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Grafikkarten: So überprüfen Sie die GPU-Temperatur

02.07.2019 | 10:02 Uhr | Birgit Götz,

Die GPU-Temperatur Ihrer Grafikkarte zu kennen, ist wichtig, wenn Ihr PC immer wieder überhitzt oder wenn Sie übertakten - aber Windows enthält keine Temperatur-Überwachungstools. Wir sagen Ihnen, was Sie tun können.

Wie hoch ist die Temperatur der Grafikkarte Ihres PCs? Im normalen Betrieb sollte die GPU-Temperatur (GPU = Graphics Processor Unit) keine große Rolle spielen - Ihre Grafikkarte sollte einfach Monitore steuern und Spiele spielen, ohne zu überhitzen und herunterzufahren. Aber wenn Sie einen älteren PC haben oder wenn Sie die Übertaktung der Grafikkarte ausprobieren wollen, ist es wichtig, dass Sie die Temperatur Ihres Grafikprozessors überwachen können.

Die Überprüfung der Grafikkarten-Temperatur ist denkbar einfach. Allerdings bietet Windows dafür keinen einfachen Weg an, so dass Sie Software von Drittanbietern herunterladen müssen. Es gibt jede Menge kostenloser GPU-Überwachungswerkzeuge, und viele davon können auch die CPU-Temperatur (CPU = Central Processing Unit) Ihres PCs überprüfen.

So überprüfen Sie die Temperatur Ihrer Grafikkarte

Wenn Sie eine AMD Radeon-Grafikkarte mit einer aktuellen Version der Radeon-Settings-App verwenden, ist das ganz einfach.  2017 hat AMD das Radeon Overlay hinzugefügt, mit dem Sie Ihre Spiele überwachen, aufnehmen und anpassen können, ohne dabei das Spiel verlassen zu müssen. Enthalten ist auch ein Performance Monitoring Tool, das die GPU-Temperatur und andere wichtige Informationen anzeigt, während Sie spielen.

Um das Tool zu aktivieren, rufen Sie das Radeon Overlay auf, indem Sie Alt + R drücken. Wählen Sie dann im Abschnitt Performance Monitoring des Overlays aus, welche Leistungs-Aspekte Sie im Auge behalten möchten. Haben Sie das Tool eingerichtet, können Sie es danach mit Strg + Umschalt + 0 aufrufen.

Was machen Sie, wenn Sie nicht spielen? Auch dann können Sie die Temperatur Ihres Radeon-Grafikprozessors überprüfen, indem Sie in das Wattman-Übertaktungstool in den Radeon-Einstellungen wechseln.

Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Windows-Desktop, wählen Sie Radeon-Einstellungen und gehen Sie dann zu Gaming > Global Settings > Global Wattman . Hier können Sie dann die GPU-Temperatur und andere wichtige Statistiken in grafischer Form sehen.

Wie gehen Sie vor, wenn in Ihrem PC kein Radeon-Prozessor verbaut wurde? Laut einer Steam Hard- und Software-Umfrage machen die Geforce-Grafiken von Nvidia satte 75 Prozent aller GPUs in Gaming-PCs aus, und die Geforce Experience-Software von Nvidia bietet keine GPU-Temperaturüberwachung. An dieser Stelle kommen Tools von Drittanbietern ins Spiel.

Viele Grafikkarten-Hersteller bieten spezielle Software an, die eine GPU-Übertaktung ermöglicht. Diese Tools zeigen in der Regel über das OSD-Menü (On-Screen-Display) die kritischen Messungen Ihrer Grafikkarte an, ähnlich dem Radeon Overlay von AMD. Aus der Vielzahl der Tools empfehlen wir Afterburner von MSI. Dieses seit langem beliebte Dienstprogramm funktioniert sowohl mit Nvidia Geforce- als auch mit AMD Radeon-Grafikkarten und bietet zahlreiche zusätzliche Funktionen, die Gamer schätzen werden.

Wenn Sie eine elegantere App bevorzugen: Precision X1 von EVGA wurde von Grund auf überarbeitet für die neuen Grafikkarten der Geforce RTX 20er-Serie von Nvidia. Die EVGA-Software funktioniert nur mit Nvidia-Grafikkarten.

Bei all diesen Tools müssen Sie tiefer in die Einstellungsoptionen eintauchen, um die OSD-Leistungsüberwachung zu aktivieren und zu verfeinern, wenn Sie eine extreme Übertaktung erreichen wollen. Wie bei AMDs Radeon Wattman können Sie  Afterburner und Precision X1 auch außerhalb von Spielen öffnen, um die Temperatur Ihrer Grafikkarte zu überprüfen.

