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Wordpress als Kalender oder Dokumentzentrale im Heimnetz nutzen

21.03.2018 | 14:11 Uhr |

Das Content-Management-System für Webblogs eignet sich auch für den Aufbau eines heimischen Intranets. Wir zeigen Ihnen, wie Sie damit eine Wissensdatenbank und einen Familienkalender bereitstellen.

Wordpress gehört zu den beliebtesten kostenlosen Content-Management-Systemen. Wir zeigen Ihnen nachfolgend, wie Sie Wordpress in Ihrem lokalen Heimnetzwerk installieren und dort beispielsweise als Wissensdatenbank oder als globalen Familienkalender einsetzen. Aufgrund der Vielzahl von Wordpress-Erweiterungen sind dies aber nur Beispiele für viele weitere Einsatzmöglichkeiten, die auch im Heimnetz lohnen.

Download: Blogging-Software WordPress

Installation des Webservers

Für den Betrieb von Wordpress benötigen Sie eine Lamp-Umgebung. „LAMP“ steht für (L)inux als Betriebssystem, (A)pache als Webserver, (M)y SQL als Datenbank und (P) HP als Programmiersprache. Die folgenden Schritte erläutern in Kürze die Einrichtung auf Debian-basierten Distributionen, in unserem Fall im aktuellen Ubuntu. Nach der Aktualisierung der Paketlisten mit

sudo apt-get update

können Sie mit der Installation der Programme beginnen. Als erstes ist der Apache-Server an der Reihe:

sudo apt-get install apache2

Wenn Sie die Installation anschließend mit

sudo apache2ctl configtest

prüfen, erhalten Sie einen Hinweis über einen fehlenden Domainnamen für den Server. Dieser ist auch notwendig, wenn Sie den Server im lokalen Heimnetzwerk betreiben. Sie können diesen über den Parameter „ServerName“ in der Datei „apache2.conf“ hinterlegen:

sudo nano /etc/apache2/apache2.conf

Gehen Sie anschließend ans Ende der Datei und geben Sie dort die folgende Zeile ein, wobei „IP-Adresse“ die lokale IP-Adresse des Computers darstellt, auf dem der Apache-Server und Wordpress laufen (etwa „192.168.178.40)“.

ServerName [IP-Adresse]

Speichern Sie anschließend die Datei mit der Taste F3 und schließen Sie die Datei mit F2. Wenn Sie die Installation anschließend noch einmal prüfen, erhalten Sie als Ergebnis „Syntax OK“ zurückgeliefert. Damit die Einstellungen Wirkung zeigen, starten Sie hiermit Apache neu:

sudo systemctl restart apache2

Damit ist der Webserver einsatzbereit. Wenn Sie die IP-Adresse in die Adresszeile eines Webbrowsers auf Ihrem Heimnetzwerk eingeben, bekommen Sie die Standardseite des Apache-Webservers zu sehen. Wie bei jedem Server ist es auch hier dringend ratsam, über den Router eine feste IP einzurichten.

Einrichtung des Apache-Webservers.
Vergrößern Einrichtung des Apache-Webservers.

My-SQL-Datenbank und PHP installieren

Für die Installation der My-SQL-Datenbank verwenden wir wieder das Terminal:

sudo apt-get install mysql-server

Während der Installation werden Sie aufgefordert, für den root-Benutzer ein Passwort zu setzen. Notieren Sie dieses Passwort, das Sie im weiteren Verlauf noch benötigen. Als letzten Schritt gilt es, die Programmiersprache PHP und einige Bibliotheken zu installieren:

sudo apt-get install php libapache2-mod-php php-mcrypt php-mysql

Da Wordpress auf PHP basiert, verändern wir noch die Reihenfolge der Ausführungen der Index-Dateien. Im Normalfall wird als erstes „index.html“ und erst dann „index.php“ ausgeführt. Sie können dies jedoch einfach anpassen, indem Sie in der Datei „dir.conf“ die Reihenfolge der Dateien ändern:

sudo nano /etc/apache2/modsenabled/dir.conf

Suchen Sie nach dem Parameter „DirectoryIndex“ und ändern Sie die Reihenfolge wie folgt:

DirectoryIndex index.php index.html index.cgi index.pl index.xhtml index.htm

Speichern Sie die Änderung, und schließen Sie den Editor. Starten Sie anschließend Apache neu. Wenn Sie prüfen sollen, ob Sie die Anpassungen korrekt durchgeführt haben, führen Sie am besten einen Systemtest durch:

sudo systemctl status apache2

Wenn Sie in der Übersicht eine grüne „Ampel“ und den Status „Active (running)“ sehen, haben Sie die Anpassung erfolgreich durchgeführt. Zum Abschluss können Sie noch testen, ob auch PHP korrekt installiert wurde. Dies können Sie mit einer einfachen Webseite bewerkstelligen, welche die Funktion „phpinfo()“ aufruft. Diese legen Sie mit dem folgenden Befehl an:

sudo nano /var/www/html/info.php

Der Aufruf wird über ein einfaches PHPScript realisiert:

<?php
phpinfo();
?>

Speichern Sie die Datei und rufen Sie diese über Ihren Browser auf:

http://[IP-Adresse]/info.php

Bei erfolgreicher Installation erhalten Sie die Infoseite von PHP angezeigt.

