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Windows S: 10 Fragen zum Light-Windows

25.02.2019 | 10:16 Uhr | Roland Freist

Offiziell heißt die weitgehend unbekannte Windows-Variante nun „Windows 10 im S-Modus“. Was steckt dahinter, welche Funktionen, Vor-und Nachteile bietet es – und was wurde aus dem Vorgänger „Windows 10 S“?

1. Was genau war eigentlich die Version Windows 10 S?

Windows S ist eine im Mai 2017 vorgestellte Variante von Windows 10 Pro, mit der sich nur Apps aus dem Microsoft Store ausführen lassen. Windows S akzeptiert dabei auch Programme aus dem „Microsoft Store für Unternehmen“, in welchem Firmen genau definierte Anwendungen bereitstellen können. Eine Anmeldung bei einer lokalen Windows-Domäne ist nicht möglich, stattdessen kann der Rechner in ein Active Directory eingebunden werden, das in der Microsoft-Cloud Azure gehostet wird. Der übrige Funktionsumfang ist identisch zu dem der normalen Windows-Versionen.

2. Warum hat Microsoft diese spezielle Version entwickelt?

Grund war der große Erfolg von Notebooks mit Googles Chrome-OS, das an den amerikanischen Schulen bereits einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent errungen hat. Chrome-OS basiert auf dem ebenfalls von Google entwickelten Open-Source-Betriebssystem Chromium und bietet dem Anwender im Wesentlichen den Browser Chrome zum Arbeiten an. Darüber lädt er Webanwendungen wie Google Drive oder Google Docs; lokale Installationen sind nicht vorgesehen. Notebooks mit Chrome-OS, die sogenannten Chromebooks, verfügen lediglich über eine kleine SSD, von der sie das Betriebssystem laden. Sie sind deutlich günstiger als Modelle mit Speichervolumen im dreistelligen Gigabyte-Bereich; der Anwender benötigt jedoch zum Ausführen der Programme ein Google-Konto und eine Internetverbindung.

Microsoft wollte diesen Markt nicht komplett Google überlassen und brachte daher Windows 10 S heraus. Allerdings ist das Konzept dieser Variante weit weniger radikal als das von Chrome-OS, denn sie läuft auf der gleichen Hardware-Basis wie die normalen Windows-Versionen und bietet auch deren Funktionsumfang. Windows 10 S ist jedoch deutlich preiswerter als die übrigen Windows-Varianten.

Das Microsoft-Notebook Surface war als eines der ersten Geräte mit Windows 10 S ausgestattet.
Vergrößern Das Microsoft-Notebook Surface war als eines der ersten Geräte mit Windows 10 S ausgestattet.

3. Und was ändert sich nun mit Windows 10 im S-Modus?

Nun wird es etwas verwirrend: Offenbar hat das Konzept für Windows 10 S nicht wie gewünscht funktioniert, so dass sich Microsoft etwas Neues überlegte. Anstatt eine eigene Betriebssystemversion zu vermarkten, änderte man im Frühjahr 2018 mit dem Update auf Windows 10 Version 1803 Windows 10 S in einen speziellen S-Modus. Dieser ist für die Versionen Windows 10 Home, Pro und Enterprise verfügbar. Das ursprüngliche Windows 10 S war nur für die Pro-Fassung verfügbar.

Das bisher angebotene Windows 10 S wurde vom Markt genommen. Windows 10 im S-Modus besitzt die gleichen Einschränkungen wie die alte S-Version und entspricht ansonsten in der Funktionalität den Home-, Pro-und Enterprise-Varianten.

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4. Was sind die Vorteile von Windows 10 im S-Modus?

Das ist in erster Linie die höhere Stabilität des Betriebssystems. Da der Anwender ausschließlich zertifizierte Apps aus dem Windows Store verwenden kann, ist die Gefahr von Malware oder Systemabstürzen deutlich geringer. Aber auch bei den Treibern gibt es gegenüber den Standardversionen einen Unterschied: Anwender können lediglich zertifizierte Treibersoftware über das Windows-Update einrichten. Auch das erhöht die Stabilität. Außerdem soll sich die Akkulaufzeit bei Notebooks um etwa 15 Prozent verlängern, und die Computer sollen auch schneller starten.

5. Benötigt man mit Windows 10 im S-Modus einen Virenschutz?

Ja. Allerdings beschränkt sich die Auswahl derzeit auf das Windows Defender Security Center. Dies ist die einzige Antiviren-Software, die im Store verfügbar ist.

