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Virtualisierung mit NAS-Systemen verwirklichen

09.07.2017 | 16:35 Uhr |

NAS-Systeme bieten Speicherplatz ohne Ende, sind rund um die Uhr in Betrieb und aus der ganzen Welt über das Internet zu erreichen. Ideale Voraussetzungen, um sie zur Virtualisierung einzusetzen.

Angefangen bei Asustor, Buffalo und D-Link über Netgear, Qnap und Synology bis hin zu Thecus, Western Digital und Zyxel – zahlreiche Hersteller bieten inzwischen NAS-Systeme für den Heimgebrauch an. Allerdings lässt sich nur ein Bruchteil dieser Geräte zur Virtualisierung verwenden. Denn auch wenn moderne Netzwerkspeicher mit schnellen Prozessoren und ausreichend Arbeitsspeicher ausgestattet sind, reicht die Performance der Geräte nicht einmal ansatzweise an einen herkömmlichen Desktop-PC heran. Und wenn doch, ist ein NAS-System um ein Vielfaches teurer. Während etwa ein HP-Pavillon-Rechner, der mit einem Intel-Core-i7-Prozessor und 8 GByte RAM ausgestattet ist, schon ab 899 Euro zu haben ist, kostet das derzeit günstigste NAS-Modell mit i7-CPU und 16 GByte RAM sage und schreibe 2.000 Euro ( Qnap Turbo Station TVS-871 ) – ohne Festplatten.

Warum die Virtualisierung auf einem NAS-System dennoch Sinn macht? Ganz einfach: Weil diese Geräte rund um die Uhr laufen. Anstatt also seinen PC einzuschalten, das Hochfahren abzuwarten, die bevorzugte Virtualisierungsumgebung zu starten und dann die VM zu initialisieren, loggen Sie sich mittels Browser oder mithilfe eines Clients wie UltraVNC Viewer bei der NAS ein und arbeiten mit einer virtuellen Maschine oder einer virtualisierten Webanwendung.

Der zweite Vorteil ist der immense Speicherplatz, den NAS-Systeme bieten. Sie müssen sich beim Arbeiten mit virtualisierten Betriebssystemen also niemals Sorgen machen, dass der Speicherplatz knapp wird.

NAS-Know-How: Neun Tipps für den Netzwerkspeicher

Auf den Arbeitsspeicher und den Prozessor kommt es an

Wichtig ist, dass der im NAS-System verbaute Prozessor die Virtualisierungserweiterung VT-x unterstützt. Dies sollten Sie vor dem Kauf eines Netzwerkspeichers unbedingt berücksichtigen.
Vergrößern Wichtig ist, dass der im NAS-System verbaute Prozessor die Virtualisierungserweiterung VT-x unterstützt. Dies sollten Sie vor dem Kauf eines Netzwerkspeichers unbedingt berücksichtigen.

Interessieren Sie sich für die Virtualisierung auf einem NAS-System, und planen Sie den Kauf eines solchen Geräts, spielen zwei Kriterien die entscheidende Rolle: Die Größe des Arbeitsspeichers und die CPU. Denn da insbesondere die Virtualisierung von Betriebssystemen extrem hohe Anforderungen an den Arbeitsspeicher des Host-Systems stellt, sollte die NAS über mindestens 4 GByte RAM verfügen. Im Idealfall stecken 8 GByte im Gerät – das ist das derzeitige Maximum für Consumer-Geräte. Anstatt sich aber für ein Modell zu entscheiden, das bereits ab Werk mit 8 GByte RAM ausgestattet ist, sollten Sie lieber die „kleinere“ Variante kaufen und den Arbeitsspeicher manuell aufrüsten. Denn der Preisunterschied ist gewaltig. Kostet etwa das Qnap-Modell TS- 251+ – ohne HDDs – mit 2 GByte RAM rund 300 Euro, müssen Sie für das gleiche Gerät mit 8 GByte RAM knapp 430 Euro ausgeben. Der passende Arbeitsspeicher, etwa zwei Kingston- KVR16LS11/4-Module, schlägt mit rund 65 Euro zu Buche – Sie sparen also 65 Euro.

Der Einbau ist nicht besonders kompliziert, wie der Mini-Workshop im Kasten auf der folgenden Seite zeigt. Darüber hinaus finden sich auf Youtube unzählige Videos, die zeigen, wie Sie beim Austausch des Arbeitsspeichers vorgehen müssen. Empfehlenswert sind beispielsweise die Videos im Kanal von iDomiX.de. Hier zeigt Dominik Bamberger in einem knapp 13 Minuten langen Videoclip, wie sich die Synology Diskstation DS216+ II aufrüsten lässt.

