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Virtualbox mit Linux nutzen - so klappt's

28.10.2018 | 09:41 Uhr | Thorsten Eggeling

Virtualbox ist bei Linux-Nutzern eine der beliebtesten Virtualisierungslösungen. Wie Sie die Software optimal einrichten und nutzen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Virtualbox stellt einen Zweit-PC per Software bereit. Aus Sicht des darin installierten Betriebssystems (Gastsystem) handelt es sich um einen PC mit eigener Hardware, der völlig unabhängig von der tatsächlichen im Gerät verbauten Hardware arbeitet (Hostsystem). Virtualbox ist in den Standardrepositorien der meisten Linux-Distributionen wie Ubuntu, Linux Mint und Opensuse enthalten, aber nicht vorinstalliert. Die Virtualisierungssoftware läuft zuverlässig und bietet eine übersichtliche Oberfläche zur Verwaltung und Steuerung der virtuellen Maschinen. Der Funktionsumfang deckt alle Bereiche ab, die von einer Virtualisierungssoftware für den Desktop zu erwarten sind. Der Hersteller Oracle gibt regelmäßig Aktualisierungen heraus, damit sich auch die neuesten Betriebssysteme problemlos in einer virtuellen Maschine installieren lassen.

Siehe auch: Virtualbox vs. Vmware vs. Hyper-V - Der beste virtuelle PC

1. Virtualbox installieren

Virtualbox lässt sich in fast allen Linux-Distributionen über das Paketmanagement installieren. Nutzer von Ubuntu, Linux Mint oder verwandten Systemen verwenden in einem Terminalfenster diese Befehlszeile:

sudo apt-get install virtualbox virtualbox-qt virtualbox-dkms  

Falls Sie damit nicht die aktuellste Version erhalten, finden Sie das neueste Softwarepaket bei www.virtualbox.org . Nach einem Klick auf „Download Virtualbox 5.2“ auf der Startseite klicken Sie unter „VirtualBox 5.2.8 platform packages“ auf „Linux distributions“.

Sie sehen dann eine Liste mit Linux-Distributionen wie Ubuntu, Debian, Open Suse und Fedora und dahinter jeweils Downloadlinks. Nutzer von Ubuntu 16.04 oder Linux Mint 18 klicken hinter „Ubuntu 16.04“ auf „i386“ (32-Bit) oder „AMD64“ (64-Bit). Die heruntergeladene deb-Datei öffnen Sie per Doppelklick im Dateimanager mit der Paketverwaltung und folgen den Anweisungen zur Installation.

Wie beziehen uns in diesem Artikel vorwiegend auf die aktuelle Version 5.2. Die Unterschiede bei der Bedienung gegenüber den Vorgängern sind jedoch marginal.

Oracle bietet ein deb-Paket für Virtualbox 5.2 an, das sich per Paketmanagement installieren lässt.
Vergrößern Oracle bietet ein deb-Paket für Virtualbox 5.2 an, das sich per Paketmanagement installieren lässt.

Paketquelle für Ubuntu/Mint hinzufügen: Für die meisten Anwender ist es praktischer, die Downloadquelle von Virtualbox in die Paketverwaltung einzubinden. Sie erhalten dann automatisch Updates, sobald diese verfügbar sind. Bei Debian-basierenden Systemen wie Ubuntu und Linux Mint verwenden Sie dazu die folgenden zwei Befehlszeilen im Terminal:

wget -q https://www.virtualbox.org/download/oracle_vbox_2016.asc -O- | sudo apt-key add -  wget -q https://www.virtualbox.org/download/oracle_vbox.asc -O- | sudo apt-key add -  

Damit importieren Sie den Oracle-Schlüssel in die Liste der vertrauenswürdigen Softwareanbieter. Danach installieren Sie Virtualbox mit diesen drei Befehlszeilen:

sudo echo deb http://download.virtualbox.org/virtualbox/debian xenial contrib > /etc/apt/sources.list.d/virtualbox.list  sudo apt update  sudo apt-get install dkms virtualbox-5.2  