6. Und wo liegen die Nachteile von Windows 10 im S-Modus?

Eben bei der Beschränkung auf zertifizierte Software. Falls Sie beispielsweise für Ihre Arbeit eine Anwendung benötigen, die nicht über den Windows Store erhältlich ist, müssen Sie mit Windows 10 im S-Modus zukünftig darauf verzichten. Das Gleiche gilt für Treibersoftware: Dort dürfte es vor allem im Zusammenhang mit Druckern und Scannern zu Problemen kommen. Denn zum einen können Sie ältere, noch für Windows 7 oder 8 geschriebene Treiber der Hersteller nicht mehr verwenden. Außerdem gehören zum Lieferumfang dieser Geräte oftmals eigene Tools, die ausschließlich auf einer beigelegten DVD oder der Website des Herstellers verfügbar sind. Auch diese lassen sich nun normalerweise nicht mehr einsetzen. Als Office-Paket gibt es das Abo für Office 365 im Store.

Übrigens: Von den großen Browsern ist ausschließlich Edge im Windows Store verfügbar, also weder Firefox noch Chrome. Die fest voreingestellte Standard-Suchmaschine von Windows 10 im S-Modus ist Bing. Google und andere Konkurrenten können lediglich über die Eingabezeile des Browsers angesteuert werden.

Das herkömmliche Windows 10 bietet es als Option an, ausschließlich zertifizierte Apps aus dem Store zuzulassen.
Vergrößern Das herkömmliche Windows 10 bietet es als Option an, ausschließlich zertifizierte Apps aus dem Store zuzulassen.

7. Für wen ist Windows 10 im S-Modus interessant?

In erster Linie tatsächlich für Bildungseinrichtungen wie Schulen, Sprachinstitute und so weiter. Sie bekommen mit dieser Version mehr Kontrolle über die Rechner ihrer Schüler und verringern den administrativen Aufwand. Günstiger sind die Rechner mit Windows 10 im S-Modus jedoch nicht.

8. Wo kann man Windows 10 im S-Modus nun kaufen?

Das Betriebssystem wird zum einen vorinstalliert auf einigen Notebooks ausgeliefert, entsprechende Modelle gibt es beispielsweise von Microsoft, Medion oder Trekstor. Außerdem können Bildungseinrichtungen, die bisher beispielsweise Windows 10 Education oder Windows 10 Education Pro verwendet haben, Windows 10 im S-Modus über ihren Händler anfordern, testen und kaufen. Unternehmen, die Volumenlizenzen besitzen, erhalten Windows 10 Enterprise im S-Modus von ihrem Vertragspartner.

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9. Lässt sich Windows 10 S zum normalen Windows umwandeln?

Ja, allerdings gibt es keine Möglichkeit zurück: Wenn Sie den S-Modus verlassen haben, können Sie ihn anschließend nicht wieder aktivieren. Das sollten Sie vor einem Wechsel zum herkömmlichen Betriebssystem vor Augen haben.

Falls Sie sich dennoch dazu entschließen, gehen Sie folgendermaßen vor: Rufen Sie über das Startmenü die „Einstellungen“ auf und klicken Sie „Update und Sicherheit –› Aktivierung“. Dort finden Sie im S-Modus den Eintrag „Zu Windows 10 Home wechseln“ oder „Zu Windows 10 Pro wechseln“. Klicken Sie dort auf die Option „Zum Store“. Vorsicht: Eventuell gibt es auch einen Abschnitt „Upgrade für Ihre Windows-Version”. Achten Sie darauf, nicht dort auf den Link „Zum Store” zu klicken. Wenn Sie den Store erreicht haben, drücken Sie auf der Seite „Ausschalten des S Modus“ den Button „Abrufen“. Sobald dann eine Bestätigungsmeldung erscheint, ist der Modus deaktiviert und Sie können auch Software von außerhalb des Stores installieren.

Die App „Ausschalten des S Modus“ beziehungsweise „Switch out of S-Mode“ ist nur für Computer und Tablets mit Windows 10 im S-Modus erreichbar.

10. Kann man den S-Modus auch selbst aktivieren?

Nein, das ist offiziell nicht vorgesehen. Allerdings findet man auf der Microsoft-Website ein Dokument für Entwickler, das genau diesen Prozess für PCs mit AMD-CPU beschreibt. Eine Art abgespeckten S-Modus finden Sie zudem in den „Einstellungen“ unter „Apps“: Aktivieren Sie dort bei „Installationsquellen“ die Option „Nur Apps aus dem Store zulassen“.

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