Welche NAS-Modelle sich überhaupt aufrüsten lassen, können Sie über die entsprechenden Support-Seiten der Hersteller herausfinden – beispielsweise https://forum.synology.com/enu/ und www.qnap.com/de-de/tutorial/ . Aber auch die beiden herstellerunabhängigen Foren www.synology-forum.de/forum.html für Synology-Geräte und https://forum.qnapclub.de/ für NAS-Systeme des Herstellers Qnap stellen hervorragende Informationsquellen dar. Alternativ nutzen Sie eine Google-Suche. Verwenden Sie hierbei als Suchbegriff die exakte Modellbezeichnung Ihres NAS und den Zusatz „RAM-Aufrüstung“ beziehungsweise „RAM-Upgrade“. Eine weitere gute Anlaufstelle sind die „Kundenfragen und –antworten“ auf den jeweiligen Amazon-Produktdetailseiten.

Da sich der Prozessor eines NAS-Systems nicht austauschen lässt, müssen Sie bereits im Vorfeld eine nachhaltige Entscheidung für die Leistungsklasse treffen. Kompliziert ist diese Wahl aber nicht, da im Grunde genommen ausschließlich Intel-Prozessoren, die die Virtualisierungserweiterung VT-x unterstützen, in Frage kommen. Ob Sie sich schlussendlich für eine Celeron-CPU oder einen i5-Prozessor entscheiden, hängt lediglich davon ab, wie viel Geld Sie investieren möchten.

Um herauszufinden, ob die CPU, die in dem Gerät steckt, VT-x unterstützt, geben die die exakte Bezeichnung, beispielsweise „Celeron J1900“ bei Google ein und klicken in der Liste der Fundstellen auf den Link, der auf die Intel-Homepage verweist.

Tutorial: Synology-NAS einrichten und verwenden

Welche Virtualisierungs-Apps stehen zur Auswahl bereit?

Ubuntu wird in einer virtuellen Maschine installiert, der Zugriff auf die VM erfolgt dann auf dem PC direkt im Browser – möglich macht‘s die Qnap-App „Virtualization Station“.
Vergrößern Ubuntu wird in einer virtuellen Maschine installiert, der Zugriff auf die VM erfolgt dann auf dem PC direkt im Browser – möglich macht‘s die Qnap-App „Virtualization Station“.

In der Praxis kommen im Zusammenhang mit der Virtualisierung ausschließlich Consumer- NAS-Systeme von Asustor, Qnap und Synology in Frage, da nur diese drei Hersteller entsprechende Apps anbieten. Während sich Synology auf die Virtualisierung webbasierter Anwendungen mittels „Docker“-App beschränkt, setzt Qnap mit der App „ Virtualization Station “ auf die traditionelle Virtualisierung von Betriebssystemen – ganz so, wie Sie es von Vmware Workstation und Virtualbox gewohnt sind. Asustor wiederum kombiniert beide Methoden: Mit der Docker-App virtualisieren Sie webbasierte Anwendungen, für die Virtualisierung von Betriebssystemen ist hingegen die Virtualbox-App zuständig.

RAM aufrüsten: So einfach geht’s

Die Vorgehensweise ist bei den meisten NAS-Modellen ähnlich: Zuerst sind die Festplatten zu entnehmen, die zumeist nur mithilfe eines Schlittens eingeschoben sind. Daraufhin sind mehrere Schrauben am Gehäuse zu lösen, sodass es sich abnehmen lässt. Im nachfolgenden Schritt arbeiten Sie sich zum Speicherslot vor, indem Sie verschiedene Kleinteile entfernen und die Hauptplatine freilegen. Bevor Sie den Speicherriegel anfassen, sollten Sie sich jedoch erden, um Schäden durch die elektrostatische Aufladung zu verhindern.

Hierzu genügt es, einige Sekunden lang einen Heizkörper mit der Hand zu berühren. Entnehmen Sie anschließend den bisherigen Speicherbaustein vorsichtig aus der Halterung und setzen Sie den neuen ein. Bauen Sie das NAS in der umgekehrten Reihenfolge wieder zusammen. Der neue Speicher wird dann beim nächsten Start automatisch erkannt – Sie brauchen nichts weiter zu tun. Um das erfolgreiche Upgrade zu überprüfen, genügt ein Blick in die Systeminformationen Ihres Netzwerkspeichers. Nutzen Sie ein Qnap-Gerät mit dem Betriebssystem QTS 4.2.3, öffnen Sie die „Systemsteuerung“, wählen „Verwaltung“ und bringen das Register „Systeminformation“ nach vorne um den aktuell verbauten „Gesamtspeicher“ in Erfahrung zu bringen. Bei Synology-Geräten mit DSM 6.1 öffnen Sie die „Systemsteuerung“, wählen „Info-Center“ und aktivieren das Register „Allgemein“. Neben „Arbeitsspeicher insgesamt“ steht, über wie viel RAM das Gerät verfügt.
Achtung: Durch das RAM-Upgrade gehen jegliche Gewährleistung und Garantie seitens der Hersteller verloren. Die Aufrüstung geschieht stes auf eigene Gefahr. PC-WELT übernimmt keine Haftung bei Schäden und Datenverlust.

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