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Zukunftspreis 2017 geht an intuitiv bedienbaren Roboter

30.11.2017 | 13:21 Uhr |

Maschinelle Assistenten sollen künftig in digital vernetzten Produktionsstätten mit Menschen zusammenarbeiten. Dazu müssen die Maschinen teamfähig werden. Die Entwicklung des intuitiv bedienbaren Roboters wurde jetzt mit dem Deutschen Zukunftspreis 2017 ausgezeichnet.

Bislang in der Fertigung eingesetzte Automaten sind teuer, schwierig zu programmieren und unflexibel, da sie nur vorgegebene Aufgaben abarbeiten. Um Unfälle zu vermeiden, werden Roboter und Menschen in der Produktion daher durch Absperrungen voneinander getrennt.

Neue Maschinen sollen dagegen als echte Assistenten und ohne trennenden Schutzzaun mit den Menschen zusammenarbeiten. Sie sollen sich einfach bedienen lassen und für unterschiedliche Aufgaben einsetzbar sein. Dafür müssen sie teamfähig werden.

Prof. Dr.-Ing. Sami Haddadin, Dr. med Simon Haddadin und Dipl.-Inf. Sven Parusel haben einen sensiblen und intuitiv bedienbaren Roboter entwickelt, digital vernetzbar, kostengünstig und sicher für den Einsatz in der Industrie und im privaten Umfeld. Dafür wurde das Team gerade mit dem Deutschen Zukunftspreis 2017 ausgezeichnet. Der Preis ist mit 250.000 Euro dotiert.

Der Roboter ist modular aus ultraleichten Komponenten aufgebaut. In allen Gelenken hat er empfindliche Sensoren und führt Bewegungen so aus wie sich auch ein Mensch bewegen würde. Bereits auf einen leichten Kontakt reagiert der Roboter blitzschnell und zeigt menschenähnliche Reflexe. Das verhindert Verletzungen von Menschen durch eine Kollision mit der Maschine.

Tätigkeiten, die der Roboter ausführen soll, braucht man ihm lediglich vorzumachen. Daraus lernt die Maschine und kann das erworbene Wissen selbstständig auch für andere Herausforderungen nutzen – eine Fähigkeit, die herkömmliche Industrieroboter nicht haben.

Um die Programmierung besonders einfach zu machen, haben die Forscher ein neuartiges Konzept für Programmierung und Bedienbarkeit entwickelt. Damit lassen sich Aufgaben und Bewegungsabläufe visuell in kleine Programm-Module zerlegen, sogenannte Roboter-Apps. Sie machen die Nutzung von Robotern so einfach wie den Umgang mit einem Smartphone – und eröffnen eine breite Palette an neuen Anwendungsmöglichkeiten, die weit über den industriellen Einsatz hinausreichen. Künftig könnte die Technologie auch in Servicerobotern zur Unterstützung von Pflegekräften für alte, behinderte oder kranke Menschen zum Einsatz kommen. Unter anderem in einem Projekt mit der Stadt Garmisch-Partenkirchen wird der Einsatz derzeit geplant.

Die Technologie für diesen Roboter wurde vollständig in Deutschland erforscht und entwickelt, und sämtliche Produkte werden in Deutschland produziert.

Für den Zukunftspreis 2017 waren zwei weitere Teams nominiert. Team 1 hat ein Verfahren entwickelt, das klinische Aufnahmen aus dem Körperinneren für Laien anschaulicher darstellt. Es entstehen dreidimensionale und fotorealistische Abbildungen des Körpers, die selbst feine Strukturen deutlich und plastisch hervortreten lassen.

Team 3 hat leichte und kleine Handprothesen entwickelt, die auch für Kinder und Jugendliche geeignet sind, sowie ein modulares Prothesensystem, das einzelne fehlende Finger oder Teile einer Hand ersetzen kann. Diese neuartigen bionischen Prothesen verfügen als erste weltweit über einen Tastsinn, der der Person Berührungen und Kräfte vermittelt.

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