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Was bringt iOS 12 für Studenten?

12.06.2018 | 16:58 Uhr |

Am 4. Juni 2018 fand die Keynote Präsentation von Apple zur diesjährigen Worldwide Developers Conference statt. Traditionell werden dort die neuesten Updates und Innovationen für iOS verkündet. Ich habe sie mir angeschaut und besonders darauf geachtet, was unter iOS 12 für die Universität relevant wird.

Unterstützung für ältere Geräte

Apple hat angekündigt, iOS 12 für so viele Geräte wie noch nie anzubieten, so dass selbst iPhones und iPads aus dem Jahr 2013 noch unterstützt werden (etwa das iPhone 6 bzw. das iPhone 5S). Das bedeutet, dass alle Geräte, auf denen iOS 11 läuft, auch mit iOS 12 versorgt werden. Besonders spannend ist das deshalb, weil ein Fokus von iOS 12 auf besserer Performance älterer Geräte liegt. Genannt wurden u.a. deutlich schnelleres Starten von Apps oder der Kamera-App.

Ich finde diesen Fokus auf ältere Geräte hervorragend. Viele Studierende haben nicht das Geld, um sich immer das neueste Gerät zu leisten und gleichzeitig sind Apple-Geräte in der Regel so gut verarbeitet, dass sie viele Jahre im Einsatz sein können. Wenn nun also auch die Software mithilft, ist das eine gute Nachricht für alle, die trotz kleinerem Geldbeutel mit iOS arbeiten wollen.

Eigene Shortcuts (Workflows)

Vor gut einem Jahr, im März 2017, schockte eine Nachricht die Apple-Nerd-Community: Apple übernimmt die Workflow-App . Workflow ist eine einzigartige App für iOS, die es ermöglicht, komplexe Aufgaben zu automatisieren und verschiedene Apps zueinander sprechen zu lassen . Wer also das Maximum aus seinen mobilen Geräten herausholen wollte, kam nicht um Workflow herum. Mit der Übernahme kamen aber die Befürchtungen, dass Apple die beliebte App möglicherweise einstellen oder zumindest stark beschneiden würde.

Seit der Keynote wissen wir nun, worauf die Übernahme abzielte: Siri Shortcuts . Im Kern ist Siri Shortcuts Workflow plus Siri. Es soll möglich sein, eigene automatisierte Aktionen anzulegen, die verschiedene Apps miteinander verbinden. Das Ganze kann man dann mit eigenen definierten Sprachbefehlen über Siri starten. So soll es beispielsweise möglich sein, auf dem Weg nach Hause die Lieblings-Playlist zu starten und gleichzeitig die beste Busverbindung zu finden und eine Nachricht an den oder die Liebste zu schicken, wann man voraussichtlich zuhause ist – alles mit nur einem Sprachbefehl, beispielsweise „Hey Siri, Heimweg“.

Wie gut das in der Praxis funktioniert, wird sich noch zeigen müssen, vielversprechend ist es allemal. Ich kann mir beispielsweise Workflows vorstellen, die einen Text für ein Seminar aufrufen, gleichzeitig eine Erinnerung zur Nachbereitung erstellen und schon einen Ordner in der Files-App anlegen, um alles an einem Ort abzuspeichern.

Das ist aber natürlich nur eine erste, kleine Idee. Sollte Siri Shortcuts den exklusiven Zugang zum Betriebssystem gut nutzen, könnte das wirklich ein mächtiges Tool sein und Arbeiten unter iOS revolutionieren. Ich bin auf jeden Fall extrem gespannt und werde auf meinem Blog darüber berichten.

Augmented Reality

Natürlich sprach Apple auch wieder über seine Augmented-Reality-Plattform AR Kit. Natürlich deshalb, weil seit der ersten Präsentation von AR Kit kein Apple-Event mehr ohne Verweis darauf auskommt. Die Anwendungen hierzu waren allerdings noch sehr speziell und nischig. Das Sinnvollste, was ich bisher mit einer AR-App gemacht habe, war zu überprüfen, welche Paketgröße ich brauche. AR-Spiele machen für mich einfach keinen Sinn, so lange ich dafür mein iPad vors Gesicht halten muss.

Auf der Veranstaltung kam dann allerdings (neben einer ziemlich albernen Lego-Spiele-Demo) mit AR Kit 2.0 auch ein Punkt, der zumindest für einige Studierende in Zukunft interessant werden könnte. Apple führt nämlich ein neues offenes Dateiformat für 3D-Objekte ein: Universal Scene Description, oder kurz USDZ. Der Fokus liegt hierbei auf leichtem Teilen mit anderen und geringer Dateigröße.

