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Wenn das Smart Home den Pflegedienst ruft

17.04.2018 | 15:05 Uhr |

Länger selbstbestimmt zuhause wohnen: Das wünschen sich viele ältere Menschen. Ein Smart-Home-System kann diesen Wunsch unterstützen. Gefragt sind Lösungen, die Nutzer einfach bedienen und Angehörige einfach einrichten können.

Immer weniger Pfleger für immer mehr Pflegebedürftige: Die Herausforderungen durch den demographischen Wandel sind offensichtlich. Und das nicht nur durch Personalmangel in Heimen oder bei mobilen Pflegediensten. Auch Angehörige wenden im Schnitt rund 50 Stunden pro Woche für die Pflege eines Verwandten auf , wie die Hans-Böckler-Stiftung ermittelte.

Ein technisches Assistenzsystem, wie es mit Smart-Home-Lösungen umgesetzt werden kann, würde Pflegebedürftige und Angehörige in dieser Phase unterstützen. Und tatsächlich würden 72 Prozent der Deutschen auf solche Systeme setzen , um länger selbstständig zuhause wohnen bleiben zu können. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Eco-Verbands der Internetwirtschaft e. V. sowie des Marktforschungsinstituts Yougov.

Allerdings: Derzeit nutzen laut den Marktforschern von Splendid Research gerade einmal gut 15 Prozent altersgerechte Assistenzsysteme innerhalb einer Smart-Home-Lösung . Welche Argumente also sprechen dafür, diese neue Technologien nutzen?

Notfälle schnell erkennen

Stürzen in den eigenen vier Wänden – und keiner merkt es. Davor fürchten sich viele Menschen. Smart-Home-Systeme schaffen Sicherheit: Mittels vernetzter Geräte und Räume machen sie Familienangehörige, Freunde oder Pflegedienste schnell per Push-Nachricht auf Notsituationen aufmerksam. Dafür lassen sich Bewegungsmelder sowie Tür- und Fensterkontakte installieren. Bleibt beispielsweise eine Tür längere Zeit offen oder geschlossen oder wird über einen längeren Zeitraum keine Bewegung erkannt und Lichter bleiben aus, werden nahestehende Personen informiert. So können Angehörige oder Pflegedienste sich durch einen Anruf oder einen Besuch selbst ein Bild der Lage verschaffen.

Notruf per Sprache – ganz ohne technisches Know-how

Viele Ältere nutzen Hausnotrufsysteme mit Notrufknöpfen am Handgelenk, um bei Bedarf schnell Hilfe zu erhalten. Smart Home ergänzt dieses Prinzip um den Hilferuf per Sprachsteuerung – per Sprachbefehl an den smarten Lautsprecher. Entsprechend über die App programmiert, sendet das smarte System sofort eine Meldung an die hinterlegten Kontaktpersonen. Nun kann der Betreuer direkt Hilfe organisieren.

Diese Variante bringt einige Vorteile. So muss die hilfebedürftige Person nicht in der Lage sein, einen Knopf zu drücken. Die Lautsprecher erkennen dank fortschreitender Technik immer besser auch leise oder undeutliche Ansagen. Und ein weiteres wichtiges Argument für Angehörige: Die Akzeptanz von sprachgesteuerten Lösungen ist gerade unter älteren Menschen besonders hoch, da sich keine Berührungsängste ergeben: Diese Technologie lässt sich nutzen, ohne sie verstehen zu müssen.

Gefahren abwenden durch vorprogrammierte Szenarien

Per Sprachsteuerung lassen sich Licht, Heizung oder Rollladen steuern. Das erhöht den Komfort für die Bewohner – etwa indem in Wohnungen von bettlägerigen Personen die Verdunkelungen automatisch herunterfahren, wenn die Sonne blendet oder sie per Sprachbefehl Wohnzimmerlicht und Fernseher einschalten können.

Auch die Sicherheit erhöht die Smart-Home-Lösung : Dafür hinterlegen Nutzer -– in den meisten Fällen die Angehörigen -– ganz einfach in der App sogenannte Situationen. Ausgelöst durch Sprachbefehl oder Fingertipp in der App gehen dann vorher festgelegte Geräte an oder aus.

So schaltet beispielsweise „Wohnung verlassen“ alle nicht benötigten Elektrogeräte aus. Damit gehört etwa das Brandrisiko eines unbeaufsichtigten Geräts der Vergangenheit an. „Nachtlicht“ aktiviert Bewegungssensoren, die beim nächtlichen Gang ins Bad automatisch das Licht gedimmt anschalten. Nötig dafür sind Funk-Zwischenstecker oder direkt per Funk ansteuerbare Geräte wie Lampen oder Steckdosen.

Überschaubare Kosten dank modularem Aufbau

Die Pflegekassen finanzieren Maßnahmen, die das Wohnumfeld verbessern, sofern der Bewohner einen Pflegegrad erhalten hat. Das ist sicher gut zu wissen – denn pflegende Angehörige haben nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung monatliche Zusatzkosten von rund 360 Euro, die die Pflegeversicherung nicht abdeckt. Laut einer Umfrage von Yougov sagen 86 Prozent der Befragten: Der monatliche Beitrag für ein smartes System darf die Kosten herkömmlicher Notrufsysteme – etwa 50 Euro – nicht übersteigen.

Mit modular aufgebauten und herstellerunabhängigen Smart-Home-Lösungen ist das möglich. Auf dem Markt gibt es Starter-Sets, in denen beispielsweise Tür-/Fensterkontakte enthalten sind. Nutzer und Betreuer können sukzessive weitere mit der Lösung kompatible Komponenten hinzufügen.

Entscheidend sind einfache Installation und sichere Daten

Wichtig für die pflegenden Angehörigen: Die Lösung sollte einfach und ohne die Hilfe eines Fachmanns zu installieren sein. Türkontakte sind leicht zu kleben und der vernetzte Rauchmelder lässt sich ebenso schnell anbringen wie die herkömmliche Variante. Die Geräte per App und mit wenigen Fingertipps– in das System zu integrieren, ist auch für Laien machbar.

Und auf noch einen entscheidenden Punkt sollten Interessierte achten, nämlich inwieweit der Anbieter den Schutz persönlicher Daten gewährleisten kann. Einige Unternehmen haben langjährige Erfahrung im sicheren Umgang mit personenbezogenen Daten und bieten Lösung, Geräte und Schutz der Daten aus einer Hand. Unter diesen Voraussetzungen verschafft eine Smart-Home-Lösung Senioren und ihren Betreuern für lange Zeit mehr Komfort und mehr Sicherheit.

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Smart Home - darum geht es.

Smart Home umschreibt einen der vermutlich am stärksten wachsenden Trends der Zukunft: Intelligente Geräte und Haus-Steuerungssysteme, die Ihnen Ihr Leben erleichtern sollen. Denkbar und vielfach bereits erhältlich sind dabei Lösungen wie Einbruchschutz oder Sets zum Stromsparen. Oder Intelligente Systeme zur Hausbelüftung oder Heizungssteuerung. Smart TVs bringen das Internet ins Wohnzimmer und Waschmaschinen lassen sich per App steuern. Über intelligente Stromzähler haben Sie mit einem Blick aufs Smartphone den aktuellen Stromverbrauch im Griff. Sie sehen, die möglichen Anwendungen sind vielfältig. In diesem Themenbereich widmen wir uns dem Thema Smart Home, erklären, wie die Technik funktioniert und wie intelligent vorhandene Lösungen am Markt wirklich sind.

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