefährlichen Arbeit auch um ihre Ausbildung und um ihre Zukunft gebracht.

Das in der Sammelklage erwähnte Kobalt stammt aus Minen der britischen Firma Glencore beziehungsweise von der chinesischen Minenfirma Zhejiang Huayou. Bei den Minen handelt es sich zumindest teilweise um Kleinbergbau ("artisanal mining"), wo unter schlimmsten Bedingungen das Kobalt gewonnen werde. Dieses "artisanal mining", bei dem die Menschen unter improvisiertesten Bedingungen das Kobalt gewinnen, wird von Menschenrechtsorganisationen besonders kritisiert, weil dabei im Unterschied zum industriellen Abbau die Sicherheitsstandards deutlich niedriger liegen.

Glencore verkaufe das Kobalt dann an den belgischen Batteriezulieferer Umicore. Umicore wiederum beliefert Apple, Google, Tesla, Microsoft und Dell. Zhejiang Huayou Cobalt wiederum liefert Kobalt an Apple, Dell und Microsoft. So weit die Darstellung von International Rights Advocates .

Der Spiegel zitiert Apple in einer Stellungnahme folgendermaßen: Apple habe sich "der verantwortungsbewussten Beschaffung von Materialien verpflichtet, die in unseren Produkten verwendet werden." Und weiter: "Falls eine Raffinerie nicht in der Lage oder nicht bereit ist, unsere Standards zu erfüllen, wird sie aus unserer Lieferkette ausgeschlossen… Wir haben 2019 mit sechs Kobaltraffinerien die Zusammenarbeit beendet."

Update 19.12.2019, 15.35 Uhr: Glencore-Stellungnahme zu den Vorwürfen betreffend Kinderarbeit

Sarah Antenore, Communications Managerin von Glencore (das seinen Hauptsitz in der Schweiz hat), hat der PC-WELT eine Stellungnahme zukommen lassen. Diese geben wir unkommentiert wieder. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass wir die Richtigkeit der Angaben von Glencore nicht überprüfen können, die Stellungnahme gibt also ausschließlich die Meinung von Glencore wieder.

Der vollständige Wortlaut der Stellungnahme: „Glencore nimmt die Klage der Organisation IRAdvocates betreffend Kinderarbeit im Kobalt-Abbau durch Kleinbergbauarbeiter in der Demokratischen Republik Kongo zur Kenntnis. Die Klage wurde von IRAdvocates am 15. Dezember 2019 bei einem US-amerikanischen Gericht eingereicht. Glencore wird nicht angeklagt und ist somit nicht beklagte Partei.

Den Familien und Kindern, die bei der Arbeit im Kleinbergbau verletzt oder getötet wurden, gelten unser aufrichtiges Mitgefühl und Anteilnahme.

Wir tolerieren keine Form von Kinder- oder Zwangsarbeit in unserer Lieferkette. Wir achten die Menschenrechte und unterstützen ihre Einhaltung in Übereinstimmung mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen.

Glencore kauft, verarbeitet und handelt kein Kobalt oder Kupfer, das durch den Kleinbergbau gefördert wurde.

Wir sind uns bewusst, dass der Kleinbergbau in der Demokratischen Republik Kongo weit verbreitet ist und vor allem für Kinder ein Risiko darstellt. Als verantwortungsvoller ‚Corporate Citizen‘ ist es Teil unserer lokalen Nachhaltigkeitsstrategie, mit der Regierung und anderen Stakeholdern zusammenzuarbeiten und eine anhaltende Lösung zu entwickeln. Kamoto Copper Company (KCC) hat in diesem Zusammenhang eine Reihe von Maßnahmen implementiert, darunter:

  • Einbindung lokaler Gemeinden, um sie für die Risiken im illegalen Kleinbergbau zu sensibilisieren, insbesondere bei aktiven industriellen Standorten.

  • Erweiterung von Absperrungen, um das Eindringen auf industrielle Standorte zu verhindern und die damit verbundene Verletzungsgefahr zu minimieren.

  • Zusammenarbeit mit unseren Sicherheitsdienstleistern, um sicherzustellen, dass sie die Menschenrechte in Übereinstimmung mit den Freiwilligen Prinzipien für Sicherheit und Menschenrechte (Voluntary Principles) achten.

