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Webgalerien mit Piwigo: Der eigene Fotoserver

02.08.2017 | 14:39 Uhr |

Eine Fotogalerie auf dem eigenen Webserver muss sich keinen fremden Nutzungsrechten unterwerfen und lädt oft schneller als Webdienste. Mit Piwigo gibt es dafür ein ausgereiftes PHP-Projekt.

Onlinegalerien sind schnell über Flickr oder soziale Netzwerke erstellt. Die Vorstellung, dass die eigenen Fotos oder Aufnahmen auf fremden Rechnern liegen, ist aber heute nicht mehr jedem genehm.

Wer zu später Stunde gemachte Fotos vom letzten Firmenfest auf öffentlichen Webgalerien und sozialen Netzwerken ausstellt, kann sich Ungemach mit Kollegen einhandeln. Und Fotografen ärgern sich oft über die Nutzungsrechte, die sich Facebook und Co. einräumen. Diese sind zwar nicht exklusiv, aber später kaum noch kündbar, falls ein Bild in einem sozialen Netzwerk weitergeteilt wurde. Die Zeiten des sorglosen Umgangs mit diesen Diensten sind für viele Anwender deshalb vorbei.

Fotos auf dem eigenen Server

Macht sich klein: Das Standarddesign von Piwigo ist responsiv und passt sich den kleinen Bildschirmen von Tablet und Smartphone mit anderen Menüelementen an.
Vergrößern Macht sich klein: Das Standarddesign von Piwigo ist responsiv und passt sich den kleinen Bildschirmen von Tablet und Smartphone mit anderen Menüelementen an.

Kontrolle über die eigenen Fotos und eindeutige Nutzungsrechte verspricht das Hosting der Bilder auf dem eigenen Webserver. Mit dem PHP-Projekt Piwigo ist der Aufbau eines Bilderservers nicht kompliziert. Wie viele Onlinegalerien verlangt Piwigo nach einem Webserver wie Apache mit PHP-Modul sowie MySQL-oder Maria-DB-Datenbank. Die Installation ist per PHP-Script aber deutlich einfacher (siehe Kasten).

Piwigo ist anpassungsfähig, erweiterbar und auch anspruchsvolleren Aufgaben gewachsen. Dafür sorgen Plug-ins, die beispielsweise CMS-Funktionen hinzufügen, um eine Portfoliowebseite zu erstellen. Kenntnisse in PHP sind dazu nicht nötig. Basiswissen um HTML und CSS ist hilfreich, aber keine Voraussetzung, denn die fertigen Standardthemen sind ansehnlich und zeigen Bilderübersichten in dynamisch angepassten Größen im Stil einer Fotowand.

Alternativ: Lychee - So bauen Sie sich einen privaten Foto-Server

Administration leicht gemacht

Die Standardthemen sind schon nach dem Prinzip von responsivem Webdesign erstellt. Eine Bildergalerie von Piwigo sieht also ohne weiteres Zutun auch im kleinen Browserfenster auf dem Smartphone gut aus.

Nachdem die meisten Besucher heute mit Mobilgeräten im Web unterwegs sind, ist dies ein enormer Pluspunkt. Eine Demo ist unter http://piwigo.org/demo zu sehen.

Nach der erfolgten Installation geht es zur Admin-Seite der Galerie, die ihre Funktionen per Tour im Browser kurz vorstellt. Piwigo ist als Mehrbenutzer-Galerie konzipiert und unterscheidet zwischen öffentlichen und privaten Alben. Eine Benutzerverwaltung erlaubt die Erstellung von Konten und Gruppen, um Alben gegen unautorisierte Zugriffe zu schützen. Ist ein neues Album angelegt, kann es über die Administratoroberfläche mit Bildern gefüllt werden. Die „Eigenschaften“ eines Albums erlauben eine Vergabe von Zugriffsrechten.

Installationshilfe: Bis auf die Einrichtung der Datenbank erledigt dieses PHP-Installations-Script die Konfiguration von Piwigo auf dem Webserver.
Vergrößern Installationshilfe: Bis auf die Einrichtung der Datenbank erledigt dieses PHP-Installations-Script die Konfiguration von Piwigo auf dem Webserver.

