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Wenn sich Apple mit Facebook streitet, leiden Nutzer

06.02.2019 | 14:59 Uhr |

Es gibt einen überraschenden Verlierer im Streit der Internet-Riesen Apple, Facebook und Google – den Nutzer.

Für ein paar Stunden in der vergangenen Woche hielt das Internet gemeinsam den Atem an. Nachdem TechCrunch berichtet hatte, dass Facebook das Developer Enterprise Program von Apple mit der Veröffentlichung der Schnüffel-App Research missachtet hatte, wurde bekannt, dass Google etwas Ähnliches tat. Beide Unternehmen suchten nach wertvollen Daten von iPhone-Nutzern, die Apple normalerweise blockiert.

Apple musste reagieren. Facebook und Google missachteten nicht nur offen die Richtlinien von Apple, sondern umgingen auch die sehr strengen Datenschutzregeln des iPhone-Herstellers, indem sie Daten darüber sammelten, wie, wann und wo Menschen ihre iPhones benutzen. Und vor allem haben sie das öffentliche Versprechen von Apple, dass "Was auf Ihrem iPhone passiert, auf Ihrem iPhone bleibt", mit Füßen getreten. Kurz gesagt, wenn Facebook und Google es gemacht haben, wie viele andere Unternehmen dann noch?

Wenn ein kleineres Unternehmen ertappt worden wäre, hätte Apple wahrscheinlich alle seine Apps im App Store gelöscht. Darüber hinaus hätte es die Mitgliedschaft im Apple Developer Program und das iOS Distribution Certificate sowie die Developer Enterprise Zertifizierung des Unternehmens widerrufen. Irgendwann würde der Zugang zum App Store wiederhergestellt, aber Apple würde das Unternehmen sicherlich auf Dauer für das Unternehmensprogramm sperren, um eine klare Botschaft zu senden, dass diese Art von Verhalten nicht toleriert wird.

Aber die Regeln sind bei Facebook und Google anders. Warum? Wegen uns: die Millionen von Nutzern, die diese Dienste täglich nutzen. Letztendlich hat Apple für einige Stunden den leichtesten Weg eingeschlagen, so dass Facebook und Google ihre internen iOS-Anwendungen nicht ausführen konnten, weil es wirklich keine andere Wahl hatte. Als sich alles beruhigt hatte, bekamen die drei Unternehmen das, was sie wollten, wobei alle Nutzer als Bauern eingesetzt wurden.

Service mit einer Fratze

Bevor Google überhaupt zum Teil der Geschichte wurde, wusste niemand, was Apple tun würde, wenn es mit dem TechCrunch-Bericht konfrontiert würde. Einige dachten, es würde die Situation hinter den Kulissen handhaben, nachdem Facebook öffentlich zugab, die App zu nutzen und sie herunterzufahren. Andere dachten, es könnte sich speziell an die Research-App richten. Und ein paar dachten, Apple könnte Facebook vom iPhone aussperren.

Aber diese letzte Option kam nie wirklich in Frage. Während ich mir ziemlich sicher bin, dass Apple zumindest die Möglichkeit in Betracht gezogen hat, Facebook vorübergehend aus dem App Store zu sperren, ist das Entfernen der Facebook-App auf dem iPhone ein mutiger Schritt. Millionen von Menschen nutzen die Facebook-App – ganz zu schweigen von den Facebook-eigenen Programmen Instagram und WhatsApp – jeden Tag auf ihren iPhones und es muss eine Methode geben, um sie alle bei Bedarf schnell zu aktualisieren. Aber auch darüber hinaus wird Apple wohl nicht wagen, drei der beliebtesten Apps aus dem App Store zu entfernen.

Das Entscheidende ist, dass Apple und Facebook miteinander auskommen müssen. Apple und Google auch. Die Dienste, die wir auf unseren iPhones installieren, sind genauso wichtig wie Face ID- und OLED-Bildschirme und für unser Privat- und Berufsleben unerlässlich. Wenn Apple, Facebook und Google nicht miteinander auskommen, sind wir alle in Gefahr. Wann immer so etwas passiert, werden wir alle als Faustpfand benutzt, wobei Komfort, Privatsphäre und Sicherheit gefährdet sind. Und das ist für niemanden gut.

