2250085

Wordpress: So richten Sie Ihre Webseite mit Linux ein

04.06.2017 | 10:09 Uhr |

Wordpress ist ein weit verbreitetes Content-Management-System für die eigene Webseite, das sich fast beliebig erweitern lässt. Wenn Sie ein paar Regeln beachten, ist die Installation in wenigen Minuten erledigt.

Ursprünglich als Blogsystem gestartet, steckt Wordpress inzwischen hinter einer Vielzahl sehr unterschiedlicher Internetauftritte. Das Erfolgsrezept lässt sich mit wenigen Worten beschreiben: Einfache Installation, hohe Flexibilität und umfangreiche Dokumentation. Zudem sind Wordpress und die meisten Plug-ins kostenlos. Die große Verbreitung motiviert außerdem zahlreiche Entwickler zu Funktionserweiterungen für das CMS. Das wiederum schafft für Wordpress ein breites Einsatzgebiet.

1. Voraussetzungen und Vorbereitungen

Wordpress benötigt PHP ab Version 5.6, das Datenbanksystem My SQL ab Version 5.6 oder Maria DB ab Version 10.0 oder höher sowie den Webserver Apache oder Nginx. Alle bekannten Webhoster erfüllen diese Anforderungen. Wie die Installation von Wordpress auf dem Server erfolgen kann, hängt vom gewählten Hostingpaket ab. Einige Anbieter stellen eine Schnellinstallation zur Verfügung, die Sie über die Verwaltungsoberfläche Ihres Servers aufrufen. Sie müssen dann meist nur noch Sprache, Blogtitel und Benutzernamen sowie Passwort für die Anmeldung festlegen.

In der Regel lassen sich die Wordpress-Installationsdateien oder ein ZIP-Archiv per FTP oder über die Verwaltungsoberfläche auf den Server hochladen. Sie können dann die Installation manuell durchführen.

Wordpress lässt sich auch auf dem Linux-PC zu Hause installieren. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn Sie Wordpress nur ausprobieren, eigene Themes entwickeln oder Standard-Themes anpassen möchten. Wer keine eigene Internetdomain anmieten möchte, kann Wordpress auch dann über das Internet erreichbar machen. Dafür benötigen Sie in der Regel einen Anbieter für dynamisches DNS.

Sollten auf Ihrem PC der Webserver Apache, PHP und der Datenbankserver My SQL noch nicht installiert sein, holen Sie das im Terminal nach; unter Ubuntu 16.04 oder neuer verwenden Sie diese Befehlszeile:

sudo apt-get install apache2 liba pache2-mod-php7.0 php7.0 php7.0-mysql mysql-server

Bis einschließlich Ubuntu 15.10 lautet die Befehlszeile so:

sudo apt-get install apache2 liba pache2-mod-php5 php5 php5-mysql mysql-server

Für den My-SQL-Server fragt Sie das Setup-Script nach Benutzernamen und Passwort.

Verwenden Sie den Benutzernamen root und ein beliebiges Passwort.

Rufen Sie die Adresse http://localhost/phpmyadmin im Webbrowser auf und erstellen Sie links im Fenster über die Schaltfläche „Neu“ eine Datenbank für Wordpress.
Vergrößern Rufen Sie die Adresse http://localhost/phpmyadmin im Webbrowser auf und erstellen Sie links im Fenster über die Schaltfläche „Neu“ eine Datenbank für Wordpress.

Datenbank einrichten: Installieren Sie das Paket „phpmyadmin“, um MySQL-Datenbanken im Browserfenster erstellen und konfigurieren können:

sudo apt phpmyadmin

Wählen Sie die Installationsmethode mit der Datenbank „dbconfig-common“, und verwenden Sie das zuvor für My SQL vergebene Passwort. Öffnen Sie im Webbrowser die Adresse

http://localhost/phpmyadmin , und melden Sie sich als Benutzer root mit dem My-SQL-Passwort an. Klicken Sie in der Baumansicht auf der linken Seite auf „Neu“. Tippen Sie unter „Neue Datenbank anlegen“ beispielsweise „wordpress“ als Namen für die Datenbank ein. Dahinter wählen Sie bei „Kollation“ den Eintrag „utf8_general_ci“ und klicken auf „Anlegen“.

Bei vielen Webhostern steht Phpmyadmin ebenfalls zur Verfügung. Sie erreichen das Tool über die Konfigurationsoberfläche Ihres Servers. Sollte nur eine Datenbank im Paket enthalten sein, ist diese bereits standardmäßig vorhanden und Sie müssen weiter nichts unternehmen.

