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AMD Radeon RX 7000: Alles zu Performance, Preis und Release

24.09.2021 | 13:01 Uhr | Sebastian Schenzinger

AMD könnte mit den kommenden RX-7000-GPUs der große Wurf gelingen und seit vielen Jahren mal wieder die Spitze des Grafikkartenvergleichs anführen. Wir fassen alle Gerüchte zu den technischen Daten, der Performance, dem Release und den zu erwartenden Preisen zusammen.

Nach vielen Jahren der Abstinenz im High-End-GPU-Bereich ist es AMD mit den RDNA-2-Grafikkarten gelungen, Nvidia ordentlich unter Druck zu setzen. Wie unser Grafikkarten-Vergleich (zum Artikel) zeigt, müssen sich AMDs Navi-21-GPUs in keinster Weise vor Nvidias Topmodellen verstecken. Bei der Bilddarstellung per Rasterisierung liefert sich die aufgebohrte Radeon RX 6900 XT LC (zum Testbericht)  mit der  RTX 3090 (zum Testbericht)  ein Kopf-an-Kopf-Rennen und muss sich nur bei aktivem Raytracing geschlagen geben. Wenn man den bisherigen Gerüchten glauben schenken darf, dann könnte sich das Blatt mit dem Release der Radeon-RX-7000-Grafikkarten wenden. Leaker gehen aufgrund des Multi-Chiplet-Ansatzes der RDNA-3-GPUs von einem gewaltigen Leistungssprung aus, der AMD vor Nvidia katapultieren könnte. Wir haben alle Informationen für Sie zusammengefasst und aktualisieren diese laufend.

Wann sollen die RX-7000-Grafikkarten auf den Markt kommen?

In den letzten Jahren hat AMD mehr oder weniger im Jahresrhythmus neue Grafikkarten auf den Markt gebracht. An dieser Stelle darf man jedoch nicht vergessen, dass es sich dabei oftmals um keine neuen Architekturen, sondern lediglich um Refreshes handelte und AMD nur das Einsteiger- und Mittelklasse-Segment bediente. Eine Veröffentlichung der RX-7000-Generation bereits Ende 2021 scheint daher nicht realistisch. Zumal die RX 6600 XT (zum Testbericht)  mit einer UVP von 379 Euro der derzeit günstigste Ableger auf Basis von RDNA 2 ist und wir stark davon ausgehen, dass AMD sein Portfolio nach unten hin noch mit günstigeren Einsteigerkarten abrunden wird. 

Deutlich realistischer scheint hier der von Twitter User  @Broly_X1 ins Spiel gebrachte Termin im viertel Quartal 2022 zu sein. In dem mittlerweile wieder gelöschten Tweet ging der Leaker auch davon aus, dass die RX-7000-GPUs in etwa zeitgleich mit den Ryzen-7000-Prozessoren und dem dazugehörigen Chipsatz erscheinen könnten. In Anbetracht der Tatsache, dass Broly_X1 alle drei Themenschwerpunkte von AMDs Keynote im Zuge der Computex 2021 richtig voraussagte, scheint die Information recht glaubwürdig zu sein. Das deckt sich mit einem Tweet von @Greymon55 , der sowohl für RTX 4000 als auch für RX 7000 mit einem Release im Oktober 2022 rechnet.

Wir stehen einem späteren Release in keinster Weise kritisch gegenüber, ganz im Gegenteil. Lieber sollen die Hersteller die Veröffentlichung von neuen Produkten nach hinten schieben und dafür sicherstellen, dass zum Marktstart auch genügend Produkte verfügbar sind, sodass die Preise nicht wieder durch die Decke gehen -  wir berichteten über die Gründe (zum Artikel)

Architektur, Rechenleistung und Leistungsaufnahme

Mittelklasse nur ein Refresh: Die Radeon RX-6000-Grafikkarten setzen beim ganzen Portfolio auf die neue RDNA-2-Architketur. Doch nicht nur bei den Desktop- und Mobil-PCs kommt Big Navi – wie die Fans es tauften – zum Einsatz, sondern auch in den aktuellen Konsolen PS5 und Xbox Series X/S. So wie es aussieht, will AMD an der Architektur weiterhin festhalten - zumindest in der Mittelklasse und dem Einsteigersegment. Darauf deutet zumindest ein Tweet von @Greymon55 hin. Laut diesem sollen lediglich die Navi 31, 32 und 33 Grafikchips auf RDNA 3 setzen. 