Ersetzen Sie „xenial“ (Ubuntu 16.04/Linux Mint 18) durch den Codenamen der gewünschten Distribution. Wenn Sie diesen nicht kennen, sehen Sie in der Datei „lsbrelease“ (Ubuntu) oder „os-release“ (Debian) nach. Wenn Sie eine ältere Version von Virtualbox aus der Oracle-Paketquelle installieren wollen, ändern Sie die Versionsnummer auf „virtualbox-5.1“ oder „virtualbox- 5.0“. Anschließend fügen Sie die Benutzer, die Virtualbox verwenden sollen, zur Gruppe „vboxusers“ hinzu:

sudo adduser [User] vboxusers  

Ersetzen Sie den Platzhalter „[User]“ durch den tatsächlichen Kontonamen des Benutzers. Wiederholen Sie die Befehlszeile für alle gewünschten Benutzer. Melden Sie sich dann bei Linux ab und wieder an oder starten Sie das System neu.

Deaktivieren Sie Secure Boot im Bios. Sonst lädt Linux die neuen Kernel- Module nicht.
Vergrößern Deaktivieren Sie Secure Boot im Bios. Sonst lädt Linux die neuen Kernel- Module nicht.

Nach einem Kernel-Upgrade sollte DKMS (Dynamic Kernel Module Support) dafür sorgen, dass die Kernel-Module für Virtualbox automatisch neu erstellt werden. Das klappt jedoch nicht immer zuverlässig. Sollte beim Start einer VM eine Fehlermeldung auftauchen, die ein fehlendes Kernel-Modul bemängelt, führen Sie folgende Befehlszeile aus:

sudo /etc/init.d/vboxdrv setup  

Die bei der Virtualbox-Installation erzeugten Kernel-Module sind nicht digital signiert. Sollte Ihr PC im Uefi-Modus bei aktiviertem Secure Boot starten, kann Linux die Kernel-Module nicht laden. Deaktivieren Sie deshalb – wenn vorhanden – Secure Boot im Bios/Firmwaresetup Ihres PCs oder Notebooks. Kontrollieren Sie bei der Gelegenheit auch, ob Intel-Vt-x beziehungsweise AMD-V aktiviert sind.

Bitte beachten Sie außerdem, dass eine Parallelinstallation von Virtualbox 5 neben einer älteren Version nicht möglich ist. Bei einem Upgrade bleiben jedoch Einstellungen und virtuelle Maschinen erhalten. Sie dürfen auch die Installation aus den Ubuntu-Paketquellen nicht mit der von Oracle mischen. Entfernen Sie daher mit dem Kommando

sudo apt remove virtualbox virtualbox-qt virtualbox-dkms  

eine bestehende Installation, bevor Sie beispielsweise Virtualbox 5.2 installieren.

Direkter Zugriff: USB-Konfiguration anpassen

Eine virtuelle Maschine hat keinen direkten Zugriff auf die Hardware des Host-PCs. Eine Ausnahmen sind USB-Geräte wie Drucker, Scanner oder Sticks. Diese lassen sich direkt einbinden, stehen dann aber auf dem Hostsystem nicht mehr zur Verfügung, solange das Gastsystem läuft. Die USB-Unterstützung aktivieren Sie in der Konfiguration einer virtuellen Maschine nach einem Klick auf „USB“. Setzen Sie ein Häkchen vor „USB-Controller aktivieren“. Darunter wählen Sie die gewünschte Option für USB-1.1, 2.0 oder 3.0, je nachdem, an welchen Port das USB-Gerät angeschlossen ist. Die Einstellungen wirken nur, wenn Sie das Erweiterungspaket installiert haben (siehe Punkt 2). Starten Sie den virtuellen PC, gehen Sie auf „Geräte –› USB“ und setzen Sie ein Häkchen vor ein USB-Gerät, das Sie einbinden möchten.