Tipp: So passen Sie Ihr Wordpress-Theme grundlegend an

Webserver konfigurieren: Wordpress kommt beispielsweise unter Ubuntu 16.04 schon mit der Standardkonfiguration des Webservers Apache zurecht. Für den optimalen Betrieb sind jedoch zwei Maßnahmen erforderlich. Öffnen Sie mit

sudo gedit/etc/apache2/sites-available/000-default.conf

die Konfigurationsdatei und bauen Sie am Ende vor „</VirtualHost>“ diese drei Zeilen ein:

<Directory /var/www/html/>
AllowOverride All
</Directory>

Damit erlauben Sie Wordpress, die Konfiguration des Webservers über die Datei „.htaccess“ zu ändern. Aktivieren Sie außerdem das Apache-Modul „rewrite“ und starten Sie dann den Webserver neu.

sudo a2enmod rewrite
sudo systemctl restart apache2

Das Modul ermöglicht Wordpress, die URLs für Suchmaschinen optimiert umzuschreiben.

Bei einem Webhoster sind diese Änderungen nicht nötig, außer wenn Sie einen eigenen Rootserver angemietet haben.

Überblick: Zehn empfehlenswerte Plug-ins

Name

Hersteller

Beschreibung

Sprache

Background Update Tester

Wordpress.org und andere

Schreibberechtigungen prüfen

Englisch

Easy Google Fonts

Titanium Themes

Fonts für ein besseres Schriftbild

Englisch

Google XML Sitemaps

Arne Brachhold

Suchmaschinen-optimierung

Englisch

Jetpack

Automattic

Toolsammlung für Statistiken und mehr

Deutsch

Next-Gen Gallery

Photocrati Media

Bildergalerien erstellen

Deutsch

Updraft Plus

Updraft Plus

Backup-Plug-in

Deutsch

W3 Total Cache

Frederick Townes

Wordpress mit Cache beschleunigen

Englisch

WP Maintenance

Florent Maillefaud

Wartungsmodus für Wordpress

Englisch

WP Staging

Rene Hermenau

Entwicklerkopie einer Wordpress-Site erstellen

Englisch

Yoast SEO

Joost de Valk

Suchmaschinenoptimierung

Englisch

2. Wordpress per Befehlszeile frisch installieren

„install_wordpress.sh“ lädt Wordpress herunter und passt die Konfiguration an. Tragen Sie im Script die individuell für Ihr System passenden Werte ein.
Vergrößern „install_wordpress.sh“ lädt Wordpress herunter und passt die Konfiguration an. Tragen Sie im Script die individuell für Ihr System passenden Werte ein.

Die Befehlszeilen für die Wordpress-Installation haben wir im Bash-Script „install_wordpress.sh“ zusammengefasst, das Sie hier herunterladen können. Wenn Sie das Script nicht für eine automatische Installation verwenden wollen, kopieren Sie sich daraus die gewünschten Befehlszeilen am Ende der Datei und verwenden Sie diese in einem Terminalfenster.

Das Script ist unter Ubuntu 16.04 getestet. Passen Sie es zuerst an. Tragen Sie hinter „DB_PASSWORT=“ ein eigenes Passwort für die My-SQL-Anmeldung ein. Ändern Sie den Wert hinter „WP_PFAD“, wenn die Installation an einem anderen Ort als „/var/www/html“ erfolgen soll. Das Script erstellt auch eine Datenbank mit dem Namen „wordpress“, wenn diese noch nicht vorhanden ist, und erlaubt dem Benutzer „wordpress“ den Zugriff. Der Konfigurationsbereich ist im Script mit Kommentaren versehen. Starten Sie das Script aus einem beliebigen Verzeichnis:

sudo sh install_wordpress.sh

Auch bei der Installation auf dem Server eines Hostinganbieters können Sie das Script oder einzelne Befehlszeilen verwenden, wenn Sie einen Shell-Zugang über SSH besitzen. Andernfalls laden Sie das Installationspaket über https://de.wordpress.org herunter, entpacken es und kopieren die Ordner und Dateien per FTP auf Ihren Webserver. Sie müssen eine Datenbank einrichten (-> Punkt 2) und in die Wordpress-Konfigurationsdatei „wp-config-php“ die Verbindungsdaten für die Datenbank eintragen.

