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Windows 10 TruePlay erklärt Spiele-Cheatern den Krieg

25.10.2017 | 13:20 Uhr |

Windows 10 sagt mit dem Herbst-Update und TruePlay den Spiele-Cheatern den Kampf an. So funktioniert die neue Technik.

Mit dem Windows 10 Fall Creators Update hat Microsoft neben vielen Neuerungen und Verbesserungen mit TruePlay eine neue Anti-Cheat-Technologie für PC-Spiele in Windows 10 integriert. Cheater gehören zu den Ur-Problemen des PC-Online-Gaming und in der Vergangenheit haben Spielehersteller eigene Werkzeuge zur Bekämpfung dieses Problems in ihre Titel eingebaut oder mit ihren Spielen ausgeliefert. Wie etwa Punkbuster, Game Guard oder das von der größten Spiele-Onlineplattform Steam genutzte Valve Anti-Cheat System (VAC).

Mit TruePlay integriert Microsoft zum ersten Mal eine solche Technologie direkt in das Windows-Betriebssystem. Das passt auch zu der Strategie von Microsoft, die Windows-Plattform als die PC-Spiele-Plattform zu fördern. Doch was steckt eigentlich hinter TruePlay?

Was wir über TruePlay in Windows 10 wissen

Das Herbst-Update für Windows 10 wird mit einer schnelleren Geschwindigkeit an die Windows-10-Nutzer ausgeliefert als noch das Frühlings-Update. Das Update enthält ein paar spannende Neuerungen im Bereich Gaming, die wir Ihnen in diesem Beitrag vorstellen. Beim Stöbern im Bereich "Spiele" in den Einstellungen fällt der Eintrag gleich unter dem "Spielmodus" auf: TruePlay. Die Funktion wird über einen Schalter aktiviert und ist standardmäßig deaktiviert - zumindest war dies so bei unseren Testrechnern, auf denen wir das Windows 10 Fall Creators Update, also Windows 10 Version 1709 Build 16299.199, installiert haben.

Die Beschreibung liefert nur wenige Informationen über die Funktion. Dort heißt es lediglich: "Fair Play steht beim Spielen an erster Stelle. Mithilfe von TruePlay werden Systeminformationen für Spiele bereitgestellt, um sicherzustellen, dass alles ordnungsgemäß abläuft."

Und weiter heißt es: "Wenn Sie diese Option deaktivieren, sind die verfügbaren Spiele u.U. eingeschränkt." So weit, so gut. Allerdings bleiben viele Fragen offen. Zum ersten Mal war TruePlay mit einer Windows-Insider-Version von Windows 10 im Juni 2017 ausgeliefert worden und die Funktion hieß damals noch "Game Monitor". Auch seinerzeit gab es seitens Microsoft nur wenige Informationen zu dieser Funktion.

Was Microsoft über TruePlay verrät

Auffällig ist, dass Microsoft nicht allzu viele Infos rund um TruePlay geliefert hat. Zumindest bisher: Im MSDN, welches für fortgeschrittene Nutzer und Entwickler gedacht ist, liefert Microsoft in dem Support-Beitrag ein paar weitere Details zu TruePlay. Auch hier ist von "neuen Tools" die Rede, die Entwickler erhalten, um Cheater in ihren PC-Spielen zu "bekämpfen".

In einem MSDN-Beitrag erklärt Microsoft den Entwicklern, wie sie TruePlay in ihren Spielen einsetzen können
Vergrößern In einem MSDN-Beitrag erklärt Microsoft den Entwicklern, wie sie TruePlay in ihren Spielen einsetzen können

Der Entwickler-Seite ist zu entnehmen, dass bei Spielen, die über TruePlay vor Cheatern geschützt werden, das Spiel in einer "geschützten Umgebung" auf dem lokalen Rechner unter Windows 10 läuft. Dadurch soll verhindert werden, dass andere Prozesse auf das Spiel (und dessen Prozesse) einen potentiell manipulativen Zugriff erhalten. Zusätzlich überwacht TruePlay das Geschehen auf dem Rechner auf Anzeichen hin, die auf Spielemanipulationen hindeuten könnten.

Zuständig hierfür ist ein eigener, im Hintegrund laufender Windows-Dienst. Zum Schutz der Privatssphäre der Nutzer, so heißt es dort, und zum Schutz vor Fehlalarmen, werden Daten nur dann an die Entwickler des Spiels übersendet, wenn ein Cheating auf dem System festgestellt wurde.

Spiele, die TruePlay verwenden, können selbst dann gestartet werden, wenn TruePlay vom Nutzer abgeschaltet wird. Der Start der Spiele wird also nicht verhindert. Entwickler können somit die Nutzung von Spiele-Funktionen erlauben, ohne dass die Spiele-Überwachung aktiviert sein muss. Das macht zum Beispiel bei Spielen Sinn, die einen Einzelspieler- und einen Mehrspieler-Modus anbieten. Allerdings: Entwickler können auch darauf bestehen, dass die Spieler das Spiel nur mit eingeschaltetem TruePlay starten. In diesem Fall starten die Spiele dann ohne TruePlay nicht.

Derzeit kaum Spiele von TruePlay betroffen

Die Anzahl der Spiele, die von TruePlay betroffen sind, dürfte aktuell bei... Null liegen. TruePlay spielt erst dann eine Rolle, wenn die Entwickler in ihren Spielen die von Microsoft dafür bereitgestellten Programmierschnittstellen (APIs) einsetzen. Diese TruePlay APIs können zudem nur bei Anwendungen und Spielen zum Einsatz kommen, die die Universal Windows Plattform (UWP) nutzen. Das wiederum bedeutet, dass TruePlay auch in Zukunft nur die Spiele betreffen wird, die als UWP-Spiele über den Windows Store in Windows 10 verkauft und verbreitet werden. Und bis die API überhaupt eingesetzt wird und ein solches Spiel erscheint, dürfte noch einige Zeit vergehen.

Das wiederum bedeutet aber auch, dass die beispielsweise über Steam verkauften traditionellen Win32-Spiele nicht durch TruePlay geschützt vor Cheatern geschützt werden können. Offen bleibt auch, ob überhaupt Dritthersteller künftig TruePlay verstärkt unterstützen werden. Bisher ist uns jedenfalls kein solcher Titel bekannt.

Wir vermuten eher, dass TruePlay - wenn überhaupt - künftig bei den Xbox Play Anywhere Titeln und dort im Multiplayer-Modus zum Einsatz kommen könnte. Solche Xbox Play Anywhere Titel stammen vor allem von Microsoft-Entwicklerstudios und müssen nur einmal erworben werden und sind dann sowohl auf einem Windows-10-Rechner als auch auf einer Xbox One (Xbox One X) spielbar. Die Spielstände werden dabei in der Cloud abgelegt, so dass man am Rechner dort weiterspielen kann, wo man an der Konsole aufgehört hatte.

Festzuhalten bleibt, dass Cheating eines der großen Probleme des PCs als Spiele-Plattform ist und bleibt. Entwickler populärer Spiele wie World of Warcraft, Counterstrike und Player Unknown´s Battlegrounds (PubG) können ein Lied davon singen. BlueHole Studios, Entwickler von PubG, hatte erst kürzlich erklärt, dass pro Tag um die 13.000 Spieler wegen Cheating gebannt werden müssen und dieser Bann-Hammer bisher über 320.000 Spieler getroffen habe.

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