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Was deutsche Mittelständler vom Silicon Valley lernen können

17.05.2017 | 15:01 Uhr |

Als Silicon-Valley-Experte ist Tilo Bonow jedes Jahr mindestens drei Monate vor Ort und weiß genau, woran es vielen deutschen Mittelständlern noch fehlt.

Arbeitsprozesse müssen immer wieder überprüft und gegebenenfalls geändert werden. Mittelständische Firmen tun sich damit oft schwer. Ein Blick in die Erfolgsgeschichten von Firmen aus dem Silicon Valley würde sich auch für viele deutsche Firmen lohnen. Warum, erkläre ich hier anhand der fünf wichtigsten Unterschiede in der Unternehmenskultur:

1. Fehlerkultur á la “trial and error”

Dass im Silicon Valley Scheitern keine Schande ist, wurde schon an zahlreichen Beispielen bewiesen. Dort hat man längst verstanden, dass Scheitern zum Prozess einer erfolgreichen Karriere gehört und Fehler vielmehr als Learning statt als Rückschlag eingestuft werden müssen. Fehler zählen hier nicht als Stigma - sondern als Erfahrungen. Besser etwas falsch gemacht als gar nicht erst probiert. Vor allem nimmt aber die Akzeptanz von potenziellem Scheitern großen Druck von Mitarbeitern, und kreative Lösungen können entstehen - ein entscheidender Vorteil gegenüber oft traditionellen Denkmustern in Unternehmen hierzulande.

2. “Better done than perfect”

Der eingefleischte Perfektionismus steht uns Deutschen oftmals im Weg. Bevor ein Produkt über die Ladentheke geht, wird es bis ins Unendliche geprüft, getestet und gesichert. Silicon-Valley-Unternehmen leben da eher die Kultur des “minimal viable products” (MVP genannt) - das Produkt so schnell wie möglich auf den Markt bringen, um sich früh Feedback einholen zu können. Dieses Feedback kann zügig mit eingearbeitet werden, und der Unternehmer weiß schnell, was der Konsument will.

3. Neugier und Offenheit

“Never change a running system” - but sometimes you should. Arbeitsprozesse sollten stetig verändert und verbessert, Tools ausprobiert werden, und neuen Entwicklungen sollte man offen gegenüberstehen. Im Silicon Valley weiß man Dinge nicht einfach nur hinzunehmen, weil etwas schon immer so war, sondern auch lang bestehende Arbeitsprozesse und Vorgehensweisen zu hinterfragen. Durch den Einsatz von neuen Technologien und Tools bieten sich oft viele neue Chancen für Kunden und Geschäfte.

4. Unternehmenskultur

Der wohl größte Unterschied zwischen deutschen Mittelständlern und Unternehmen mit Sitz im Silicon Valley liegt in der gelebten Unternehmenskultur. Festgelegten Strukturen mit starken Hierarchien hier stehen junge CEOs dort gegenüber, die eher im Zentrum der Mitarbeiter als über ihnen stehen. Sie sind die Treiber und Träger einer Leitidee, die alle durch eine starke Wertebasis gemeinsam verfolgen.

5. Auch Quereinsteigern eine Chance geben

Dass Abschluss, Studium und Ausbildung nicht alles sind, wissen wir in Deutschland inzwischen auch. Nichtsdestotrotz sträuben sich hierzulande immer noch viele konservative Personaler, auch Quereinsteigern eine Chance zu geben. Dadurch bleiben viele Chancen ungenutzt. Menschen, die niemals einen klassischen Berufs- und Karriereweg eingeschlagen haben, denken viel öfter “outside the box” - und das ist es doch, was Unternehmen anstreben. Beim nächsten Bewerbungsgespräch also mal den Lebenslauf beiseite lassen und lieber über Problemlösung und kreative Arbeitsweisen sprechen - es lohnt sich!

Wir sind zwar noch immer ein Stück entfernt vom Unternehmensstil im Silicon Valley - aber deutsche Mittelständler schauen inzwischen doch öfter mal gen Westen und übernehmen Arbeitsweisen, die sich dort längst bewährt haben.

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