Installation abschließen: Rufen Sie die Adresse Ihrer InternetDomain im Browser auf. Wenn die Installation testweise auf dem eigenen PC erfolgt, verwenden Sie http://localhost . Sie sehen die Seite „Willkommen“, in der Sie den Titel der Website, Benutzernamen, Passwort und E-Mail-Adresse festlegen. Klicken Sie auf „WordPress installieren“ und danach auf „Anmelden“. Geben Sie Benutzernamen und Passwort ein und klicken Sie auf „Anmelden“. Danach sehen Sie die Wordpress-Oberfläche, über die Sie Wordpress verwalten und neue Beiträge erstellen.

Tipp: So laden Sie Wordpress in der VM

Gehen Sie auf „Einstellungen -> Permalinks“. Hier legen Sie fest, wie die URLs Ihres Wordpress-Blogs aussehen sollen. Diese Einstellung funktioniert nur, wenn Sie den Webserver wie in Punkt 2 beschrieben konfiguriert haben. Voreingestellt ist „Tag und Name“, eine Beispiel-URL sehen Sie neben jeder Option. Überlegen Sie sich jeweils genau, was die URLs enthalten sollen. Eine einmal festgelegte URL-Struktur dürfen Sie später nicht mehr ändern. Sonst führen die Links von Suchmaschinen ins Leere.

Die Position in den Ergebnislisten von Suchmaschinen lässt sich verbessern, wenn der URL-Text relevante Schlüsselwörter enthält. Das lässt sich vor allem durch sorgfältig konzipierte Beitragüberschriften erreichen. Zusätzlich können Sie auch die Kategorie in die URL übernehmen. Dazu aktivieren Sie die Option „Benutzerdefiniert“ und tragen dahinter beispielsweise Folgendes ein:

/%category%/%postname%

Eine Übersicht mit den möglichen Platzhaltern rufen Sie per Klick auf den Link über den Optionen auf.

3. Plug-ins und Themes in Wordpress ergänzen

Ohne Erweiterungen bietet Wordpress nicht viele Funktionen. Um das zu ändern, gehen Sie im Dashboard auf „Plugins“ und klicken auf „Installieren“. Verwenden Sie die Suche, um ein bestimmtes Plug-in zu finden (siehe Tabelle „Zehn empfehlenswerte Plug-ins“ auf der vorigen Seite), oder lassen Sie sich über die Vorschläge unter „Vorgestellt“, „Populär“ oder „Empfohlen“ inspirieren. Klicken Sie bei einem Plug-in vor der Installation immer auf „Weitere Details“, und informieren Sie sich darüber, ob es sich für Ihre Wordpress-Version eignet und welche Erfahrungen andere Benutzer damit gesammelt haben. Per Klicks auf „Jetzt Installieren“ und danach auf „Aktivieren“ richten Sie ein Plug-in ein.

Die Installation von Themes läuft ähnlich ab. Gehen Sie auf „Design“, und klicken Sie auf „Hinzufügen“. Wählen Sie das gewünschte Theme aus, klicken Sie auf „Installieren“ und dann auf „Aktivieren“. Auf der Übersichtsseite können Sie jederzeit wieder das Standard-Theme aktivieren. Unter „Design -> Anpassen“ finden Sie Einstellungen, über die sich das Theme anpassen lässt.

4. Updates für Wordpress automatisch oder manuell

Regelmäßig erscheinen neue Wordpress-Versionen. Meist gibt es alle vier Monate eine neue Hauptversion und bei Bedarf zwischendurch kleinere Updates. Updates innerhalb der Hauptversion, etwa von 4.6 auf 4.6.1, führt Wordpress seit Version 3.7 automatisch durch. Die Aktualisierung von Themes und Plug-ins erfolgt nur in Ausnahmefällen automatisch, etwa bei ernsthaften Sicherheitslücken.

Die Anzeige im Dashbord informiert Sie über Updates. Nach einem Klick auf „Aktualisierungen“ können Sie Wordpress aktualisieren sowie einzelne oder mehrere Plug-ins und Themes updaten.

Wichtig: Erstellen Sie vor jedem Update eine Sicherungskopie, wie im Kasten „Backup der Wordpress-Installation“ beschrieben.

Wenn Sie mehr Kontrolle über den Updateprozess haben möchten, installieren Sie das Plug-in Advanced Automatic Updates. Die Konfiguration finden Sie danach unter „Einstellungen -> Advanced Automatic Updates“. Hier können Sie auch das automatische Update von Plug-ins und Themes aktivieren oder das automatische Update komplett deaktivieren.

