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30 Jahre Photoshop – Als die Bilder lügen lernten

19.02.2020 | 09:41 Uhr | Peter Müller

Nicht viele Programme haben ihr eigenes Verb verdient, neben Google ist auch Photoshop nicht nur eine App sondern schon eine Erscheinung.

Bilder hatten schon immer das Potential, Wahrheiten zu verbiegen, zu verschleiern, zu verschweigen oder gar völlig zu verdrehen. Oder sie einfach korrekt und unretuschiert zu erzählen, selbst wenn man dazu die Bilder ein wenig überarbeitete, damit ihre Inhalte besser erkennt.

Seit 30 Jahren fällt es wesentlich leichter, Dinge und Personen in einem ganz anderen Licht dastehen zu lassen, am 19. Februar 1990 veröffentliche Adobe die erste Version von Photoshop, damals exklusiv für den Mac. Nun ist es nicht die Schuld eines Bildbearbeitungsprogramms, wenn die damit manipulierten Bilder die Wahrheit verdrehen, es kommt wie bei jedem Werkzeug darauf an, was man damit macht.

Erstmals kam Photoshop bei einer Aufgabe zum Einsatz, die eine Wahrnehmung entstehen lassen sollte, die einer objektiven Wahrheit gar nicht entsprechen kann. Mit analog oder digital manipulierten Bildern lassen sich vortrefflich Geschichten erzählen, die so auch hätten stattfinden können. James Cameron engagierte für die Produktion des Filmes " The Abyss " die Effektspezialisten John und Thomas Knoll, die mit ihrer selbst geschaffenen Software in der Lage waren, Bilder so aussehen zu lassen, als kämen sie aus einer anderen Welt. Anders als etwa Pixars Renderman, mit dem all die "Toy Stories", "Cars" und "Planes" entstehen, hat Photoshop eine breite Anwenderschaft auch außerhalb von Filmstudios gefunden.

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Selbst Profis, denen wenig an Bildmanipulation und Verfälschung der Realität gelegen ist, nutzen die Software, um ihre Fotos zu verbessern. Übertreiben kann man aber immer, wer sich wirklich gut mit der Technik auskennt, kann die Wahrnehmung derart verfälschen, dass man beispielsweise eine damals 56-jährige Sängerin für eine 27-jährige Hupfdohle halten kann (siehe Bildergalerie oben). Aber im konkreten Beispiel verfälschen ja auch Toningenieure die Wahrheit. Deep Fake kann immer mehr zum Problem werden, jetzt setzt man sogar schon die Gesichter heutiger Schauspieler in Szenen aus 35 Jahre alten Filmen – und kann ihnen mit digitaler Hilfe Worte in den Mund legen, die sie nie gesagt haben. Was in der Kunst neue Möglichkeiten eröffnet, kann in der Verbreitung von Nachrichten und alternativen Wahrheiten die Freiheit des Denkens beeinflussen.

Photoshop und Konsorten haben aber auch ihre heiteren Seiten: Kennt sich der Anwender nicht so gut mit dem Programm aus, führt das mitunter zu lustigen Ergebnissen, das Web ist voller Photoshop-Pannen (siehe Bildergalerie unten). Nicht erst mit der Digitalisierung lernten die Bilder lügen, sie machte es nur leichter. Wir gratulieren Photoshop zum 30sten und freuen uns noch auf viele weitere kreative Stunden!

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