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Wie TV-Hersteller Sie hinters Licht führen

30.05.2018 | 09:45 Uhr |

Abgesehen von Größe, Auflösung und Anschlüssen machen TV-Hersteller kaum konkrete technische Angaben, die einen Vergleich unterschiedlicher Geräte erlauben würden. Jeder benennt dabei grundsätzlich gleiche Funktionen anders – zumeist mit einem eindrucksvoll klingenden Marketingbegriff.

Selbst einfache Angaben zu Helligkeit, Kontrast oder Bildwiederholrate sind dann nicht sogleich ersichtlich. Stattdessen lesen Sie Ultimate Contrast, Mega Contrast und Dynamic Contrast. Ob damit nun der echte Kontrast innerhalb eines Bildes oder der dynamische Kontrast gemeint ist, bleibt ebenso außen vor wie eine Zahl, die der Käufer für einen Vergleich benutzen könnte. Ähnliches gilt für Angaben zur Bildwiederholrate: Einige Hersteller operieren noch mit Fantasiezahlen wie 600 Hz. Die Zahl steht nicht etwa für die tatsächliche Wiederholfrequenz des Panels, sondern gibt an, wie viele Zwischenbilder der Fernseher errechnen kann, um die Darstellung von schneller Bewegung flüssiger wirken zu lassen. Ob dies der Bildqualität zuträglich ist, lässt sich daran nicht erkennen. Zahlreiche TV-Anbieter verwenden jedoch inzwischen auch hier Fantasiebegriffe wie Superb Motion Drive, Perfect Natural Motion oder Supreme Motion.

Bei einigen Herstellern sind immerhin die eigenen Modelle untereinander vergleichbar – so nutzt Samsung dazu beispielsweise einen sogenannten PQI (Picture Quality Index), Philips den PPI (Picture Performance Index). Je höher der Index hier ausfällt, desto hochwertiger soll auch die Bildqualität sein. Wodurch sich allerdings zwei unterschiedliche Modelle konkret voneinander unterscheiden, erklärt diese Angabe nicht.

Noch verwirrender wird es jedoch, wenn Hersteller bekannte Fachbegriffe eigenmächtig erweitern, um ihre Erfindungen so möglichst offiziell klingen zu lassen – aktuelles Beispiel ist HDR: HDR10 oder HDR10+ sind herstellerübergreifende Standards. Bei Samsung-TVs finden Sie aber etwa die Bezeichnungen HDR 1000 oder HDR 2000, bei Philips HDR Premium und HDR Plus – über die Unterstützung der offiziellen HDR-Formate sagen sie alleine allerdings nichts aus. Immerhin lässt die Zahl in der Samsung-Angabe Rückschlüsse auf die maximale Panel-Helligkeit in Nits zu. Je unkonkreter die Bezeichnung, desto skeptischer sollten Sie sein. Philips-TV-Geräte mit den genannten HDR-Umschreibungen bleiben jedenfalls unter den 1000 Nits Helligkeit, die der Basisstandard HDR10 fordert.

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