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AKK: Kampffähige Drohnen für die Bundeswehr in Afghanistan

05.12.2019 | 15:23 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer plädiert für den Einsatz von Bundeswehr-Kampfdrohnen in Afghanistan. Denn die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan können sich nicht aktiv gegen feindlichen Raketenbeschuss wehren.

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich während ihres Besuchs bei den deutschen Truppen in Afghanistan für den Einsatz bewaffneter Drohnen ausgesprochen, wie Augengeradeaus berichtet. Offensichtlich unter dem Eindruck der sich stetig verschärfenden Sicherheitslage am Hindukusch hält sie kampffähige Drohnen zum Eigenschutz der Bundeswehr für erforderlich. Wenn es darum gehe das Leben der deutschen Soldaten zu schützen, sollte die Bundeswehr alle Möglichkeiten nutzen können, so der Tenor der Verteidigungsministerin. Die vor Ort eingesetzten Bundeswehrsoldaten hatten sich gegenüber Kramp-Karrenbauer offensichtlich für den Einsatz von Kampfdrohnen ausgesprochen.

Derzeit sei es faktisch so, dass die Bundeswehrsoldaten Raketenangriffe auf ihr Lager zwar beobachten könnten. Doch sie hätten keine Möglichkeit, die erkannten feindlichen Raketenstellungen selbst zu zerstören: Der Bundeswehr stehen in Afghanistan keine Kampfflugzeuge zur Verfügung. Die zeitweise verfügbaren Tiger-Kampfhubschrauber sind längst wieder abgezogen worden, ebenso wie die Panzerhaubitze 2000 (siehe unten die Stellungnahme der Bundeswehr). Somit müssen die Bundeswehrsoldaten in so einem Fall immer um die Unterstützung durch Verbündete bitten, beispielsweise bei den US-Truppen. Damit diese die feindlichen Raketenstellungen angreifen.

Die PC-WELT fragte bei der Bundeswehr nach, welche Möglichkeiten zur Eigensicherung den deutschen Truppen in Afghanistan zur Verfügung stehen. Die Antwort des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr kam prompt:

„Die Bundeswehr wird am Standort Masar-i-Scharif durch ein, von einer US-amerikanischen zivilen Firma betriebenes, Pralluftschiff namens BLIMP unterstützt, das an einem Draht hochgelassen wird und für die Überwachung des lokalen Umfeldes sorgt.

Darüber hinaus wird die Aufklärungsdrohne Heron 1 für die Luftbildgewinnung und Aufklärung um das Camp Marmal (Anm. d. Red.: So heißt das deutsche Lager bei Masar-i-Scharif) genutzt. Außerhalb des Camps erfolgen bei Tag und Nacht regelmäßige Patrouillen durch Koalitionspartner. Darüber hinaus verfügen Koalitionspartner über weitere Schutzsysteme, die auch den eingesetzten deutschen Soldatinnen und Soldaten an dem nur temporär besetzten Standort Meymaneh zugutekommen.

Das Waffensystem Panzerhaubitze 2000 wurde bereits mit Auslaufen des ISAF Mandats in 2014 nach Deutschland zurückverlegt.

Im Falle einer Alarmierung stehen in den Camps ausreichend Schutzräume/Bunker für Deckung zur Verfügung.

Jegliche Bewegung außerhalb der Camps erfolgt ausschließlich geschützt, in weiten Teilen über Lufttransport.“ Zitat Ende. Kurz zusammengefasst: Die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan können sich nicht aktiv gegen feindlichen Raketenbeschuss wehren.

Auch der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Henning Otte, sprach sich für eine Bewaffnung der von der Bundeswehr eingesetzten Drohnen aus. Das berichtet das ZDF. Technisch wäre eine Bewaffnung der bisher von Deutschland nur für Aufklärungszwecke vorgesehenen israelischen Heron-TP-Drohnen kein Problem.

Die Bundeswehr schafft zwar die Heron TP als neue Drohne an. Diese sollen künftig in Afghanistan die bisher eingesetzten älteren Heron-1-Drohnen ersetzen. Doch nach der bisherigen Planung ausschließlich als Aufklärungsdrohne. Falls die Bundeswehr die Heron TP bewaffnen und Bundeswehrsoldaten an dieser Waffe ausbilden lassen möchte, ist dafür ein weiterer Bundestagsbeschluss erforderlich.

Mehr zur neuen Aufklärungsdrohne der Bundeswehr lesen Sie hier: Heron TP - Deutschland bekommt kampffähige Drohne aus Israel.

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