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VW-Manager stolpert über Affenskandal

30.01.2018 | 15:39 Uhr |

Die geschmacklosen Abgastests an Affen (und Menschen) haben in Wolfsburg den ersten Kopf gefordert. Der Chef-Lobbyist von VW ist beurlaubt.

Der Volkswagen-Konzern teilte heute mit, dass er erste Konsequenzen aus dem Skandal um die Abgastests an Affen gezogen habe: Der VW-Vorstand habe in seiner heutigen Sitzung das Angebot des Leiters der Konzern-Außenbeziehungen und Nachhaltigkeit, Dr. Thomas Steg, angenommen, ihn zu beurlauben.

Thomas Steg ist Generalbevollmächtigter für den Konzern und wird bis zur vollständigen Aufklärung der Vorgänge von seinen Aufgaben entbunden, wie VW erklärt. „Wir sind dabei, die Arbeit der 2017 aufgelösten EUGT genau zu untersuchen und alle nötigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Herr Steg hat erklärt, die volle Verantwortung zu übernehmen. Dies respektiere ich", sagte der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen Aktiengesellschaft, Matthias Müller, am Dienstag.

Die Untersuchungen der Vorgänge würden laut Volkswagen „weiter mit Hochdruck vorangetrieben“ (O-Ton Volkswagen). Die Aufgaben von Herrn Steg übernehme kommissarisch Jens Hanefeld, verantwortlich für Internationale und Europäische Politik.

Soweit die Mitteilung von VW. Den Titel „Leiter der Konzern-Außenbeziehungen und Nachhaltigkeit“ kann man treffender als „Chef-Lobbyist“ von VW zusammenfassen. Thomas Steg hat beste Beziehungen zur deutschen Politik, er war unter anderem stellvertretender Sprecher der Bundesregierung und organisierte für die SPD Wahlkämpfe. Seit 2012 kümmerte sich Steg um die optimale Kommunikation der VW-Interessen gegenüber den Entscheidern in Berlin… Steg ist ein enger Mitarbeiter von VW-Konzernchef Matthias Müller.

Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass das US-amerikanische Lovelace Respiratory Research Institute im Auftrag der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) Tierversuche mit Affen unternommen habe. BMW, Daimler und Volkswagen finanzierten die EUGT, die 2017 aufgelöst wurde. Zeitweise war auch Bosch am EUGT beteiligt.

Das Lovelace Respiratory Research Institute sperrte im Jahr 2014 zehn Affen vier Stunden lang in Räume ein und setzte die Tiere darin den Abgasen eines Diesel-betriebenen VW Beetle aus (der die Euro-5-Norm erfüllte und durch das Defeat Device manipuliert war). VW, BMW und Daimler wollten mit den Ergebnissen dieses makabren Versuchs offensichtlich beweisen, wie sauber und ungefährlich ihre modernen Euro-5-Diesel seien. Die Ergebnisse dieses Tests wurden aber nie veröffentlicht, weil wenige Monate nach Durchführung des Tests im September 2015 der Defeat-Device-Skandal aufgedeckt wurde. VW war anscheinend federführend bei der Studie.

Kurz darauf wurde bekannt, dass das EUGT in Aachen im Jahr 2016 auch Versuche an 25 Menschen finanziert hat. Die Probanden wurden Stickstoffdioxid ausgesetzt, wie Spiegel Online zusammenfasst.


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