Piwigo kann noch mehr: Im Menüpunkt „Plugins -> Verwaltung -> Weitere Plugins“ gibt es etliche Erweiterungen. Diese bringen Piwigo beispielsweise Exif-Tags bei oder rüsten eine Sharefunktion nach, die mit generierten URLs anstatt mit Benutzername und Passwort funktioniert. Mit „About“-Seiten, Kontaktformular, Blog und alternativen Menüs kann man Piwigo zu einem kleinen CMS ausbauen. In der Piwigo-Dokumentation und auf der Adminoberfläche ist häufig vom Upload per FTP zu lesen. Dabei sollte klar sein, dass FTP unverschlüsselte Anmeldedaten überträgt und deshalb tabu sein sollte. Sicherer ist der Upload von Bildern per SSH auf den Server oder über die Weboberfläche, für die auch ein selbst signiertes SSL-Zertifikat genügt.

Angenehm für umfangreiche Uploads sind die Erweiterungen in Digikam, in Gwenview von KDE und in der Fotoverwaltung Shotwell. Ganze Alben sind etwa in Digikam unter „Exportieren -> Zu Piwigo“ direkt aus dem Programm schnell hochgeladen.

Fotos aus Gwenview hochladen: Der Bildbetrachter von KDE hat wie Digikam eine Exportfunktion, um Bilder zum Piwigo-Server hochzuladen.
Vergrößern Fotos aus Gwenview hochladen: Der Bildbetrachter von KDE hat wie Digikam eine Exportfunktion, um Bilder zum Piwigo-Server hochzuladen.

Wichtig ist auch hier, eine HTTPS-Adresse zu nutzen, da eine Authentifizierung per einfachem HTTP unverschlüsselt wäre. Für Adobe Lightroom gibt es unter http://alloyphoto.com/plugins/piwigo eine Erweiterung für die Anbindung. Das Programm Ploader für Windows und Mac-OS X wird hingegen nicht mehr weiterentwickelt.

Piwigo-Installation in Debian und Ubuntu

Bei Piwigo handelt es sich um ein PHP-Projekt, das als Voraussetzung nur jene Zutaten auf einem Linux-Server erwartet, die in den Paketquellen aller Distributionen sowieso vorhanden sind. Als Webserver kann Apache, Lighthttpd oder Nginx zum Einsatz kommen, jeweils mit PHP ab Version 5.2

In Debian/Raspbian sind alle benötigten Pakete samt Apache-Webserver per apt mit diesem Befehl installiert:

sudo apt-get install apache2 libapache2-mod-php5 mysql-common mysql-server php5 php5-cli php5-mysql php5-ima gick php5-gd

In Ubuntu 16.04 (und neuer) haben die Pakete teils andere Namen und werden mit diesem Kommando eingerichtet:

sudo apt-get install apache2 libapache2-mod-php mysql-common mysql-server php php-cli php-mysql php-imagick php-gd

Nun verlangt das PHP-Projekt noch seine eigene My-sql-Datenbank. Der Befehl

mysql -u root -p

öffnet eine My-sql-Shell. Dort erzeugt das SQL-Kommando

CREATE DATABASE piwigo DEFAULT CHARACTER SET utf8 DEFAULT COLLATE utf8_general_ci;

die neue Datenbank „piwigo“. Als Nächstes erstellt der folgende My-sql-Befehl den Benutzer „dbuser“ mit Passwort „passwort“ und gibt ihm Zugriffsrechte auf die neue Datenbank:

GRANT USAGE ON *.* TO dbuser@localhost IDENTIFIED BY 'passwort';

GRANT ALL PRIVILEGES ON piwigo.* TO dbuser@localhost;

Anschließend erledigt ein vorbereitetes PHP-Installations-Script von Piwigo dessen weitere Einrichtung auf dem Webserver. Das Script liegt unter http://piwigo.org/basics/installation_netinstall zum Download und erwartet die Übertragung auf den Webserver. Wenn ein Shellzugang auf dem eigenen Server besteht, können Sie das Script auch mit

wget "http://piwigo.org/download/dlcounter.php?code=netinstall" -O ~/netinstall.php

direkt herunterladen und mit

sudo mv ~/netinstall.php /var/www/html

in den standardmäßigen Dokumentpfad von Apache verschieben. In diesem Pfad ist das mehrsprachige Installations-Script dann im Browser über die Adresse „[IP/HOST]://netinstall.php“ aufrufbar und erwartet die Eingabe weiterer Daten zur Konfiguration der My-sql-Datenbank und des Administratorkontos.

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