Sie wollen ein USB-Gerät automatisch einbinden? Bei den USB-Einstellungen sehen Sie den Bereich „Filter für USB-Geräte“. Über die Schaltfläche mit dem „+“-Symbol wählen Sie das gewünschte Gerät aus. Es lässt sich dann nach einem Neustart – oder sobald Sie es mit dem USB-Port verbinden – sofort in der virtuellen Maschine verwenden.

Problembehebung: Sollte sich ein USB-Gerät nicht einbinden lassen, kontrollieren Sie zuerst die Porteinstellung. Hängt es an einem USB-3.0-Port, aber USB-2.0 ist eingestellt, dann funktioniert es nicht. Kontrollieren Sie außerdem im Terminal mit dem Befehl groups, ob Sie zur Gruppe „vboxusers“ gehören. Wenn nicht, werden Sie Mitglied der Gruppe wie in Punkt 1 beschrieben.

2. Das Erweiterungspaket für Virtualbox installieren

Das Virtualbox-Basispaket steht unter der Lizenz GNU General Public License V2, der Quellcode ist frei verfügbar. Weitere Komponenten stellt Oracle als Erweiterungspaket unter der Personal Use and Evaluation License (PUEL) zur Verfügung. Für private Nutzer, Bildungszwecke oder Testumgebungen ist die Nutzung immer kostenlos. Das Erweiterungspaket installiert zusätzliche Funktionen für Virtualbox und enthält folgende Bestandteile:

  • Unterstützung für virtuelle USB-2.0-Geräte

  • Unterstützung für virtuelle USB-3.0-Geräte

  • Virtualbox Remote Desktop Protocol (VRDP, Fernsteuerung)

  • Unterstützung für Webcams

  • Netzwerk Boot-ROM (Intel PXE)

  • experimenteller Zugriff auf PCI-Geräte (PCI-Passthrough)

  • AES-Festplattenverschlüsselung

In der Regel werden Sie zumindest die Unterstützung für USB-2.0- und USB-3.0-Geräte nutzen wollen, um beispielsweise einen Drucker oder Scanner direkt aus einem System in der virtuellen Maschine anzusteuern.

Über ein Zusatzpaket rüsten Sie in Virtualbox die Unterstützung für USB-3.0-Geräte nach.
Vergrößern Über ein Zusatzpaket rüsten Sie in Virtualbox die Unterstützung für USB-3.0-Geräte nach.

Den Link zum Erweiterungspaket finden Sie auf der Downloadseite www.virtualbox.org/ wiki/Downloads. Es muss die gleiche Versionsnummer tragen wie Virtualbox. Bei Redaktionsschluss war die Datei „Oracle_VM_ VirtualBox_Extension_Pack-5.2.8-121009.vbox-extpack“ aktuell. Erweiterungspakete für ältere Virtualbox-Versionen finden Sie über www.virtualbox.org/wiki/Download_Old_Builds , beispielsweise auch für ein Virtualbox 5.0, das Sie aus den Ubuntu-Paketquellen installiert haben.

Nach dem Download installieren Sie das Erweiterungspaket per Doppelklick im Dateimanager. Sie können auch in Virtualbox auf „Datei –› Einstellungen“ und dann auf „Zusatzpakete“ gehen. Per Klick auf das Icon mit dem „+“-Symbol wählen Sie das Erweiterungspaket zur Installation aus. Über die Schaltfläche mit dem Kreuzsymbol entfernen Sie veraltete Erweiterungspakete.

3. Linux-System in Virtualbox installieren

Geben Sie bei der Einrichtung Typ und Version des Gastbetriebssystems an.
Vergrößern Geben Sie bei der Einrichtung Typ und Version des Gastbetriebssystems an.