Der Befehl „phpinfo()“ zeigt alle Details zur verwendeten Version an.
Vergrößern Der Befehl „phpinfo()“ zeigt alle Details zur verwendeten Version an.

Datenbank und PHP-Bibliotheken

Damit haben Sie alle Grundlagen, um Wordpress zu installieren. Als vorbereitenden Schritt legen Sie eine Datenbank auf dem My-SQL-Server an. Hierzu geben Sie im Terminal den folgenden Befehl ein:

mysql -u root -p

Sie werden anschließend nach dem Passwort Ihres root-Benutzers gefragt. Dieses haben Sie bei der Installation der Datenbank angegeben. Nach der Anmeldung legen Sie die Datenbank über den Anmeldedialog an:

CREATE DATABASE wordpress DEFAULT CHARACTER SET utf8 COLLATE utf8_unicode_ci;

Den Dantebanknamen können Sie frei wählen – im Beispiel verwenden wir „wordpress“. Für den Zugriff empfehlen wir, einen alternativen Benutzer neben root anzulegen. Dies können Sie direkt über die My-SQL-Konsole erledigen:

GRANT ALL ON wordpress.* TO '[benutzer]'@'localhost' IDENTIFIED BY '[passwort]';

Den Namen des Benutzers und das Passwort können Sie nach Belieben festlegen. Bestätigen Sie zum Schluss die Aktion mit „FLUSH PRIVILEGES“; und verlassen Sie die My-SQL-Konsole mit „EXIT“.

Für die Ausführung von Wordpress sind noch ein paar ergänzende PHP-Bibliotheken notwendig, die Sie mit folgendem Befehl installieren:

sudo apt-get install php-curl phpgd php-mbstring php-mcrypt php-xml php-xmlrpc

Starten Sie anschließend Ihren Apache-Server neu. Danach sind noch ein paar kleinere Korrekturen notwendig. Zur Verwaltung von Zugriffsrechten über „.htaccess“-Dateien müssen diese zuvor in der Apache-Konfigurationsdatei „apache2.conf“ zugelassen werden.

sudo nano /etc/apache2/apache2.conf

Fügen Sie am Ende der Datei den folgenden Block ein:

<Directory /var/www/html/>
AllowOverride All
</Directory>

Für die Permalink-Funktion von Wordpress wird zusätzlich das Modul mod_rewrite benötigt:

sudo a2enmod rewrite

Starten Sie anschließend den Apache-Webserver noch einmal neu, damit die Änderungen wirksam werden.

Auf der webbasierten Konfigurationsseite legen Sie u.a. Benutzer an.
Vergrößern Auf der webbasierten Konfigurationsseite legen Sie u.a. Benutzer an.

Wordpress installieren

Die aktuelle Version von Wordpress mit deutschen Sprachpaketen finden Sie auf der Website https://de.wordpress.org/releases/. Entpacken Sie den Download in das Verzeichnis „/var/www/html“. Kopieren Sie anschließend die Datei „wp-configsample. php“ und benennen Sie diese in „wp-config.php“ um.

Damit Installation und der anschließende Betrieb reibungslos funktionieren, müssen Sie noch die Rechte für den Zugriff auf Verzeichnisse anpassen.

Weisen Sie als Erstes mit chown Ihren Benutzer als Besitzer für die www-data-Gruppe zu. Ersetzen Sie „meinuser“ durch Ihren Benutzernamen:

sudo chown -R meinuser:www-data /var/www/html

Dass die Rechte in den Verzeichnissen vererbt werden und die notwendigen Berechtigungen im Verzeichnis „wp-content“ für die Anlage von Inhalten vorhanden sind, erledigen die beiden folgenden Befehle:

sudo find /var/www/html -type d -exec chmod g+s {} \;
sudo chmod g+w /var/www/html/wpcontent

