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ARM ist da: Soll man jetzt keine Intel-Macs mehr kaufen?

23.06.2020 | 13:30 Uhr | Stephan Wiesend

Der Wechsel zur ARM-Plattform bringt ein Problem: Die aktuellen Macs sind in gewisser Weise damit nämlich veraltet.

Nun ist es endgültig: Innerhalb der nächsten Jahre wird Apple auf Apple Silicon umsteigen, was einen Umstieg von der Intel- auf die ARM64-Plattform bedeutet. Das ist eine Sensation und wird die Macs schneller und energieeffizienter machen. Die technischen Hintergründe wollen wir hier aber gar nicht besprechen, wir haben dazu gestern ausführlich berichtet . Der Wechsel bringt nämlich ein ganz neues Problem für Mac-Anwender. Ein Problem, auf das Apple in der gestrigen Keynote nicht eingegangen ist: Soll man sich jetzt noch einen Mac mit Intel-CPU kaufen? Es seien ja noch einige in der Pipeline, hat Tim Cook angekündigt.

Apple will den Wechsel in zwei Jahren komplett vollzogen haben, dann gibt es auch iMacs und Mac Pro nur noch mit ARM-CPU und auch Macbooks nur noch mit Apple Silicon. Für Macs mit der alten Plattform wird dann aber die Unterstützung durch Apple mit Updates und neue Software von Softwareherstellern und Diensten in den nächsten Jahren immer spärlicher werden.

Für ältere Anwender klingt dies vertraut, Apple hatte nämlich schon 2006 einen ähnlichen Plattformwechsel vollzogen, den Wechsel von PowerPC auf Intel. Das hatte allerdings bald Folgen für den Nutzwert und auch tatsächlichen finanziellen Wert der plötzlich veralteten Geräte mit PowerPC: Erwarb man damals trotzdem noch einen Mac mit PowerPC, bereute man dies bald. Die neuen Intel-Macs waren nicht nur weitaus schneller, schon 2011 unterstützte das neue OS X 10.7 Lion keine PowerPCs-Macs mehr. Etwas später gab es auch keine Systemupdates mehr und die ehemals teuren G5- und G4-Macs wurden auf dem Gebrauchtmarkt verramscht.

Problem: Nutzungsdauer

Kauft man dieses Jahr noch einen Mac, sollte man die Nutzungsdauer im Auge behalten. Wechseln Sie sowieso jährlich oder alle drei Jahre das Macbook aus, dann sind Sie nicht betroffen. Kompatibilitätsprobleme sind vielleicht erst in vier oder fünf Jahren zu erwarten. Wollen Sie also ihren teuren iMac die nächsten fünf Jahre benutzen, wird es kritisch. In diesem Fall könnte es für die meisten Anwender sinnvoll sein, die nächste iMac-Generation mit ARM-CPUs abzuwarten.

Problem: Kompatibilität

Bei der Entscheidung kommt es aber sehr stark auf die von Ihnen verwendete Hardware und Software an. Eventuell benutzen Sie Spezialperipherie oder sind ein Musik-Profi, der viel Geld für Audio-Hardware und Software investiert hat? Wie gut USB-Geräte, die Treiber benötigen, mit der neuen Plattform zurechtkommen, ist ebenfalls noch nicht ganz klar. Ihre aktuelle Mac-Software wird auf der neuen Plattform dagegen vermutlich ohne Probleme laufen. Dank Technologien wie Rosetta 2 und Virtualisierung verspricht Apple, dass ältere Mac-Programme problemlos und schnell funktionieren.

Problem: Windows

Ein weiteres Problem fiel aber bei der Präsentation auf: Bei Vorstellung des neuen Systems wurde die Virtualisierungssoftware Parallels Desktop gezeigt, mit der viele Anwender Windows auf dem Mac nutzen. Unter Apple Silicon virtualisierte Parallels allerdings zu unserer Überraschung kein Windows, sondern Linux. Es könnte sein, dass die Intel-Version von Windows unter Apple Silicon gar nicht laufen wird, oder nur sehr langsam. Hier schweigt sich Parallels aber vorerst aus .

Auch Bootcamp wird vielleicht nicht weiterhin funktionieren. Eine schlechte Nachricht für Nutzer von Branchensoftware, etwa für Finanzen. Viele Unternehmen nutzten außerdem anscheinend Macs mit Windows als Betriebssystem, das ist dann so einfach nicht mehr möglich. Dass Intel-Macs so schnell akzeptiert wurden, lag vielleicht auch an der guten Unterstützung anderer Betriebssysteme wie Windows aber auch Linux. Dazu ist vielleicht eine ARM-Version von Windows nötig, was aber wohl Nutzer der ersten ARM-Macs bald ausprobieren werden. Schließlich gibt es noch einen kleinen Trost für Besitzer eines Intel-Macs: Gibt es keine Unterstützung von Apple mehr, wird ihr Rechner noch sehr lange unter Linux und Windows nutzbar sein.

Bei der Präsentation wurde kein virtualisiertes Windows, sonder ein Linux gezeigt.
Vergrößern Bei der Präsentation wurde kein virtualisiertes Windows, sonder ein Linux gezeigt.

Fazit

Soll man noch einen Mac kaufen? Für den Heimanwender ist dies vorerst keine Frage, Ihr Intel-Mac wird die nächsten Jahre keine Probleme machen – die erste Generation der ARM-Macs dagegen vielleicht schon. Für Unternehmen und Selbstständige, die ihren Mac die nächsten fünf Jahre nutzen wollen, wird dies aber zum Problem. Diese sollten größere Investitionen besser verschieben, bis in den nächsten Wochen mehr Informationen über Software-Kompatibilität und Windows-Unterstützung verfügbar sind. Die ersten Testgeräte werden diese Woche ja an Entwickler ausgeliefert und wir erwarten in den nächsten Wochen einige Überraschungen.

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