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Facebook live überträgt Vergewaltigung – erste Festnahme

03.04.2017 | 13:43 Uhr |

40 Facebook-Nutzer sehen auf Facebook live der Vergewaltigung einer 15-Jährigen zu. Keiner informiert die Polizei. Jetzt nahm die Polizei einen ersten Verdächtigen fest.

Update 3.4.2017: Polizei nimmt Verdächtigen fest

Die Polizei von Chicago hat einen ersten Verdächtigen festgenommen. Dabei soll es sich um einen 14 Jahre alten Jugendlichen handeln. Dem Festgenommenen werden drei Anklagepunkte vorgeworfen. Weitere Details liegen noch nicht vor.

Update-Ende, Beginn des ursprünglichen Berichts vom 22.3.:

Schon wieder ist eine Vergewaltigung auf Facebook übertragen worden. Laut US-Medienberichten vergewaltigten fünf bis sechs junge Männer ein 15 Jahre altes Mädchen in Chicago. Die Vergewaltiger streamten ihr Verbrechen in Echtzeit via Facebook live.

Rund 40 Facebook-Nutzer sollen die Übertragung der Vergewaltigung auf Facebook live verfolgt haben. Keiner der Zuschauer habe die Polizei informiert.

Die Mutter informierte Montagnachmittag den Polizeichef von Chicago und zeigte ihm das Facebook-live-Video beziehungsweise Screenshots davon, wie Medien berichten. Anscheinend hatte ein Onkel des Mädchens einen Hinweis auf die auf Facebook gestreamte Vergewaltigung bekommen. Das Mädchen war zu diesem Zeitpunkt noch verschwunden.

Daraufhin begann die Polizei mit ihren Ermittlungen. Facebook hat den Videoclip auf Anweisung der Polizei von Chicago offline genommen. Die Vergewaltiger befinden sich aber immer noch auf freiem Fuß.

Das Mädchen wurde seit letztem Sonntag vermisst. Dienstagfrüh fanden Polizisten das Mädchen und brachten es in ein Krankenhaus. Mittlerweile ist das Mädchen wieder bei seiner Mutter. Das Mädchen sagte gegenüber der Polizei aus, dass es mindestens einen der Vergewaltiger kennen würde.

Die Polizei muss nun Facebook vorladen, damit das Unternehmen der Polizei sagt, wer das Video angeschaut hat. Die Polizei will die Zuschauer nämlich befragen. Ob Facebook der Polizei bereits Informationen zu der Person bereitgestellt hat, die das Video auf Facebook live gestreamt hat, sagte ein Polizeisprecher nicht. Bis jetzt hat die Polizei noch keine Verdächtigen verhört oder festgenommen (Stand 3.4.2017: Mittlerweile gibt es eine Festnahme).

Unbekannt ist, weshalb keiner der rund 40 Zuschauer die Polizei informierte. Vielleicht spielt hier der so genannte Zuschauereffekt alias Bystander-Effekt eine Rolle. Damit wird das Phänomen beschrieben, dass die Zeugen eines Verbrechens mit nachlassender Wahrscheinlichkeit eingreifen, wenn weitere Zuschauer anwesend sind. Weil sich der einzelne Zeuge zum Beispiel darauf verlässt, dass andere eingreifen.

Ein berühmtes Beispiel in Zusammenhang mit unterlassender Hilfeleistung bei einem Verbrechen ist der Mordfall Kitty Genovese, bei dem insgesamt 38 Personen Zeugen einer Vergewaltigung und eines Mordes wurden. Allerdings sah keine dieser Personen des gesamten Tathergang, sondern jede Personen sah nur einen Teil des Verbrechens, wobei es für die eigentliche Vergewaltigung und den Mord keine direkten Zeugen gab.

Bereits im Januar 2017 wurde via Facebook live eine Vergewaltigung übertragen , damals aus Schweden. Einer der 200 Zuschauer informierte damals die Polizei. Es gibt jedoch auch das Gegenteil: In Oberbayern erfand im Januar 2017 eine Frau eine Vergewaltigung und verbreitete diese Nachricht via Facebook. Diese Fake-News war offensichtlich rassistisch motiviert.





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