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Windows-Kernel enthielt Code-Zeilen gegen Gamma-Strahlen

27.11.2018 | 12:24 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Für kurze Zeit gab es im Kernel von Windows einige Code-Zeilen, die verhindern sollten, dass Gamma-Strahlen den Cache des Prozessors beinträchtigen.

Es klingt wie ein Scherz, ist aber offensichtlich erst gemeint: Für kurze Zeit gab es im Kernel von Windows einige aktive Code-Zeilen, die verhindern sollten, dass Gamma-Strahlen den Cache des Prozessors beeinträchtigen. Das verriet Raymond Chen, der seit Jahrzehnten als Windows-Programmierer für Microsoft arbeitet, in seinem Blog The Old New Thing. Chen bildet den Code in seinem Blogeintrag ab:


 ;

; Invalidate the processor cache so that any stray gamma

; rays (I'm serious) that may have flipped cache bits

; while in S1 will be ignored.

;

; Honestly.  The processor manufacturer asked for this.

; I'm serious.

;

invd

Übersetzt heißt das in etwa: "Mache den Prozessor-Cache ungültig, damit irgendwelche verirrte Gamma-Strahlen (ich meine das ernst), die vielleicht Bits im Cache umgedreht haben, während sie im S1 waren, ignoriert werden. Ehrlich. Der Prozessor-Hersteller hat danach gefragt. Ich meine das ernst."

Chen selbst bezweifelt die Wirksamkeit dieser Maßnahme. Denn wenn die Gamma-Strahlen den Prozessor-Cache manipuliert haben sollten, dann sollten sie doch auch die Daten im Arbeitsspeicher manipuliert haben. Oder sei etwa der Prozessor-Cache empfindlicher gegenüber Gamma-Strahlen als der Arbeitsspeicher, fragt Chen in die Runde. Und in Anspielung auf die im Quellcode eingebauten Bemerkungen wie „ich meine das ernst“ und „ehrlich“ witzelt Chen: „Die Person, die den Code geschrieben hat, scheint meine Ungläubigkeit geteilt zu haben“.

Weniger als drei Wochen nach dem Einbau des besagten Code-Abschnitts wurde die invd-Anweisung laut Chen bereits wieder auskommentiert. Doch der Code-Teil blieb – unwirksam gemacht, weil er ja auskommentiert war – im Quelltext bestehen. Vermutlich, damit man ihn jederzeit wieder aktivieren konnte.

Chen hat zudem von einem Kollegen erfahren, dass derartige Anfragen nicht ungewöhnlich waren, vor allem bei frühen Prozessoren. In der Tat sind Rechner, die im Weltall eingesetzt werden -  zum Beispiel in Raketen oder auf der ISS – besonders starker Strahlung ausgesetzt, was die Hardware vorzeitig altern lässt. Diese beschleunigte Alterung kann man durch speziell gehärtete Hardware, aber auch durch bestimmte Software-Routinen verzögern. Ein aktuelles Beispiel dafür ist ein Linux-Super-Computer, der nur mit Hilfe von speziellen Programmierroutinen kosmischer Strahlung standhalten soll.

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