Wenn Sie Virtualbox starten, erhalten Sie ein Fenster, über das Sie Ihre virtuellen Maschinen verwalten und deren Konfiguration anpassen. Mit der Schaltfläche „Neu“ erstellen Sie eine virtuelle Maschine. Tippen Sie hinter „Name:“ eine aussagekräftige Bezeichnung ein. Wählen Sie hinter „Typ:“ den Eintrag „Linux“ und darunter die Version des Betriebssystems. Bei Linux sind nicht alle bekannten Distributionen aufgeführt. Nehmen Sie den Eintrag, der der gewünschten Version am nächsten kommt, etwa „Ubuntu (32-bit)“ für Xubuntu oder Lubuntu. Ist nichts Passendes dabei, entscheiden Sie sich für „Other Linux (32-bit)“ oder „Other Linux (64-bit)“. 32-Bit-Systemen sollten Sie den Vorzug geben, wenn 64 Bit nicht zwingend erforderlich sind. Der Speicherbedarf ist geringer und die Leistung dadurch besser. Klicken Sie auf „Weiter“. Geben Sie die Hauptspeichergröße (RAM) an, die der virtuellen Maschine zur Verfügung stehen soll. Meist sind 1024 oder 2048 MB ausreichend. Es sind auch deutlich größere Werte möglich, wenn es erforderlich sein sollte. Dann muss der PC aber über ausreichend RAM verfügen, damit für das Hostsystem genügend verbleibt. Nach einem Klick auf „Weiter“ wählen Sie die Option „Festplatte erzeugen“ und klicken auf „Erzeugen“. In der Regel werden Sie die Option „VDI (VirtualBox Disk Image)“ wählen. Das VHD-Format ist für Nutzer gedacht, die eine virtuelle Festplatte auch mit der Virtualisierungssoftware Microsoft Hyper-V verwenden möchten. VMDK ist das Standardformat bei Vmware. Klicken Sie auf „Weiter“ und wählen Sie die gewünschte Option. Bei „dynamisch alloziert“ erstellt Virtualbox eine virtuelle Festplattendatei mit minimaler Größe. Wenn das Gastsystem Daten auf die Festplatte schreibt, wächst die Größe entsprechend an. Mit „feste Größe“ legen Sie eine Datei an, die von Anfang an eine bestimmte Kapazität besitzt. Das ist unflexibler, verbessert aber die Leistung. Nach einem Klick auf „Weiter“ legen Sie die Kapazität der virtuellen Festplatte fest.

Dynamische Festplatten belegen anfänglich nur wenig Platz auf dem Host-Laufwerk.
Vergrößern Dynamische Festplatten belegen anfänglich nur wenig Platz auf dem Host-Laufwerk.

Es empfiehlt sich, deutlich mehr Speicherplatz als vorgeschlagen zu verwenden, damit genügend Platz für Updates und Softwareinstallationen bleibt.

Eine virtuelle Festplatte lässt sich später nur umständlich vergrößern. Sie können aber jederzeit eine zweite Festplatte in den virtuellen PC „einbauen“.

Tipp: Virtualbox-Tricks für Profis und Fortgeschrittene

4. Konfiguration der virtuellen Maschine anpassen

Wählen Sie „Netzwerkbrücke“, um nicht nur das Internet, sondern auch das lokale Netzwerk zu erreichen.
Vergrößern Wählen Sie „Netzwerkbrücke“, um nicht nur das Internet, sondern auch das lokale Netzwerk zu erreichen.

Nach Abschluss des Assistenten sehen Sie im Virtualbox-Hauptfenster eine Übersicht mit der Konfiguration. Klicken Sie auf „Anzeige“. Stellen Sie hinter „Grafikspeicher:“ mindestens „64 MB“ ein und setzen Sie das Häkchen vor „3D-Beschleunigung aktivieren“. Die Option „2D-Video-Beschleunigung aktivieren“ hat nur Auswirkung bei Windows-Gastsystemen.

Gehen Sie auf „Massenspeicher“, klicken Sie auf das CD-Icon und dann rechts im Fenster auf das CD-Icon mit dem kleinen Pfeil. Geben Sie über „Datei für optisches Medium auswählen...“ den Speicherort der ISO-Datei einer Linux-Installations-DVD an. Oder Sie wählen „Hostlaufwerk“, wenn Sie eine Installations-DVD verwenden möchten, die im DVD-Laufwerk des PCs liegt.