Das bedeutet, dass wohl nur mögliche RX 7900, RX 7800 und RX 7700 über einen neu entwickelten Grafikchip verfügen werden. Erst mit Navi 4X – also RX 8000 – erwartet der Leaker wieder eine breitere Produktpalette. Wie AMD das preiswertere Segment  bedienen will, bleibt dabei unklar. Möglich wäre, dass AMD die Mittelklasse-Grafikkarte RX 6600 XT, die erst im Juli erschienen ist,  länger anbieten will. Auf eine darunter angesiedelte RX 6500 (XT) warten wir nach wie vor. Eine andere Möglichkeit wäre, dass AMD bereits bestehende Produkte unter dem RX-7000-Branding neu auflegen will – letztendlich also genau das, was der Hersteller bereits bei den Polaris-GPUs mit RX 400 und RX 500 gemacht hat. 3D Center hält hier zwei Möglichkeiten für wahrscheinlich: Entweder es wird ein reines Rebranding bestehender Produkte geben, oder aber AMD will die RDNA-2-Architektur auf TSMCs 6-nm-Verfahren schrumpfen und damit etwas mehr Leistung herauskitzeln. Das geht auch aus einem Tweet von @Greymon55  hervor, der von einem 6-nm-Refresh ausgeht.

Diese Information deckt sich mit 17 neuen PCI-IDs, die in einem "Kernel Driver" für Linux aufgetaucht sind, die jedoch auch ein paar Fragen aufkommen lassen. So handelt es sich bei fünf der IDs um Navi 22 GPUs, sieben weitere lassen sich Navi 23 zuordnen. Aber eben auch fünf Navi 21, also dem Grafikchip, der unter anderem in der RX 6900 XT zum Einsatz kommt. Das eröffnet Raum für Spekulationen. Entweder will AMD einen Navi 21 Refresh unterhalb von Navi 33 ansiedeln, wobei beide mit 5120 Shader-Einheiten ausgestattet sein dürften, oder aber AMD will auf einen möglichen SUPER-Refresh der RTX-3000-GPUs von Nvidia reagieren. 

Enorme Leistungssteigerung: Bezüglich der Leistungsfähigkeit der neuen Architektur gibt es sehr interessante Informationen von  @_rogame auf Twitter. In sechs Einzeltweets beschreibt der Leaker, warum er einen Leistungsanstieg um den Faktor 2,5 von Navi21 auf Navi31 für möglich hält. Einer der Gründe soll das geschrumpfte Fertigungsverfahren sein, wobei wohl noch nicht klar ist, ob TSMCs N5 oder N5P Node zum Einsatz kommen soll. Bei ersterem würde sich die Leistungsaufnahme bei gleichem Takt im Vergleich zu RDNA 2 um 22,2 Prozent verringern, bei zweiterem sogar um 30 Prozent. Zugleich soll die benötigte Chipfläche für die gleiche Anzahl an Recheneinheiten um 45 Prozent sinken.

Dann kommt ein weiterer wichtiger Punkt ins Spiel: das vermutete MCM-Design, welches wir schon von den Ryzen CPUs kennen. Konkret würde das bedeuten, dass AMD die Recheneinheiten wohl auf zwei Grafikchips aufteilen will. Dieser Ansatz würde für niedrigere Produktionskosten, eine höhere Chip-Ausbeute und vor allem eine bessere Wärmeverteilung führen. Außerdem könnte durch einen externen Speichercontroller in einem I/O-Die einfach zwischen GDDR oder HBM Speicher gewechselt werden, da der Speichercontroller nicht länger Teil des Grafikchips ist. Allerdings bringt dieser Ansatz auch gewisse Nachteile mit sich und das ist in erster Linie eine erhöhte Latenz.

Hier geht der Leaker jedoch davon aus, dass AMD jedem Grafikchip mit bis zu 80 CUs einen mindestens 256 MB großen Infinity Cache zur Verfügung stellen könnte, der mit der RX-6000-Generationen eingeführt wurde und dem L3-Cache in einer CPU sehr ähnlich ist. Wenn AMD dann noch einen weiteren Cache in den I/O-Die integrieren würde, würde das den Flaschenhals beim Speicherzugriff auf den VRAM noch weiter umgehen. Um jedoch auf den Faktor 2,5 zu kommen, müsste AMD obendrein die IPC und die Taktraten nach oben schrauben. Ersteres sollte aufgrund des kleineren Fertigungsverfahren kein Problem sein. Der Erhöhung der Taktraten kommt wiederum der MCM-Ansatz zu Gute, da sich die Wärme besser verteilt. Dennoch geht @_rogame davon aus, dass zusätzlich die Leistungsaufnahme noch von 300 auf 350 Watt erhöht werden müsste. Tatsächlich könnte hier jedoch bei weitem noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht sein. 3DCenter geht indes nämlich davon aus, dass die  Leistungsaufnahme Bereiche von 450 Watt und mehr erreichen könnte.

Hinsichtlich der Rechenleistung müssen wir ergänzen, dass es sich dabei wohl um die FP32-Performance handeln wird, die sich nicht 1:1 auf die Gaming-Performance übertragen lässt. Auch bei den Nvidia RTX-4000-GPUs dürfte sich die rohe Rechenleistung  gemäß den Gerüchten (zum Artikel)  um Faktor 2,0 bis 2,,3 erhöhen, bei der Gaming-Leistung gehen wir jedoch eher von 50 Prozent aus. Zudem bleibt es spannend, wie sich die Raytracing-Leistung verbessern wird, hier hat AMD nämlich noch einiges an Nachholbedarf, wie unser  Grafikkarten-Vergleich (zum Artikel) zeigt. AMD selbst hat dazu natürlich noch nichts bekannt gegeben, jedoch bestätigt, dass der Hersteller bei den nächsten Radeon Grafikkarten einen großen Wert auf die Energieeffizienz legen wird, weiter ins Detail gegangen wurde dabei jedoch nicht.

