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300-Euro-GPU vs. 1800-Euro-GPU: Welche Grafikkarte lohnt sich mehr?

04.05.2022 | 15:16 Uhr | Sebastian Schenzinger

Wie groß ist der Performance-Unterschied zwischen einer Einsteiger-GPU für 320 Euro und einer High-End-Grafikkarte für 1830 Euro? Wir vergleichen die RTX 3050 und die RTX 3090 in Gaming- und Anwendungsszenarien.

Zwar fallen die Preise von Grafikarten seit Jahresbeginn und erste Modelle sind fast für die UVP zu haben - aber selbst diese sind nicht immer günstig, wenn man die vermeintlichen "Schnäppchen" mit ihrer Vorgängergeneration vergleicht. Nvidias derzeit günstigstes RTX-Modell ist die RTX 3050, welche im Preisvergleich  ab 320 Euro  gelistet ist. Für eine Einsteigergrafikkarte und den aktuell preiswertesten Ableger der Ampere-Generation ist das ein happiger Einstiegspreis.

Klar bietet die RTX 3050 doppelt so viel Videospeicher, Raytracing und DLSS gegenüber ihren Vorgängern in Form der GTX 1650 und GTX 1650 Super, aber der Preis hat sich mal eben so verdoppelt. Aber lohnt es sich überhaupt, mehr für eine Grafikkarte auszugeben - und ist es den sechsfachen Aufpreis auf eine RTX 3090 wert? Wir machen den Performance-Vergleich zwischen dem kleinsten Ampere-Ableger, der  RTX 3050 (zum Testbericht) , und  Nvidias BFGPU RTX 3090 (zum Testbericht)

Auf die Display-Auflösung und -Bildwiederholrate kommt es an

Ein Blick in die Hardwareumfrage von Steam vom April 2022 zeigt, dass immer noch über 81 Prozent der Nutzer der Plattform in Full-HD oder einer niedrigeren Auflösung zockt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sich die von Nvidia fürs 1080p-Gaming konzipierte RTX 3050 an über 80 Prozent der Gamer auf Steam richtet. In Puncto Bildwiederholfrequenz des Displays macht die Umfrage jedoch leider keine Angaben und das ist ein nahezu genauso wichtiger Faktor bei der Auswahl der Grafikkarte. Aber wollen wir doch mal schauen, wie gut sich die RTX 3050 in Full-HD-Auflösung schlägt und wie groß der Abstand auf die RTX 3090 ausfällt:

Unsere Tests haben gezeigt, dass die Performance der RTX 3050 nicht immer ausreicht, um in Full-HD bei höchsten Grafikeinstellungen 60 FPS oder mehr zu erreichen. In Spielen wie Cyberpunk 2077, Metro Exodus, Red Dead Redemption 2 oder Watch Dogs Legion liegen unsere Messwerte bei rund 45 Bilder pro Sekunde, hier müssen Sie die Settings etwas reduzieren, wenn Sie 60 Bilder pro Sekunde anstreben. Die Aktivierung von Raytracing führt dann dazu, dass die FPS im Schnitt noch einmal um 38 Prozent schlechter ausfallen, was zur Folge hat, dass sich nur noch in den wenigsten Spielen von flüssigen Spielraten sprechen lässt. Die RTX 3090 erzielt bei der Bilddarstellung per Rasterisierung um Faktor 2,62 höhere FPS-Werte oder in anderen Worten, dir RTX 3050 liefert nur 38 Prozent der Performance einer RTX 3090. Bei aktiviertem Raytracing verstärkt sich dieser Effekt noch einmal, so kommt die RTX 3050 nur noch auf 34 Prozent der Gaming-Leistung einer RTX 3090. 

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In QHD-Auflösung ist dann endgültig die Leistungs-Grenze der RTX 3050 erreicht, auch wenn im Schnitt über 12 Spiele immerhin noch 55 FPS zu Buche stehen. Das liegt jedoch nur an drei nicht so fordernden Spielen, denn in neun von zwölf getesteten Spielen erreicht die RTX 3050 keine 60 Bilder pro Sekunde, zum Teil sogar nicht einmal mehr die Hälfte wie zum Beispiel in Cyberpunk 2077. Hier müssten Sie die Grafikeinstellungen schon sehr stark reduzieren, um noch auf flüssige Spielraten zu kommen. Im gleichen Zug ist der Rückstand auf die RTX 3090 auf Faktor 2,92 angewachsen respektive die RTX 3050 erzielt nur noch 34 Prozent der 3090-Performance. Auch hier gibt es wieder Zusatztest mit aktiviertem Raytracing, wobei die RTX 3050 im besten Fall noch auf 40 Bilder pro Sekunde kommt, zum Teil fallen die Bildraten auf 20 FPS oder weniger, was verdeutlicht, dass die RTX 3050 nicht für diese Auflösung konzipiert ist. Der Vorsprung der RTX 3090 wächst indes auf 321 Prozent an.

In UHD-Auflösung haben wir mit der RTX 3050 gar keine Tests mehr durchgeführt, denn erstens lassen die Messergebnisse in QHD darauf schließen, dass keine flüssigen Bildwiederholungsraten zu erwarten sind, und zweitens lassen sich manche Spieletests gar nicht mehr ausführen, da der 8 GB große Videospeicher nicht mehr ausreicht und zu Bildfehlern führt oder sich der Benchmark gar nicht starten lässt. Es sei jedoch so viele gesagt, dass die RTX 3090 für nahezu jeden aktuellen AAA-Titel genug Leistung für die höchsten Grafik-Settings bei 60 Bildern pro Sekunde oder mehr liefert. Die Ergebnisse können Sie  unserem Grafikkartenvergleich  entnehmen. Dafür gibt es noch Zusatztests mit aktiviertem Deep Learning Super Sampling im Quality Mode.