Unter „Netzwerk“ ist standardmäßig „NAT“ eingestellt. Der virtuelle PC erhält dann Internetzugang über das Hostsystem, aber keinen Zugang zum lokalen Netzwerk. Das kann aus Sicherheitsgründen erwünscht sein. Wenn Sie auf Freigaben im lokalen Netz zugreifen wollen, stellen Sie hinter „Angeschlossen an: “ den Wert „Netzwerkbrücke“ ein. In der virtuellen Maschine können Sie dann über den Linux-Dateimanager oder den Windows-Explorer wie gewohnt auf Netzwerkfreigaben zugreifen. Beenden Sie die Konfiguration per Klick auf „OK“. Klicken Sie auf „Starten“. Der virtuelle PC bootet vom Installationsmedium. Danach führen Sie die Linux-Installation durch.

Tipp: Einen in der virtuellen Maschine „gefangenen“ Mauszeiger befreien Sie über die „Host-Taste“. Das ist standardmäßig die rechte Strg-Taste.

Sicherungspunkte, Klons und Appliances

Virtuelle Maschinen verhalten sich ähnlich wie richtige PCs. Sie müssen das Gastsystem beispielsweise nicht herunterfahren, Sie können auch das Fenster schließen und dann die Option „den Zustand der virtuellen Maschine speichern“ wählen. Das entspricht in etwa dem Standby-Modus.

Virtualbox stellt aber auch Funktionen zur Verfügung, die Sie bei einem herkömmlich installierten System vergebens suchen. Per Klick auf „Maschine –› Sicherungspunkt erstellen“ legen Sie einen Schnappschuss des aktuellen Zustands an. Sie können beliebig viele Sicherungspunkte erstellen, die allerdings reichlich Platz auf der Festplatte belegen. Im Virtualbox-Hauptfenster lassen Sie sich die Backups über die Schaltfläche „VM-Tools –› Sicherungspunkte“ anzeigen. Wählen Sie den gewünschten Sicherungspunkt aus und klicken Sie auf „Wiederherstellen“. Belassen Sie das Häkchen vor „Sicherungspunkt des aktuellen VM-Zustands erstellen“, damit Virtualbox den aktuellen Systemzustand sichert.

Sie benötigen für Tests eine exakte Kopie einer virtuellen Maschine? Dann gehen Sie auf „Maschine –› Klonen“. Für ein komplettes Backup von virtuellen Maschinen müssen Sie nur die zugehörigen Ordner sichern, die standardmäßig unter „/home/[User]/VirtualBox Vms“ liegen. Eine andere Methode lässt sich über „Datei –› Appliance exportieren“ aufrufen. Folgen Sie einfach den Anweisungen des Assistenten. Damit erstellen Sie eine „ova“-Datei, die Sie bei Bedarf über „Datei –› Appliance importieren“ einlesen. Das funktioniert auch auf einem anderen PC, der unter Linux oder Windows laufen kann.

5. Windows als Gastsystem in Virtualbox installieren

Wenn Sie das System nur kurze Zeit ausprobieren wollen, benötigen Sie keinen Produktschlüssel.
Vergrößern Wenn Sie das System nur kurze Zeit ausprobieren wollen, benötigen Sie keinen Produktschlüssel.

Die Installation eines Windows-Gastsystems läuft ab wie bei Linux. Nach Klick auf die Schaltfläche „Neu“ vergeben Sie eine Bezeichnung, stellen hinter „Typ“ als System „Windows“ ein und hinter „Version“ das gewünschte System, etwa „Windows 10“. Auch bei Windows gilt: Ein 32-Bit-System läuft etwas flotter in einer virtuellen Maschine, was auch auf ältere Systeme wie Windows 7 zutrifft. Für Windows 10 mit 64 Bit schlägt Virtualbox 2048 MB Hauptspeicher vor und eine virtuelle Festplatte mit 32 GB. Es darf bei beidem gerne etwas mehr sein, wenn der Host-PC mit mehr als vier GB RAM und einer Festplatte mit ausreichend Kapazität ausgestattet ist. Nach Abschluss des Konfigurationsassistenten passen Sie die Einstellungen an wie im vorherigen Punkt beschrieben.