Tipp: Mit Hilfe des Plug-ins WP Staging erstellen Sie eine funktionstüchtige Kopie Ihrer Wordpress-Installation inklusive Datenbank in einem Unterverzeichnis. Hier können Sie live testen, ob Plug-ins und Themes oder selbst durchgeführte Anpassungen problemlos funktionieren. Wenn das der Fall ist, führen Sie die gleichen Änderungen bei der Hauptinstallation durch.

5. Fehler in Wordpress herausfinden und beheben

Auf der Seite „Plugins hinzufügen“ sehen Sie Empfehlungen für nützliche Plug-ins. Die Einrichtung erfolgt über Klicks auf „Jetzt installieren“ und „Aktivieren“.
Vergrößern Auf der Seite „Plugins hinzufügen“ sehen Sie Empfehlungen für nützliche Plug-ins. Die Einrichtung erfolgt über Klicks auf „Jetzt installieren“ und „Aktivieren“.

Ein häufigeres Problem bei Wordpress ist, dass sich Updates oder Plug-ins nicht installieren lassen. Das liegt fast immer an fehlenden Zugriffsrechten im Installationsordner. Führen Sie in diesem Fall noch einmal den Befehl

chown -R www-data:www-data /var/www/html

aus. Das Plug-in Background Update Tester kann testen, ob die Rechte für die automatischen Updates richtig gesetzt sind. Rufen Sie es nach der Installation direkt im Dashboard über „Update Tester“ auf.

Fehlerhafte oder inkompatible Plug-ins sowie Themes machen Wordpress oft komplett unbrauchbar. Sie sehen dann nur eine leere weiße Webseite. Das Dashbord lässt sich aber meist noch über „ http://MeineDomain.de/wp-admin “ starten, um dort Plug-ins zu deaktivieren oder zu einem Standard-Theme zu wechseln. Um herauszufinden, wo der Fehler liegt, aktivieren Sie den Debug-Modus von Wordpress. Dazu ändern Sie in der Datei „wp-config.php“ in der Zeile

define(‚WP_DEBUG‘, false);

den Wert von „false“ auf „true“. Wordpress gibt dann Fehlermeldungen im Browserfenster aus, über die Sie erfahren, in welcher PHP-Datei das Problem zu suchen ist. Das hilft bei einer Suche im Internet, die dann meistens zur Problemlösung führt.

Es gibt weitere Einstellungen und Plug-ins, die bei der Fehlersuche helfen können. Details erklärt die Seite https://codex.wordpress.org/Debugging_in_WordPress.

Backup der Wordpress-Installation

Erstellen Sie regelmäßig und auf jedem Fall vor jedem Update eine Sicherungskopie der Wordpress-Dateien und der Datenbank. Mit SSH-Zugriff beziehungsweise in einem Terminalfenster können Sie dafür diese drei Befehlszeilen verwenden:

cd /var/www
sudo tar cvzf backup-$(date +%Y-%m-%d).tar.gz html
sudo mysqldump -u root -p wordpress > wordpress.sql

Ändern Sie Benutzername („root“) und Datenbankname („wordpress“) für die My-SQL-Verbindung entsprechend Ihrer Konfiguration. Sie müssen das MySQL-Passwort eingeben, um das Backup durchzuführen.

Verschieben Sie die beiden entstandenen Backup-Dateien in ein anderes Verzeichnis. Um Wordpress aus dem Backup wiederherzustellen, erstellen Sie zuerst ein Backup des aktuellen Zustands, um einzelne Dateien bei Bedarf rekonstruieren zu können. Löschen Sie dann den Inhalt von „/var/www/html“.

Entpacken Sie die tar.gz-Datei im Backup-Ordner, kopieren Sie die Dateien nach „/var/www“ und stellen Sie die Datenbank wieder her (drei Zeilen):

sudo tar xvzf NameDerBackupDatei.tar.gz
sudo cp -a html /var/www
sudo mysql -u root -p wordpress < wordpress.sql

Ohne SSH übertragen Sie die Dateien per FTP und legen ein Datenbank-Backup über Phpmyadmin an (Registerkarte „Exportieren“). Alternativ installieren Sie ein Backup-Plug-in wie Updraft Plus, das eine Sicherung regelmäßig nach einen Zeitplan durchführt.

0 Kommentare zu diesem Artikel

PC-WELT Marktplatz

2250085