Was machen Sie, wenn Sie entweder kein Spieler sind oder Ihre GPU-Temperatur während eines Spiels einfach nicht prüfen wollen? Dann sollten Sie eine Hardware-Überwachungssoftware installieren, die an die Temperatursensoren Ihres Systems andockt. HWInfo ist das Go-to-Monitoring-Programm unserer Wahl, da es eine Momentaufnahme praktisch aller Aspekte Ihres PCs bietet (klicken Sie auf das Sensorik-Symbol, um Temperaturwerte zu sehen). Empfehlenswert sind aber auch Speedfan und Open Hardware Monitor.

Wenn Ihnen von diesen Apps keine zusagt, erfüllt die hervorragende CAM-Software von NZXT die gleiche Aufgabe, selbst wenn Sie keine NZXT-Hardware in Ihrem PC haben. Das Tool ist ansprechend gestaltet und bietet eine praktische mobile App für die Fernüberwachung. Allerdings müssen Sie in Konto erstellen, um CAM zu verwenden.

Was ist eine gute GPU-Temperatur?

Jetzt wissen Sie, mit welchen Tools Sie die Temperatur Ihrer Grafikkarte überwachen können. Aber Zahlen auf einem Bildschirm bedeuten nichts ohne Kontext. Wie heiß sollte Ihre Grafikkarte laufen?

Eine einfache Antwort gibt es darauf nicht. Die Temperatur variiert von Grafikprozessor zu Grafikprozessor. Die meisten modernen Chips laufen bei Temperaturen von über 90 Grad Celsius, und oft werden diese Temperaturen in Gaming-Laptops erreicht.

Auf Desktops jedoch schreit eine Grafikkarte bei über 90 Grad um Hilfe. In Single-GPU-Systemen mit ordentlichem Luftstrom sollten die Temperaturen Ihrer Grafikkarte nicht über den 80-Grad-Bereich hinausgehen. Übliche Grafikkarten mit mehreren Lüftern arbeiten  oft bei 60 und 70 Grad, auch unter Volllast, und wassergekühlte GPUs können noch kühler laufen.

Wenn Ihre Grafikkarte in den letzten fünf Jahren auf den Markt kam und mit mehr als 90 Grad Celsius läuft oder wenn Sie über mehrere Wochen oder Monate hinweg eine starke Steigung Ihrer GPU-Temperatur beobachtet haben, sollten Sie über Maßnahmen zur Kühlung nachdenken.

So senken Sie die Temperatur Ihrer Grafikkarte

Wenn die Temperatur Ihrer Grafikkarte heiß wird, können Sie nicht viel tun, um sie zu verbessern, abgesehen davon, dass Sie für Hardware-Upgrades bezahlen. Aber bevor Sie mehr Geld investieren, um die GPU-Temperatur zu senken, überlegen Sie, ob Sie das wirklich brauchen.

Nochmal: Grafikchips sind für heiße Temperaturen ausgelegt. Wenn Ihr PC nicht mitten in intensiven Spiel- oder Videobearbeitungs-Sitzungen herunterfährt, müssen Sie sich wahrscheinlich keine Sorgen machen.

Überprüfen Sie zunächst die Verkabelung Ihres Systems, um sicherzustellen, dass die GPU durch die Lüfter genügend gekühlt wird. Möglicherweise müssen Sie in Ihr Gehäuse mehr Lüfter einbauen. Jeder PC sollte wenigstens Einlass- und Auslass-Lüfter für optimale Leistung haben, und das gilt erst recht für Gaming-PCs. Einfache Gehäuselüfter gibt es für unter 15 Euro beispielsweise bei Newegg . Noch günstigere Modelle finden Sie bei Amazon.

Begrenzter Platz im Gehäuse kann die Temperaturen in die Höhe treiben. Wenn Sie ein besonders kleines Gehäuse haben und Ihre Grafikkarte immer wieder überhitzt und herunterfährt, sollten Sie ein Upgrade auf ein geräumigeres Modell in Betracht ziehen. Zu große Gehäuse dagegen können die Wirkung des Lüfters zunichte machen.

Schließlich kann es vorkommen, dass die Wärmeleitpaste zwischen GPU und Kühlkörper trocken wird und ihre Wirksamkeit verliert. Das passiert am häufigsten bei Grafikkarten, die viele Jahre alt sind. Hin und wieder werden Grafikkarten auch mit einer schlechten Wärmeleitpaste geliefert, aber das ist selten. Sie könnten versuchen, sie zu ersetzen, wenn alles andere fehlschlägt, obwohl der Prozess sehr technisch ist, von Karte zu Karte variiert und damit auch die Garantie erlischt.

Wenn Sie auf der Suche nach niedrigeren Temperaturen experimentierfreudig werden wollen, können Sie das Kühlsystem Ihrer Grafikkarte gegen eine Flüssigkeitskühlung tauschen, obwohl das für die meisten Nutzer übertrieben sein dürfte.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei unseren amerikanischen Kollegen auf pcworld.com

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