Für Windows benötigen Sie die Installations- DVD der gewünschten Version oder eine ISO-Datei davon. Für Testzwecke genügt Windows 10 Enterprise, das Sie nach einer kostenlosen Registrierung über www.microsoft.com herunterladen können. Eine ISO-Datei der aktuellen Windows-10-Version (Home und Pro) erhalten Sie hier .

Wenn Sie die Webseite unter Linux aufrufen, erkennt Microsoft, dass Sie kein unterstütztes Betriebssystem besitzen, und bietet Ihnen den direkten Download der ISO-Datei an. Klicken Sie auf „Editionsauswahl“, dann auf „Windows 10“ und auf „Bestätigen“. Danach wählen Sie die Produktsprache und nach einem Klick auf „Bestätigen“ sehen Sie Downloadlinks für die 32- und 64-Bit-Version.

Die heruntergeladene ISO-Datei binden Sie ein wie in Punkt 3 für Linux beschrieben. Klicken Sie auf „Starten“ und führen Sie die Windows-Installation wie gewohnt durch. Wenn Sie Windows 10 Home oder Pro dauerhaft nutzen wollen, benötigen Sie einen Produktschlüssel. Das gilt auch für den Betrieb in einer virtuellen Maschine. Für die Installation ist kein Produktschlüssel erforderlich. Klicken Sie einfach auf „Ich habe keinen Product Key“, wenn das Setupprogramm Sie danach fragt. Es gibt dann jedoch einige Einschränkungen. Sie können beispielsweise in den „Einstellungen“ (Win-I) unter „Personalisierung“ keine Änderungen vornehmen.

6. Virtualbox-Gasterweiterungen manuell installieren

Bei der Installation der Gasterweiterungen werden neue Kernel-Module erzeugt.
Vergrößern Bei der Installation der Gasterweiterungen werden neue Kernel-Module erzeugt.

Die Leistung eines virtuellen PCs lässt sich über die Gasterweiterungen verbessern, die Treiber etwa für die Maus und den virtuellen Grafikadapter enthalten. Bei einigen Linux-Systemen sind die Virtualbox-Gasterweiterungen bereits standardmäßig installiert. Wenn Sie beispielsweise unter Ubuntu 16.04 Virtualbox 5.0.40 aus den Standard-Paketquellen eingerichtet haben, müssen Sie weiter nichts unternehmen. Haben Sie hingegen das aktuelle Virtualbox 5.2 installiert, richten Sie für die optimale Leistung auch die dazu passenden Gasterweiterungen ein.

Bringen Sie zuerst das Gastsystem auf den aktuellen Stand:

sudo apt-get update  sudo apt-get upgrade  sudo apt-get install dkms  

Mit der letzten Zeile installieren Sie – wenn noch nicht vorhanden – das Paket für die dynamische Erstellung von Kernel-Modulen. Starten Sie das Gastsystem neu. Gehen Sie im Fenster der laufenden virtuellen Maschine auf „Geräte –› Gasterweiterungen einlegen“. Bei Ubuntu 16.04 oder Linux Mint erscheint dann ein Fenster, in dem Sie auf „Ausführen“ klicken und mit dem root-Passwort bestätigen. Ein Script erstellt die nötigen Kernel-Module automatisch.