Navi 3X im Block-Diagramm:  Doch es gibt noch deutlich mehr Spekulationen rund um Navi 3X. So viele, dass sich Twitter-Nutzer @Olrak29_ die Mühe gemacht hat, alle Leaks in mehreren Block-Diagrammen zusammen zu fassen. Demnach sollen nur Navi 31 und Navi 32 auf zwei Compute-Dies setzen, bei Navi 33 dürfte es sich um ein monolithisches Design handeln. Das Topmodell Navi 31 soll sich aus zwei Compute-Dies mit jeweils 30 Workgroup Processors (WGP) zusammensetzen. Auf die insgesamt 60 WGPs verteilen sich laut Gerüchten bis zu 15.360 Shader-Einheiten, was einer Zunahme um den Faktor 3 gegenüber der RX 6900 XT entspräche. Navi 32 wiederum soll sich aus zwei Dies mit jeweils 20 WGPs aufbauen, woraus 10.240 Recheneinheiten resultieren würden. Bei Navi 33 gehen die Gerüchte wiederum von nur einem Rechenchip mit 5.120 Shader-Einheiten aus.

Des Weiteren sprechen die Gerüchte davon, dass es beim Topmodell bei einem 256-Bit breitem Speicherinterface bleiben soll, wobei sich der Infinity Cache bei Navi 31 auf bis zu 512 MB (2 x 256 MB) vergrößern soll. Bei Navi 32 ist von einem 192-Bit Interface und  384 MB IC die Rede. Beim kleinsten Modell Navi 33 gehen die Gerüchte von einer 128-Bit Speicheranbindung und 256 MB Infinity Cache aus. Das ist dahingehend interessant, da Navi 33 wohl ebenso wie Navi 21 - der Grafikchip der RX 6900 XT - auf  5.120 Shader-Einheiten setzen soll, wobei hier ein 256-Bit Interface mit 128 MB IC zum Einsatz kommen.

Wie viel werden die RX-7000-GPUs kosten?

Was den Preis der RX-7000-Generation betrifft, könnten viele interessierte Käufer eher unschöne Nachrichten erwarten, viele Zeichen deuten nämlich auf einen gehörigen Preisanstieg hin. Da wäre zum einen die Tatsache, dass Nvidia viele Jahre lang das High-End-Segment dominierte, weshalb AMD versuchte, mit attraktiveren Preisen zu punkten. Sollten sich jedoch die Gerüchte hinsichtlich der Leistungsfähigkeit von RDNA 3 bewahrheiten und AMD bei der Performance tatsächlich vor Nvidia liegen, dann besteht kein Zwang, die Topmodelle preislich attraktiver anzubieten als der Konkurrent. 

Dazu kommt die nach wie vor anhaltende Ressourcenknappheit, welche auf eine sehr hohe Nachfrage trifft und zu einer extrem schlechten Verfügbarkeit von GPUs und horrenden Preisen führt. Die Tatsache, dass trotzdem viele Gamer bereit dazu waren, teils das doppelte oder sogar dreifache der offiziellen UVP für eine GPU auf den Tisch zu legen, dürfte auch AMD nicht entgangen sein. Solange die Nachfrage so hoch bleibt, dürfte der Hersteller keinen wirklichen Grund sehen, die Preise deutlich nach unten korrigieren zu müssen.

Diese Spekulationen befeuert auch ein Tweet von  @Kepler_L2 , der beim Preis einer möglichen RX 7900 XT von über 2000 US-Dollar ausgeht. Das entspräche einer Verdopplung der UVP der RX 6900 XT von 999 Euro. Im Einsteigersegment dürfte der Preisanstieg bei weitem nicht so hoch ausfallen, da eine potentielle RX 7600 XT sonst 758 Euro kosten würde, dennoch könnten uns sehr gesalzene Preise erwarten. Es bleibt zu hoffen, dass zwischen AMD, Nvidia und Intel, das mit Intel Arc (zum Artikel)  in den Grafikkartenmarkt einsteigen will, ein spannender Dreikampf entbrennen wird, der zu einer Senkung der Preise führt.

Hinweis:  Bei den Leaks und Gerüchten in diesem Artikel handelt es sich um keine gesicherten Informationen. AMD selbst hat zu einem Nachfolger für RDNA 2 noch nichts bekannt gegeben. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei den Leakern um recht verlässliche Quellen, die bereits in der Vergangenheit viele Spezifikationen richtig vorausgesagt haben.

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