Zudem betreibt KCC eine Reihe von Programmen, die für die Bevölkerung eine alternative Erwerbs- und Lebensgrundlage schaffen und dazu beitragen, Kinder vom Kleinbergbau fernzuhalten. Dazu gehören beispielsweise:

  • die Unterstützung landwirtschaftlicher Kooperativen, die zur Diversifizierung der lokalen Wirtschaft beitragen und lokale Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen, einschließlich Durchführung von Schulungen und Unterstützung bei Geschäftsentwicklungen. 2018 haben wir beispielsweise über 140 landwirtschaftliche Kooperativen mit über 4’000 Mitgliedern unterstützt.

  • In Zusammenarbeit mit NGOs und kirchlichen Organisationen organisieren wir Ferienlager, um Kinder und deren Eltern für die Risiken des Kleinbergbaus zu sensibilisieren. 2018 haben über 9000 Kinder an den angebotenen Freizeit- und Bildungsaktivitäten teilgenommen. Zudem wurden die Rechte von Kindern und die Risiken des Kleinbergbaus thematisiert.

  • Beteiligung am Bau, Instandhaltung und Sanierung von Schulen in der Region Kolwezi.

In der Klage werden eine Reihe von Konzessionen genannt, wo es zu Verletzungen oder Todesfällen gekommen sein soll. Einige davon werden fälschlicherweise KCC zugeordnet. Die nachstehenden Konzessionen gehören weder KCC noch werden sie von KCC betrieben:

  • Lac Malo

  • Kamilombe

Mashamba East und der Abraum-Bereich liegen innerhalb der KCC-Konzession. KCC hat die lokale Gemeinde für die Risiken des illegalen Kleinbergbaus sensibilisiert und versucht gemeinsam mit SAEMAPE, dem illegalen Bergbau entgegenzuwirken. SAEMAPE ist eine staatliche Kleinbergbau-Agentur. Wir kaufen, verarbeiten und handeln nicht mit Kobalt oder Kupfer, das in oder um Mashamba East produziert wurde.

Die Tilwezembe-Konzession, die Glencore gehört, liegt etwa 35 Kilometer von KCC entfernt und wurde 2011 von Kleinbergbauarbeitern überrannt. Glencore hat seit 2011 keinen Zugang zu dieser Konzession und ist dort weder operationell noch kommerziell involviert. Glencore hat die kongolesische Regierung wiederholt aufgefordert, etwas gegen die Situation in Tilwezembe zu unternehmen und Bedenken hinsichtlich der Arbeitsbedingungen in diesem Betrieb geäußert.“ Zitat Ende

Update 18.12.2019, 14.15 Uhr - auf unsere Nachfrage schickte uns Dell diese Stellungnahme: "Dell Technologies is committed to the responsible sourcing of minerals, which includes upholding the human rights of workers at any tier of our supply chain and treating them with dignity and respect. We have never knowingly sourced operations using any form of involuntary labor, fraudulent recruiting practices or child labor. We work with suppliers to manage their sourcing programs responsibly. Any supplier with reports of misconduct is investigated and, if misconduct is found, removed from our supply chain. We're currently investigating these allegations, and have informed the Responsible Minerals Initiative. Dell Technologies annually publishes a list of cobalt refiners identified in our supply chain via the Responsible Minerals Initiative’s Cobalt Reporting Template – last updated in July 2019." Zitat Ende

BMW versucht es anders: Kobalt wird genauso wie Lithium für die Herstellung von Zellen für Lithium-Ionen-Akkus benötigt. Durch den wachsenden Marktanteil von Elektro-Autos gewinnen diese beiden Rohstoffe immer größere Bedeutung. Um zu vermeiden, dass in seine hochpreisigen Elektro-Autos Kobalt oder Lithium von Unternehmen kommt, die ihre Arbeiter schlecht bezahlen, unter gefährlichen Bedingungen schuften lassen oder sogar Kinder zur Arbeit zwingen, kauft beispielsweise BMW ab 2020 sein Kobalt nur noch von Unternehmen aus Australien und Marokko ein. Und verzichtet bewusst auf den Ankauf von Kobalt aus den nur schwer kontrollierbaren Quellen aus dem Kongo. Auch Lithium will BMW künftig selbst in Australien einkaufen. Daneben fördert BMW aber auch ein Pilotprojekt zum verantwortungsvollen Kobaltabbau im Kongo.

Da BMW selber aber keine Batteriezellen herstellt, sondern nur an deren Entwicklung forscht, liefert BMW das selbst eingekaufte Kobalt und Lithium dann an seine Batteriezellenproduzenten CATL und Samsung SDI.

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