Sollte das Script nicht automatisch starten, führen Sie im Terminalfenster die folgenden Befehle aus:

cd /media/[User]/Vbox_Gas_5.2.8 sudo ./VBoxLinuxAdditions.run  

Passen Sie die Pfadangaben für Ihr System beziehungsweise die Version der Gasterweiterungen an. Wo die ISO-Datei mit den Gasterweiterungen eingehängt ist, sehen Sie im Dateimanager. Kommt Windows als Gastbetriebssystem zum Einsatz, starten Sie „VBoxWindowsAdditions.exe“ vom Medium mit den Gasterweiterungen und folgen den Anweisungen des Assistenten. Nach einem Neustart des Gastsystems stehen jetzt noch zusätzliche Funktionen zur Verfügung.

Sie können beispielsweise eine höhere Bildschirmauflösung wählen und der Mauszeiger löst sich automatisch, wenn Sie ihn aus dem Fenster ziehen. Außerdem lässt sich das Gastsystem über Host-L (rechte Strg-Taste zusammen mit der L-Taste) in den „nahtlosen Modus“ und wieder zurück in den Fenstermodus schalten. Dann sind nur die im Gastsystem geöffneten Fenster auf dem Linux-Desktop zu sehen. Die Windows-Taskleiste blendet Virtualbox dann am unteren Bildschirmrand ein.

7. Datenaustausch zwischen Host-PC und Gastsystem

Binden Sie über „Gemeinsame Ordner“ einen Ordner des Hostsystems ein.
Vergrößern Binden Sie über „Gemeinsame Ordner“ einen Ordner des Hostsystems ein.

Eine virtuelle Maschine ist in der Standardkonfiguration vom Hostsystem weitestgehend abgekoppelt. Über das Netzwerk haben Sie Zugriff auf Freigaben, beispielsweise auf einem Server oder einem NAS. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Sie den virtuellen Netzwerkadapter als „Netzwerkbrücke“ konfiguriert haben (siehe Punkt 4). Zur Datenübertragung zwischen Host- und Gastsystem können Sie auch einen gemeinsamen Ordner auf einem Datenträger des Host-Rechners verwenden.

Voraussetzung dafür sind die im Gastsystem installierten Gasterweiterungen (–› Punkt 6). Gehen Sie im Fenster der virtuellen Maschine auf „Geräte –› Gemeinsame Ordner –› Gemeinsame Ordner“.

Über die „+“-Schaltfläche bestimmen Sie einen Ordner für den Datenaustausch auf dem Hostsystem. Setzen Sie Häkchen vor „Automatisch einbinden“ und „Permanent erzeugen“. Damit ein Nutzer im Gastsystem den gemeinsamen Ordner nutzen kann, fügen Sie ihn beispielsweise unter Ubuntu mit folgender Befehlszeile zur Gruppe „vboxsf“ hinzu:

sudo adduser [User] vboxsf  

„[User]“ ersetzen Sie durch den tatsächlichen Benutzernamen. Starten Sie das Gastbetriebssystem neu. Den gemeinsamen Ordner finden Sie unter Linux im Navigationsbereich des Dateimanagers beziehungsweise im Verzeichnis „/media“ mit dem Prefix „sf_“. Ist Windows installiert, erreichen Sie den Ordner im Windows-Explorer über „Netzwerk“ und „Vboxsrv“.

Im Fenster der virtuellen Maschine können Sie zwei weitere Optionen für den Datenaustausch zwischen Host- und Gast-Rechner aktivieren: „Geräte –› Gemeinsame Zwischenablage –› bidirektional“ und „Geräte –› Drag und Drop –› bidirektional“. Wenn Sie im Hostsystem beispielsweise einen Textabschnitt mit Strg-C kopieren, lässt er sich auch im Gastsystem mit der Tastenkombination Strg-V einfügen.

Hinweis: Drag & Drop funktioniert bei Dateien beispielsweise zwischen dem Dateimanager des Hostsystems und dem Desktop des Gastsystems – zumindest in der Theorie. Die Funktion ist jedoch noch nicht vollkommen ausgereift. Bei manchen Systemen ist Drag & Drop wenigstens in eine Richtung möglich, bei anderen hingegen gar nicht. Aber vielleicht ist dieses Defizit mit einem der nächsten Virtualbox-Updates behoben.

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