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VW über Tesla: Ankündigungsweltmeister ohne Sozialkompetenz

20.10.2017 | 14:31 Uhr |

VW-Chef Matthias Müller bezeichnete Tesla als Ankündigungsweltmeister, der Mitarbeiter rausschmeißt, wie er lustig ist...

Volkswagenkonzern-Chef Matthias Müller nahm an der Podiumsdiskussion „Menschen in Europa“ der Regionalzeitung „Passauer Neue Presse“ teil. Als die Moderatorin erklärte, dass Tesla die Kunden fasziniere und in seinen Bann ziehe, reagierte der VW-Boss ungehalten:

"Also jetzt muss ich dann doch einen Satz zu Tesla sagen. Bei allem Respekt. Es gibt auf dieser Welt Ankündigungsweltmeister – ich nenne keine Namen. Es gibt Unternehmen, die verkaufen mit Mühe 80.000 Autos pro Jahr. Volkswagen – 11 Millionen in dem Jahr. Dann gibt’s Unternehmen wie Volkswagen, die erwirtschaften pro Jahr einen Gewinn von 13 oder 14 Milliarden Euro. Und wenn ich richtig informiert bin, vernichtet Tesla pro Quartal einen dreistelligen Millionen-Betrag, schmeißt die Mitarbeiter raus, wie sie lustig sind. Also Sozialkompetenz – weiß ich nicht, wo das ist. Also da bitte ich, die Kirche im Dorf zu lassen, und nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen."

Soweit also VW-Chef Müller (dessen Funktion nicht zu verwechseln ist mit der des VW-Markenchefs Herbert Diess. Diess leitet konkret die PKW-Marken VW; Müller dagegen lenkt den gesamten VW-Konzern inklusive aller Marken wie Audi, Seat, Skoda oder VWN).

Mit dem „Ankündigungsweltmeister“ liegt Müller nicht ganz daneben: Bis eine Ankündigung von Tesla-Chef Elon Musk Wirklichkeit wird, vergeht in der Regel tatsächlich mehr Zeit als ursprünglich prognostiziert. Das neue Volumenmodell Model 3 ist dafür das jüngste Beispiel.

Andererseits hat Tesla unbestritten Elektro-Autos überhaupt erst bekannt gemacht und bewiesen, dass man mit einem Elektro-Auto durchaus alltagstauglich unterwegs sein kann. Wenn man die Sache richtig und konsequent angeht. Stichwort: Supercharger. Oder die konsequente Unterbringung aller Akkus im Fahrzeugboden.

Der etwas polemische Hinweis „schmeißt die Mitarbeiter raus“ ist offensichtlich auf die jüngsten Entlassungen von mehreren Hundert Mitarbeitern gemünzt. Ob es moralisch gerechtfertigt ist, einem Konkurrenten mangelnde Sozialkompetenz vorzuwerfen, obwohl man selbst die eigenen Kunden beim Diesel-Skandel sehr unterschiedlich behandelt (US-Diesel-Fahrer bekamen großzügige Entschädigungen, deutsche Kunden nur einen Termin für das Software-Update gegen das Defeat Device ), sei dahingestellt.

Richtig liegt Müller aber damit, dass Tesla nach wie vor nicht nur keinen Gewinn erwirtschaftet, sondern große Verluste einfährt.

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