Zusätzlich werden mit

sudo chmod -R g+w /var/www/html/wpcontent/themes
sudo chmod -R g+w /var/www/html/wpcontent/plugins

die Berechtigungen für die Verzeichnisse „themes“ und „plugins“ erweitert. Damit die Installation starten kann, müssen Sie noch die Zugriffsdaten auf Ihre Datenbank hinterlegen. Öffnen Sie hierzu die Datei für die Bearbeitung im Editor:

nano /var/www/html/wp-config.php

Passen Sie anschließend die Parameter „DB_NAME“, „DB_USER“ und „DB_PASSWORD“ an und ersetzen Sie die Werte durch den My-SQL-Datenbanknamen sowie Ihren neu angelegten Datenbankbenutzer. Fügen Sie am Ende der Datei noch die folgende Zeile ein, damit Sie im Nachgang in der Lage sind, Erweiterungen und Updates zu installieren:

define('FS_METHOD', 'direct');

Anschließend können Sie über den Webbrowser die Installationsroutine von Wordpress aufrufen. Diese sollte bei Eingabe der IP-Adresse automatisch starten. Geben Sie den Namen für Ihre lokale Website sowie die Kontodaten für den ersten Benutzer ein. Nachdem die Installation abgeschlossen ist, können Sie sich das erste Mal auf der Administrationsoberfläche mit diesen Kontodaten anmelden.

Sie können über den Editor neue Beiträge zur Wissensdatenbank hinzufügen.
Vergrößern Sie können über den Editor neue Beiträge zur Wissensdatenbank hinzufügen.

Wissensdatenbank und Kalender einrichten

Für die Wordpress-Nutzung im Heimnetz bieten sich unterschiedliche Szenarien an. Schnell zu installieren ist eine Wissensdatenbank, in der Sie wichtige Infos einfach sammeln und schnell zur Hand haben. Damit halten Sie für sich und andere Familienmitglieder etwa technische Informationen bereit und müssen nicht wiederholt recherchieren, wie etwa der Drucker an einem neuen Gerät eingerichtet werden muss. Wir haben uns an dieser Stelle für die Erweiterung WP Knowledgebase entschieden. Sie können damit Wissensdatenbanken, aber auch Begriffssammlungen aufbauen. Das kostenlose Plug-in erhalten Sie unter https://de.wordpress.org/plugins/wp-knowledgebase/ . Sie können nach der Installation und Aktivierung des Plug-ins themenbezogene Artikel schreiben. Hierzu steht unter dem zusätzlichen Menü „Wissensdatenbank“ der Eintrag „Neuer Artikel“ zur Verfügung.

Zur besseren Übersicht und Darstellung lassen sich die Wissensartikel in Kategorien einordnen, die Sie über den Menüeintrag „Categories“ anlegen. Das Plug-in bringt auch eine eigene Suchfunktion mit, die Sie über die Einstellungen („Settings“) aktivieren. Am Ende sehen Sie, strukturiert nach den von Ihnen angelegten Kategorien, alle Artikel in einer Übersicht und können mit Hilfe des Suchfensters auch gezielt recherchieren.

Terminkalender anlegen: Damit Sie und Ihre Familie wichtige Termine im Blick behalten, hilft ein zentral gepflegter Terminkalender. Für die Umsetzung unter Wordpress ist der Wordpress Spider Calendar das einschlägige Werkzeug. Das Plug-in beherrscht auch mehrere Kalender.

Verwenden Sie den Eintrag „Calendars“, um einen neuen Kalender anzulegen. In diesem Menü tragen Sie auch die Ereignisse mit Hilfe des Links „Manage Events“ ein. Einzelne Events lassen sich einfach mit Hilfe von Kategorien gruppieren. Am besten legen Sie vorab über „Event Category“ die benötigten Kategorien an wie etwa „Geburtstag“, „Reise“ oder „Familienfest“. Sie können zu jeder Kategorie einen Farbton wählen, damit die Ereignisse optisch besser unterschieden werden. Die Ereignisse werden immer kalenderbezogen angelegt.

Für die Veröffentlichung eines Kalenders benötigen Sie lediglich eine bestehende oder neu angelegte Wordpress-Seite. Dort fügen Sie den gewünschten Kalender über das Symbol „Insert Spider Calendar“ ein.

Schneller Zugriff auf Erweiterungen

Damit Sie Ihren Kalender oder die Wissensdatenbank schnell im Zugriff haben, verknüpfen Sie die Anwendungen am besten mit einem eigenen Wordpress-Menüeintrag. Dies lässt sich einfach über das Menü „Design -> Customizer -> Menüs“ realisieren. Wählen Sie an dieser Stelle das Menü aus, welches Sie erweitern möchten, und fügen Sie die neuen Elemente über „Einträge hinzufügen“ ein. Anschließend erreichen Sie diese Module mit einem Klick auf jeder Wordpress-Seite.

Lesetipp Content-Management-Systeme im Überblick

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