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Im Schnitt über fünf getestete Spiele in 1080p mit höchsten Settings und aktiviertem Raytracing erhöhen sich die FPS-Werte der RTX 3050 dadurch um 47 Prozent, ein Wert, der sich wirklich sehen lassen kann, und in vielen Spielen den Unterschied zwischen flüssigem Spielerlebnis und einer Ruckelorgie macht. Aber selbst mit aktviertem DLSS im Quality Mode reicht es bei aktiviertem Raytracing in vielen Titeln nicht für 60 Bilder pro Sekunde. Hier müssen sie entweder aggressivere DLSS Settings wählen oder die Grafikeinstellungen reduzieren. Die RTX 3090 ist indes in 1080p Auflösung inklusive DLSS um den Faktor 2,56 schneller als die RTX 3050 und in 1440p-Auflösung um den Faktor 2,8.

Fazit:  Für Full-HD-Gamer und damit für - laut Steam-Statistik - über 80 Prozent der Spielergemeinschaft ist die RTX 3050 im Regelfall vollkommen ausreichend. In den meisten Spielen erreicht sie flüssige 60 Bilder pro Sekunde bei höchsten Grafikeinstellungen, zum Teil müssen diese auf hoch reduziert werden. Bei aktiviertem Raytracing sieht das ganze etwas anders aus, hier hilft selbst die Aktivierung von DLSS nicht immer, um 60 Bilder pro Sekunde oder mehr zu erreichen. Der Mehrwert der RTX 3090 liegt so zwischen 260 und 320 Prozent in Full-HD und QHD Auflösung, was in keinerlei Relation zu den rund sechsmal so hohen Anschaffungskosten steht. Wenn Sie mehr Leistung benötigen, würden wir Ihnen auf jeden Fall zunächst einmal zu einem Zwischenmodell wie der RTX 3060, RTX 3070 oder RTX 3080 raten.

Anwendungstests - Zeit ist Geld

Für kreative Anwender spielt die Grafikkarte nochmal eine ganz andere Rolle als für Gamer, denn hier kann es einen großen zeitlichen Unterschied machen, welches Modell im PC verbaut ist und Zeit ist bekanntermaßen Geld. Bei der Bildbearbeitung via Photoshop spielt es noch eine recht untergeordnete Rolle, ob eine Einsteigergrafikkarte oder ein High-End-Modell zum Einsatz kommt. Bei der Videobearbeitung wird der Rückstand der RTX 3050 auf die RTX 3090 schon größer und kann je nach Anwendungen 24 bis 31 Prozent betragen. Wobei hier nur die reine Renderzeit berücksichtigt wird, zudem kann die RTX 3090 aufgrund des 24 GB großen Videospeichers große Files bedeutend schneller laden und bearbeiten. 

Wirklich groß ist der Unterschied dann beim 3D-Rendering in Blender, bei welchem die RTX 3050 nur noch 24 bis 25 Prozent der Performance der RTX 3090 erzielt, oder in anderen Worten, die RTX 3090 benötigt etwas weniger als ein Viertel der Zeit. Ein recht vergleichbares Bild zeigt sich in Indigo, LuxMark und Octanebench, wobei auch hier die Größe des VRAMs nicht vergessen werden darf. Unsere Tests haben gezeigt, dass diverse Workflows auf einer GPU mit zu wenig Videospeicher überhaupt nicht ausführbar sind, wohingegen sie auf der RTX 3090 mit 24 GB VRAM problemlos funktionieren. Interessant wird es dann auch bei der Strahlenberechnung via V-Ray, denn hier schneidet die RTX 3090 um 280 bis 330 Prozent besser ab als die RTX 3050, was die Raytracing-Performance in Anwendungen demonstriert. 

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Fazit:  Für Profi-Anwender macht die RTX 3090 bedeutend mehr Sinn als für Gamer, was auch an dem 24 GB großen Videospeicher liegt, denn für Gamer ist die nur marginal langsamere RTX 3080 Ti (zum Testbericht) vollkommen ausreichend. Zwar ist die RTX 3090 nicht sechsmal so schnell wie die RTX 3050, was dem Aufpreis entspricht, dennoch ist eine Zeitersparnis von teilweise 75 Prozent in keinster Weise zu vernachlässigen. Für Hobby-Anwender mag die Leistung der RTX 3050 ausreichen, für professionelle Nutzer sollte es aber schon eine potentere GPU sein.

Leistungsaufnahme und Energieeffizienz

Nach der Analyse der Performance in Spielen und Anwendungen bleibt abschließend noch zu klären, wie hoch die Leistungsaufnahme der GPUs überhaupt ausfällt und damit einhergehend, wie gut die Grafikkarten in Puncto Effizienz abschneiden. Die TGP der RTX 3090 gibt Nvidia mit 350 Watt, die RTX 3050 darf sich dagegen 130 Watt genehmigen, was 37 Prozent entspricht. Unsere Tests haben gezeigt, dass die von Nvidia angegebene Werte im Schnitt relativ nahe an die tatsächliche Leistungsaufnahme beim Gaming herankommen.

So genehmigt sich die RTX 3090 je nach Auflösung durchschnittlich zwischen 346 und 359 Watt, wohingegen sich die RTX 3050 mit 121 bis 125 Watt begnügt. Verrechnen wir diese Werte mit den durchschnittlich erzielten FPS, resultiert daraus für die RTX 3090 in Full-HD eine etwa sieben Prozent schlechter Effizienz und in QHD eine drei Prozent bessere Effizienz, was mit dem größeren Performance-Unterschied zu erklären ist. Aus Effizienz-Sicht resultiert die höhere Leistungsaufnahme also auch in einer entsprechend höheren Performance:

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