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Vor- und Nachteile beim „Köpfen“ einer CPU - den Heatspreader entfernen

01.03.2018 | 10:21 Uhr |

Eine CPU zu köpfen bedeutet, den Wärmeleiter (Heatspreader) des Rechenchips zu entfernen. Früher spielte dieser Vorgang nur für professionelle Übertakter eine Rolle, doch mittlerweile interessieren sich auch immer mehr Hobbyoptimierer für die Aktion. Welche Vor- und Nachteile sich dadurch ergeben, erfahren Sie in diesem Tipp.

Um den Sinn des Köpfens (englisch „Delidding“) zu erklären, ist ein Blick auf den grundsätzlichen Aufbau eines Prozessors hilfreich. Die Oberseite jeder CPU besteht aus einer silbernen Metallplatte, auf der Unterseite befinden sich die Kontaktpins für den Mainboardsockel. Um genau diese silberne Platte geht es beim Köpfen, denn sie soll entfernt werden.

Hierbei handelt es sich um den sogenannten Heatspreader (Wärmeleiter), der die Abwärme des Chips, der sich darunter befindet, gleichmäßig auf der Oberfläche verteilt und an einen aufliegenden Kühlkörper abgibt. Die offizielle Bezeichnung für diese Komponente ist „Integrated Heat Spreader“, kurz IHS. Sie liegt direkt auf der CPU-Platine auf und ist mit ihr verklebt, damit sie nicht versehentlich verrutschen oder sich lösen kann. Damit die Wärmeleitung auch klappt, befindet sich zwischen dem Chip und dem IHS wärmeleitendes Material. Früher setzte Intel hierfür auf ideal leitenden Lötzinn. Seit einigen CPU-Generationen verwendet der Chiphersteller allerdings günstigere, dafür aber etwas schlechter leitende Wärmeleitpaste.

Beim Vorgang des „Köpfens“ wollen Sie nicht nur den IHS entfernen, sondern auch das darunterliegende Material mit einer Substanz wie zum Beispiel Flüssigmetall ersetzen, die die Wärme besser ableitet. Danach wird der Heatspreader wieder aufgesetzt. Hierbei gibt es allerdings auch die Möglichkeit, den IHS selbst mit einem Modell aus Silber zu ersetzen, was die Wärme wiederum besser leitet. In beiden Fällen kann die CPU danach nun die Abwärme besser verteilen, was bei einer guten Kühlung für niedrigere Temperaturen sorgen kann und damit mehr Reserven zum Übertakten bietet.

Wärmeleiter mit Rasierklinge entfernen

Die gängigste Variante zum Köpfen eines Prozessors ist die Rasierklingenmethode: Die scharfe Klinge wird vorsichtig zwischen die Platine und den IHS geschoben, um den Kleber zu entfernen. Danach kann der Wärmeleiter einfach abgenommen werden. Nun reinigen Sie den Chip mit Spezialbenzin, um die alte Wärmeleitpaste restlos zu entfernen. Daraufhin tragen Sie die neue Substanz auf, setzen den IHS wieder auf und befestigen ihn mit Silikonkleber.

Jedoch ist dieser Vorgang nur etwas für den erfahrenen Anwender, der äußerst vorsichtig vorgeht. Denn beim Lösen des IHS mit einer Klinge können Sie auch die empfindliche Elektronik irreparabel zerstören. Auch das falsche Aufsetzen des IHS kann zu Schäden führen. Dazu sollten Sie noch wissen, dass beim Köpfen eine eventuell noch bestehende Herstellergarantie erlischt, da es sich um einen massiven Eingriff handelt. Wenn Sie vor dem Umgang mit der Rasierklinge zurückschrecken, trotzdem aber an dem Vorhaben festhalten, können Sie zu einem Hilfsgerät greifen, das die Aktion weitestgehend selbst erledigt. Dabei handelt es sich um eine Vorrichtung, die die exakten Maße der jeweiligen CPU-Generationen besitzt und in die Sie die CPU legen. Danach wird der IHS mit Hilfe eines Schlittens entfernt, der sich dank der genauen Abmessungen stets in der richtigen Position befindet und seitlich eingeschoben wird. Ein Beispiel für ein solches Hilfsgerät ist der „Delid-Die-Mate 2“, den der deutsche Overclocking-Weltmeister Roman „der8auer“ Hartung entwickelt hat. Das Gerät ist bei Caseking.de erhältlich und kostet rund 30 Euro.

Ein Beispiel für einen „geköpften“ Prozessor: Links im Bild finden Sie den Heatspreader, rechts sehen Sie die eigentliche CPU.
Vergrößern Ein Beispiel für einen „geköpften“ Prozessor: Links im Bild finden Sie den Heatspreader, rechts sehen Sie die eigentliche CPU.

Tipp: Durch höheren Takt das Maximum an Leistung aus der CPU herauszukitzeln, ist eine verlockende Methode für fortgeschrittene Anwender, um gratis an noch mehr Tempo zu kommen.

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