Hinzu kommt ein Feature namens Quick Look, was ermöglichen soll, AR-Objekte im Raum zu platzieren, um so einen schnellen Blick darauf werfen zu können. Ich denke, dass dieses Feature insbesondere für Ingenieurs-, aber auch Design-Studiengänge aller Art von Interesse sein kann. Prototypen könnten in 3D betrachtet werden oder Kleidungsschnitte an einer virtuellen Puppe, bevor sie mit echtem Stoff umgesetzt werden.

Kombiniert mit der neu eingeführten Measure-App, die das Messen mit AR ermöglichen soll, könnte das in Zukunft ein interessantes Paket werden.

Screentime & Nicht stören

Das neu eingeführte Screentime-Feature kann all denen helfen, die gern mal prokrastinieren und einfach nicht vorankommen. Im Kern ist es ein Diagnose-Tool für die eigene Handy-/Tablet-Nutzung. Man bekommt einen wöchentlichen Report, wie lang man welche App zu welchen Tages- und Nachtzeiten genutzt hat. Auf dieser Grundlage kann man dann entscheiden, welche Apps die größten Zeitfresser sind.

Aber Apple wäre nicht Apple, wenn sie an diesem Punkt aufhören würden. Es soll nämlich zusätzlich eine Funktion geben, mit der man Zeitlimits für bestimmte Apps setzen kann. Ist die tägliche Nutzungszeit aufgebraucht, sieht man nur noch einen Hinweis, dass man das Zeitlimit für heute erreicht habe. Man kann das Limit zwar ignorieren, aber ich denke, dass diese neue Funktion für viele sehr hilfreich sein kann, wenn man sich mal wieder auf Instagram, Twitter oder Reddit verloren hat.

Die Nicht-Stören-Funktion kann nun stärker angepasst werden. Bisher war es ja nur möglich, sie an- und auszuschalten sowie Uhrzeiten festzulegen, wann der Modus eingeschaltet sein soll. Mit iOS 12 wird es möglich sein, "Nicht stören" an Orte oder Kalender-Ereignisse zu binden. So kann man beispielsweise einstellen, dass man keine Mitteilungen bekommen möchte, so lange man in der Uni ist oder bis die Vorlesung vorbei ist. Zumindest dann, wenn man sie vorher als Kalender-Event eingetragen hat.

Sprachmemos

Die Sprachaufnahmen-App fürs iPhone fristete immer ein Schattendasein, da die meisten Menschen sie einfach nicht benötigen. Dabei kann sie in der Tat sehr nützlich sein, wenn man als SozialwissenschaftlerIn Interviews führt. Sie ist sicherlich kein Ersatz für professionelle Aufnahmegeräte, aber die werden ja auch gar nicht immer benötigt. Wenn es nur darum geht, Interviews zu führen, die dann in Text transkribiert werden, ist die Aufnahme-App hervorragend geeignet. Mit iOS 12 soll sie nun aufs iPad kommen und iCloud unterstützen.

Ersteres halte ich für nicht sonderlich interessant, da ich meinem Gegenüber ja kein iPad unter die Nase halten möchte. iCloud-Support hingegen ist natürlich sehr praktisch, weil ich so meine Aufnahmen direkt auf dem Mac oder iPad nutzen und bearbeiten kann, wenn ich zuvor mit dem iPhone aufgenommen habe. Airdrop hat uns in solchen Fällen immer gute Dienste geleistet. Ist man jedoch auf einen Windows-Rechner oder ältere Hardware ohne Airdrop-Unterstützung angewiesen, wird die Datenfreigabe, insbesondere bei langen Interviews zu einem Problem (Anm. der Redaktion).

Gute Aussichten für iOS

Ich glaube, dass iOS 12 eine sehr gute Weiterentwicklung ist und für Studierende einiges bereithält. Gerade der Fokus auf ältere Geräte ist toll und wird vielen ermöglichen, ihre Geräte länger zu nutzen. Aber auch Siri Shortcuts kann — zumindest potenziell — ein echter Gamechanger sein.

Hinzu kommen kleinere Verbesserungen wie AR Kit 2.0 und der Sprachmemos, die zumindest für einige Fachrichtungen von Interesse sind. Die neuen Möglichkeiten mit "Nicht stören" und Screentime helfen dann wieder allen, produktiver und fokussierter zu arbeiten. Ich freue mich auf iOS 12!

Wie immer wird iOS 12 ab September mit dem neuen iPhone verfügbar sein. Wagemutige können aber bereits die erste Beta installieren. Aber bitte nicht auf eure Produktivgeräte!

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