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VW rät von Hardware-Nachrüstung bei Diesel-Pkws ab

28.12.2018 | 13:33 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

VW rät davon ab einen Euro-5-Diesel Hardware-mäßig auf Euro 6 nachrüsten zu lassen. Die Gründe laut VW.

Sie besitzen ein Diesel-Fahrzeug von Volkswagen, das mit Euro 5 eingestuft ist und wollen Ihren Wagen fit machen für die kommenden Dieselfahrverbote in deutschen Großstädten? Sie sind zudem genervt, weil VW noch immer keine eigene Hardware-Nachrüstlösung anbietet, um Ihren Diesel auf Euro 6 umzurüsten? Dann könnten Sie versucht sein, die Nachrüstlösung eines Drittanbieters einbauen zu lassen. Doch Volkswagen warnt vor solchen Drittanbieter-Lösungen für Euro-5-Diesel.

Volkswagen schreibt: „Alle uns bisher bekannten Konzepte weisen Nachteile für unsere Kunden auf, etwa Mehrverbrauch und damit erhöhte CO2-Emission, zum Teil auch Leistungsreduzierung“. Zudem würden laut VW nicht alle nachgerüsteten Fahrzeuge den Richtwert von 270 mg/km unterschreiten, um von drohenden Einfahrverboten ausgenommen zu werden.

Volkswagen weiter: „Ein Euro 5-Fahrzeug mit einer elf Jahre alten Motorengeneration auf den Stand eines modernen Euro-6-Fahrzeugs aufzurüsten, ist aus technischer Sicht nicht möglich. Darüber hinaus gibt es bis jetzt keine gesicherten Erkenntnisse, wie sich nachträgliche Eingriffe in das Steuerungssystem, die Komponenten und die Fahrzeugarchitektur im Dauerbetrieb langfristig auswirken. Vor allem bei kompakten Fahrzeugen steht auch der entsprechend notwendige Bauraum für Hardware-Nachrüstlösungen gar nicht oder nur mit Einschränkungen im Innenraum zur Verfügung. Weiterhin müssen neben dem Wirknachweis dieser Systeme auch Aspekte wie die langfristige Entwicklung des Kraftstoffverbrauchs, der Fahrbarkeit, der Vermeidung anderer Schadstoffe wie auch die Dauerhaltbarkeit der Komponenten berücksichtigt werden.

Werksseitig eingebaute SCR-Systeme für heutige Euro 6-Fahrzeuge müssen zahlreiche komplexe technische und gesetzliche Anforderungen erfüllen. So muss das System z.B. auch bei Frost funktionsfähig sein, obwohl die zur NOx-Reduktion genutzte Harnstofflösung (AdBlue) bei -11 Grad gefriert. Dem Fahrer müssen der AdBlue-Füllstand, die voraus-sichtliche Reichweite oder Fehlbetankungen über eine zusätzliche Anzeige im Cockpit dargestellt werden. Auch die Emissionsstabilität für die Lebensdauer des Fahrzeugs muss weiterhin gewährleistet werden. Stimmt das Verhältnis von eingesetztem Harnstoff zu Stickoxid-Menge im Abgas nicht, kann überschüssiges, giftiges Ammoniak aus dem Abgastrakt austreten, was über einen zu entwickelnden Sperrkatalysator zu vermeiden ist.“

Und weiter: „Bisher sind keine serienreifen Systeme am Markt verfügbar, die entsprechende Hersteller-Anforderungen hinsichtlich Entwicklung, Erprobung und Freigabe durchlaufen haben. Zudem können entsprechende Umbauten nach unabhängigen Untersuchungen einen Mehrverbrauch von bis zu sechs Prozent bewirken. Ein dadurch steigender CO2-Ausstoß steht im massiven Widerspruch zu den verschärften Klimaschutzvorgaben.“

In seinen langen Ausführungen gegen Nachrüstlösungen von Drittanbietern verliert VW aber kein einziges Wort darüber, ob und wann der Milliarden-schwere Konzern eigene Nachrüstlösungen für die unverschuldet von Fahrverboten bedrohten VW-Diesel-Fahrer anbieten wird. Laut Spiegel Online behindert VW sogar die Entwicklung von Nachrüstlösungen durch Dritthersteller.

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