Riskantes Geschäft

Apples Antwort könnte eine böse Kettenreaktion ausgelöst haben. Hätte es Facebook aus dem App Store gesperrt, hätte Facebook reagieren können, indem es sich weigerte, iOS-Apps zu erstellen. Schließlich ist eine App für den Zugriff auf Facebook oder Instagram nicht notwendig, sondern nur bequemer.

Aber das wäre für die Millionen von Nutzern, die ein iPhone gekauft haben, um es mit ihren Facebook- und Instagram-Konten zu nutzen, inakzeptabel. Natürlich verkauft Apple Facebook nicht als Funktion, wenn es das iPhone XS vermarktet, aber es gibt ein implizites Verständnis dafür, dass Kunden auf ihre Lieblings-Apps zugreifen können. Wann immer Apple und Facebook streiten, werden diese Apps als Trumpf eingesetzt. Facebook wusste, dass Apple Strafmaßnahmen ergreifen könnte, aber es hat die Richtlinien von Apple trotzdem bewusst ignoriert. Warum? Weil es das Druckmittel hat: uns.

Nun, ich sage nicht, dass Facebook die Nutzungsbedingungen von Apple eklatant ignoriert, nur weil Facebook weiß, dass Apple seine Apps nicht wirklich aus dem Store entfernen wird, aber es gibt definitiv etwas Verhandlungsraum. Jede Drohung würde uns Nutzer weitaus mehr bestrafen als Apple oder Facebook. Wie sich letzte Woche gezeigt hat, hat Apple die Macht, die Dinge für Facebook schwierig zu machen, indem er den Stecker in seinen internen iOS-Anwendungen zieht, aber Facebook hat auch ein Ass im Ärmel. Und ob es uns gefällt oder nicht, dieses Ass sind wir.

Geldgespräche

Bei Google ist es ein wenig anders. Obwohl Google tatsächlich viel mehr Apps anbietet als Facebook, sind sie nicht annähernd so unverzichtbar. Die meisten von ihnen werden von Apples eigenen Diensten dupliziert und wie Facebook könnte Google sie leicht zu allen Webanwendungen machen und den App Store vollständig umgehen.

Aber Google will unsere Daten. Es gibt einen Grund, warum es Milliarden von Dollar pro Jahr ausgibt, um die Standardsuchmaschine auf iPhones zu bleiben: Anzeigen und Daten. Und Apple will offensichtlich das Geld von Google. Weshalb die stundenlange Sperre der Zertifizierung letzte Woche von Drama geprägt war. Hätte man die Nachrichten über Facebook und seine Apps nicht zuerst erfahren, hätten sich Apple und Google hinter den Kulissen geeinigt. Weder Apple noch Google sind bereit, ihre Beziehung zu riskieren, der Zertifikatsentzug war jedoch eine obligatorische Maßname. Und wieder einmal waren wir Nutzer die Bauern.

Ich habe keinen Zweifel daran, dass Apple seine Benutzer vor Apps wie Research und Screenwise Meter schützen will, aber es ist auch eine Tatsache, dass Apple beide Apps nicht entfernt hat, bis sie öffentlich bekannt wurden. Entweder wusste Apple von der Existenz beider Apps und tat nichts gegen sie oder es verpasste einen eklatanten Missbrauch der App Store Richtlinien, der direkt vor seiner Nase stattfand. In beiden Fällen scheint Apple bereit zu sein, ein Auge zuzudrücken, wenn es um den Status Quo geht.

Im Moment ist also alles gut. Wir können wie bisher weiter posten und suchen. Apple hat sich öffentlich für den Datenschutz eingesetzt und Facebook und Google haben sich bereit erklärt, sich an die Regeln von Apple zu halten. Aber machen Sie sich keine Sorgen, keines der beteiligten Unternehmen hat viel dabei verloren. Ja, Google und Facebook mussten ihre Schnüffel-Apps einstellen, aber sie haben noch Daten aus mehreren Jahren. Und jetzt wissen wir, dass alle drei Unternehmen bereit sind, unser Vertrauen auf das Spiel zu setzen.

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