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Fire TV Stick und Fire TV Stick Lite im Test

18.11.2020 | 10:25 Uhr | Birgit Götz,

Der neue Fire TV Stick 2020 kommt mit verbesserter Hardware, softwareseitig bleiben jedoch Wünsche offen. Trotzdem ist er der günstigeren Lite-Version vorzuziehen.

Man braucht nicht allzu lang, um herauszufinden, worin sich der neue Fire TV Stick (ca. 40 Euro) und der Fire TV Stick Lite (ca. 30 Euro) von Amazon unterscheiden. Der Fire TV Stick der dritten Generation ist ein überfälliges Upgrade von Amazons meistverkauftem Streaming-Player und ersetzt dessen vier Jahre alten Prozessor durch einen viel schnelleren. Die Lite-Version für etwa 10 Euro weniger ist hingegen der Versuch, die gleiche Leistung wie der Standard-Stick zu bieten, aber mit einem großen Kompromiss bei der Fernbedienung: Es gibt keine TV-Lautstärke- oder Power-Tasten.

Das macht es einfach, den Fire TV Stick statt der Lite-Version zu empfehlen - die in die Fernbedienung integrierte TV-Steuerung ist die zusätzlichen 10 Euro wirklich wert. Ob sich der Kauf der neuen Fire TV Sticks im Vergleich zu anderen preisgünstigen Streaming-Geräten lohnt, ist schwieriger zu sagen, da Amazon noch in diesem Jahr eine größere Software-Aktualisierung plant. Wir werden zu gegebener Zeit darüber berichten.

Die Sticks sehen nahezu identisch aus

Nebeneinander gehalten, sehen der neue Fire TV Stick und der Fire TV Stick Lite identisch aus. Beide werden direkt in den HDMI-Anschluss Ihres Fernsehers eingesteckt (ein kurzes Verlängerungskabel wird mitgeliefert, wenn Sie mehr Freiraum um den Fernseher herum benötigen), und beide verfügen über einen Quad-Core-Prozessor mit 1,7 GHz, 1 GB RAM, 8 GB Speicher und Dual-Band Wi-Fi-5-Unterstützung. Die beiden Sticks haben über Mikro-USB hinaus keine zusätzlichen Anschlüsse für die Stromversorgung; ein billiges USB-OTG-Kabel würde USB-Sticks und anderes USB-Zubehör ermöglichen.

Die Leistung ist verglichen mit dem Fire TV Stick von 2016 deutlich besser. Die Ladezeiten sind viel kürzer geworden, Sie können ruckelfreier durch die Menüs scrollen und die Sticks sind ungefähr so schnell wie andere preisgünstige Streamer.

Der Fire TV Stick 4K (ganz hinten) ist etwas größer als der identisch aussehende Fire TV Stick und der Fire TV Stick Lite
Vergrößern Der Fire TV Stick 4K (ganz hinten) ist etwas größer als der identisch aussehende Fire TV Stick und der Fire TV Stick Lite
© Jared Newman/IDG

Beide Fire TV Sticks liefern 1080p-Video und unterstützen einen hohen Dynamikbereich in den Formaten HDR10, HDR10+ oder HLG, obwohl weder 4K-Video noch Dolby Vision HDR unterstützt werden. Für diese Funktionen müssen Sie zu Amazons Fire TV Stick 4K (ca. 60 Euro) oder FireTV Cube (ca. 120 Euro) wechseln.

Der einzige weitere Unterschied auf dem Datenblatt betrifft Audio: Während der Fire TV Stick die Dekodierung für Dolby Atmos, Dolby Digital/Digital+ und DTS unterstützt, bietet der Fire TV Stick Lite nur ein Durchschleifen dieser Formate. Die fehlende Dolby-Dekodierung des Lite spielt in den meisten Fällen jedoch keine Rolle. Ich konnte den Ton von Dolby Atmos hören, während ich Our Planet von Netflix auf beiden Geräten sah. Und wenn Sie sich für eine Atmos-Soundbar entscheiden, haben Sie wahrscheinlich auch einen 4K-Fernseher dazu. In diesem Fall ist der Fire TV Stick 4K ohnehin die bessere Option.

Die Fernbedienungen unterscheiden sich

Der größere Unterschied zwischen dem Fire TV Stick und dem Fire TV Stick Lite liegt in den Fernbedienungen. Während der Fire TV Stick der dritten Generation über Lautstärken-Regler und Power-Knopf an der Fernbedienung verfügt, ist dies beim Modell Lite nicht der Fall.

Die Fernbedienung des Fire TV Stick Lite (hinten) hat eine Taste für die Kanalführung, während der Fire TV Stick (vorne) über Regler für die TV-Lautstärke und die Stromversorgung verfügt
Vergrößern Die Fernbedienung des Fire TV Stick Lite (hinten) hat eine Taste für die Kanalführung, während der Fire TV Stick (vorne) über Regler für die TV-Lautstärke und die Stromversorgung verfügt
© Jared Newman/IDG

Amazon ist sehr stolz auf die TV-Steuerungen, die über Infrarot-Befehle eine breite Palette von Fernsehern, Soundbars und A/V-Empfängern unterstützen. Wenn Sie ein Soundsystem mit einem eigenen IR-Empfänger haben, können Sie den Fire TV Stick so einrichten, dass die Lautstärke unabhängig vom Fernseher geregelt wird, und Sie können auch HDMI-CEC verwenden, um alles im Einklang zu regeln.

