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VW: Online-Auto-Verkauf statt Autohaus und Kundenbindung per ID

17.10.2018 | 13:25 Uhr |

VW will Autos künftig verstärkt online verkaufen. Und mit einer jeweils einmaligen ID seine Kunden fester an sich binden - das kann für die Kunden teuer werden. Außerdem soll es City-Showrooms und Pop-up-Stores geben.

Einer der Albträume der Auto-Vertragshändler heißt Online-Neuwagen-Verkauf. Sprich: Der Automobilhersteller verkauft seine Neuwagen direkt über seine Webseite und benötigt anders als bisher nicht mehr die vor Ort niedergelassenen Vertragshändler. Volkswagen geht nun ganz offiziell diesen Weg, will aber seine VW-Händler dabei mitnehmen und diese vom Online-Verkauf profitieren lassen. Und obendrein seine Kunden fester an sich binden und sie gar nicht erst nach preiswerteren Alternativen Ausschau halten lassen.

Volkswagen baut hierzu gemeinsam mit seinen Vertrags-Händlern das Vertriebsmodell in Europa ab April 2020 grundlegend um. Davon betroffen sind in Europa 5.400 Händler- und Servicepartner mit 54.000 Mitarbeitern.

Kunden-ID und VW-Käufer an die Marke binden

Ziel sei eine „nahtlose individuelle Betreuung der Kunden über den Fahrzeugkauf rund um die Uhr auf Basis einer jeweils einzigartigen Volkswagen Kunden-ID“.

Rund fünf Millionen Kunden will die Marke Volkswagen pro Jahr rund um den Globus in die neue Mobilitätswelt bringen und auf Basis ihrer ID individuelle Angebote unterbreiten. So wird das Fahrzeug per Mobilfunk mithilfe von „Over the Air“-Software-Updates auf dem aktuellsten Stand gehalten (für das Aktualisieren der Software des Steuergerätes beziehungsweise des Bord-Computers ist dann also kein Werkstattbesuch mehr nötig; Tesla macht das schon längst so) oder das Fahrzeug meldet dem Händler über die sogenannte Predictive-Maintainance-App, dass der nächste Service fällig wird.

In der Realität bedeutet das aber, dass VW den Kunden für alle Service- und Reparaturarbeiten noch stärker an seine Vertragswerkstätten binden will - damit der Kunde für eine Reparatur oder Inspektion gar nicht erst auf den Gedanken kommt, zu einer freien Werkstatt zu gehen, die die gleiche Arbeit günstiger und genauso gut wie eine Vertragswerkstatt erledigt.

Langfristig könnte diese Kundenbindung die Kunden also teuer zu stehen kommen: Aufgrund der höheren Stundensätze und der oft teureren Original-Ersatzteile einer VW-Niederlassung gegenüber einer freien Werkstatt.

Ebenso können über die ID auch die digitalen Angebote von Volkswagen We, etwa We Park, We Deliver oder We Connect abgerufen werden. Darüber hinaus wird es auch Leistungen über das eigene Fahrzeug hinaus geben, etwa We Share – das geplante Car-Sharing-Angebot von Volkswagen.

Auto-Verkauf online

Der Online-Vertrieb soll massiv ausgebaut und der Direktvertrieb ermöglicht werden. Volkswagen wird zusammen mit seinen Händlern eine gemeinsame Internet-Plattform entwickeln, die den gesamten Kaufprozess bis zum Vertragsabschluss einschließlich Finanzierung, Bezahlung und Gebrauchtwagen-Inzahlungnahme ermöglicht. Kunden können aus der gesamten Modellpalette der Marke wählen und den Kauf online mit ihrem bevorzugten Händler abwickeln. Hierzu schlägt die Webseite beim Online-Autokauf einen VW-Händler in der Nähe des Kunden vor.

Für Volkswagen bietet sich mit der neuen Plattform erstmals die Möglichkeit des Direktvertriebs, die die Marke hauptsächlich im Bereich Software und Online-Services nutzen will.

Wer weiterhin den persönlichen Kontakt zur Marke und zum Händler wünscht, wird künftig zwischen verschiedenartigen Anlaufpunkten wählen können. Fünf neue Formate wird es zusätzlich zum traditionellen Vollfunktionsbetrieb geben, der Verkauf und Service unter einem Dach vereint.

In Zukunft wird nur noch ein Vollfunktionsbetrieb pro Händler Pflicht sein. Zusätzlich kann der Händler - in Abstimmung mit seinem jeweiligen Importeur – seine Präsenz mit City-Showrooms, Pop-up-Stores, Service-Factories, Gebrauchtwagenzentren oder sogenannten skalierbaren, also in der Größe variablen, Vollfunktionsbetrieben individuell gestalten. Der Autokauf soll offensichtlich mehr Lifestyle bekommen.

Bis Ende November 2018 sollen alle europäischen Händler das neue Vertragswerk unterschrieben haben.

So stellt sich VW seine künftigen Angebote rund ums Auto vor.
Vergrößern So stellt sich VW seine künftigen Angebote rund ums Auto vor.
© VW

 
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