Es ist wirklich angenehm, diese Bedienelemente auf einer einzigen Fernbedienung zu haben. Beim Fire TV Stick Lite habe ich immer wieder nach den - nicht vorhandenen - Lautstärketasten gegriffen, und es war ärgerlich, für die Lautstärkeregelung dann eine separate Fernbedienung nutzen zu müssen.

Das Lite-Modell verfügt über eine eigene Fernbedienungstaste, mit der der Fire TV Channel Guide eine Übersicht unterstützter Dienste anzeigt. Für die meisten Menschen ist das nicht so interessant, weil sie jederzeit die Alexa-Sprachsteuerungstaste der Fernbedienung verwenden können, um den Channel Guide zu öffnen oder bestimmte Kanäle direkt einzustellen.

An der Software ändert sich vorerst nichts

Als Amazon den neuen Fire TV Stick ankündigte, zeigte es ein neues Menüsystem, das schlanker ist als das aktuelle. Aber das ist nicht das Menü, das Amazon heute ausliefert. Stattdessen ist es dasselbe alte Chaos, das seit Ende 2016 das Nutzungserlebnis von Fire TV bestimmt. Unter dem Top-Level-Menü und den vorgestellten Inhalten finden Sie eine Reihe mit den neuesten Anwendungen und kürzlich angesehenen Inhalten von Prime, eine sortierbare Reihe mit den beliebtesten Anwendungen und eine umfangreiche Liste von Empfehlungen mit Schwerpunkt auf Amazons Prime-Video- und IMDb-Fernsehdiensten.

Geräte wie das neue Chromecast mit Google TV und Apple TV 4K, sie alle kommen besser mit den vielen Streaming-Diensten zurecht. Wie bei Amazon versuchen sie alle, ein einziges Menü für die Inhalte bereitzustellen statt den Nutzer in viele verschiedene Anwendungen springen zu lassen. Sie sind jedoch besser organisiert, anpassbarer und weniger auf bestimmte Inhalte ausgerichtet.

Hier ein einfaches Beispiel dafür, wo Fire TV zu kurz kommt: Auf meinem Startbildschirm gibt es eine Reihe namens "Science Fiction" mit Filmen wie "Moon", "Arrival", "Ready Player One" und "Blade", aber der Startbildschirm gibt keine Informationen darüber, wo diese Filme verfügbar sind. Dazu muss ich auf jeden Eintrag klicken, um beispielsweise zu erfahren, dass Film A ein Abonnement erfordert (das Amazon verkauft) und Film B ein Verleihfilm ist (der auch von Amazon verkauft wird) und Film C über eine andere Video-App verfügbar ist.

Was wie der Versuch erscheint, das Auffinden von Streaming-Inhalten einfacher zu machen, ist in Wirklichkeit nur eine weitere Möglichkeit für Amazon, ein zusätzliches Geschäft zu machen. Im Gegensatz dazu können Sie mit dem neuen Chromecast  anpassen, welche Dienste auf dem Startbildschirm angezeigt werden. Sie erhalten also keine Empfehlungen von Diensten, für die Sie noch nicht bezahlt haben.

Zudem liefert Amazons Alexa-Suchfunktion weiterhin irrelevante Ergebnisse für Genre-Suchen wie "neue Komödien" oder "klassisches Sci-Fi", sodass Sie auf diese Weise nicht wirklich durch die Streaming-Optionen blättern können. Wenn man bedenkt, was Alexa sonst alles auf Fire-TV-Geräten kann - vom Starten von Musik- und Videoinhalten bis hin zur Steuerung von Smart-Home-Geräten - ist die Suche ein ungewöhnlicher Schwachpunkt, vor allem im Vergleich zu Siri auf Apple TV und Google Assistant auf dem neuen Chromecast.

Ob sich daran mit der neuen Oberfläche etwas ändern wird, ist unklar, denn Amazon hat noch nicht genug davon gezeigt. Wir können nur hoffen, dass es sich nicht nur um einen frischen Anstrich über alten Schwachstellen handelt.

Was sonst noch fehlt

Sie können beim Fire TV nicht über Kopfhörer zuhören. Sowohl Apple TV als auch das neue Chromecast unterstützen Bluetooth-Kopfhörer oder Ohrhörer. Zwar können Fire-TV-Geräte technisch mit Bluetooth-Kopfhörern verbunden werden, aber sie bieten keine Möglichkeit, die Lautstärke ohne aufwendige Umgehungslösungen zu regeln.

Ein solider Budget-Streamer mit Problemen

Der neue Fire TV Stick hat seine Vorteile. Alexa eröffnet einige Möglichkeiten der Sprachsteuerung, die es bei anderen günstigen Streamern nicht gibt, etwa den Start von Live-TV-Kanälen oder die Steuerung von Smart-Home-Geräten. Es ist auch eine nette Möglichkeit, auf bestimmte Over-the-Air-DVR-Lösungen zuzugreifen.

Aber der neue Fire TV Stick fühlt sich auch wie ein Streaming-Gerät an, bei dem noch nicht klar ist, wohin die Reise geht. Es fehlt die App-zentrierte Einfachheit anderer Player ebenso wie ein eleganter einheitlicher Streaming-Guide des neuen Chromecast mit Google TV. Wir werden abwarten müssen, ob das diesjährige große Interface-Upgrade den Fire TV in eine klarere Richtung bringen wird.

Wie dem auch sei: Überlegen Sie gut, ob Sie sich statt für den Fire TV Stick für den Fire TV Stick Lite und seine minderwertige Fernbedienung entscheiden. Denn das ist etwas, das kein Software-Update beheben kann.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei unseren amerikanischen Kollegen auf techhive.com

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