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Mechaniker-Fehler: Deutscher Kampfhubschrauber stürzte ab

12.12.2018 | 10:26 Uhr |

Der deutsche Kampfhubschrauber Tiger, der im Juli 2017 in Mali abstürzte und zwei Besatzungsmitglieder in den Tod riss, wurde wohl Opfer eines Mechaniker-Fehlers. Die Software war entgegen erster Vermutungen also nicht fehlerhaft.

Update 12.12.: Mechaniker stellen Rotorsteuerung  falsch ein

Der Absturz eines deutschen Kampfhubschraubers in Mali im Juli 2017 wurde laut Bundesverteidigungsministerium wohl doch nicht durch einen Softwarefehler verursacht. Das berichtet Reuters. Demnach haben Mechaniker des Herstellers Airbus Helicopters, die für die Wartung der Tiger-Kampfhubschrauber zuständig sind, einen verhängnisvollen Fehler gemacht, als sie die Rotorsteuerung neu justierten und eben falsch einstellten. Das passierte am Heimatstandort der Heeresflieger im hessischen Fritzlar nach einer Reparatur und zwar bereits im Mai 2016. Doch erst im Juli 2017 führte diese falsche Einstellung zu dem tödlichen Unfall.

Es gab also keinen technischen Defekt wie eine falsch programmierte Software und auch kein Materialversagen, sondern Mechaniker stellten eben bestimmte Parameter falsch ein. Reuters schreibt: „Die Flugsteuerung, die die Bewegungen des Steuerknüppels auf die Rotoren überträgt, sei falsch eingestellt gewesen…Konkret seien die Anschlagspunkte verschoben gewesen, was zu einem kritischen Zeitpunkt die ungewollte Abschaltung des Autopiloten und damit den Absturz ausgelöst habe.“

Spiegel online schreibt ergänzend unter Berufung auf Recherchen der Bundeswehr, dass „die Airbus-Techniker die vorgegebene Ausbildung noch nicht abgeschlossen hatten und nicht über die erforderliche Qualifikation zur Durchführung bzw. der Abnahme der Einstellarbeiten an der Hauptrotor-Steuerung verfügten". Update Ende

Im Juli 2017 stürzte ein Tiger-Kampfhubschrauber der Bundeswehr in Mali ab. Die beiden Besatzungsmitglieder – Pilot und Bordschütze - kamen dabei ums Leben, der Tiger brannte aus. Der Pilot setzte keinen Notruf mehr ab. Die Bundeswehr setzte daraufhin den Flugbetrieb der Tiger-Kampfhubschrauber für knapp zwei Monate aus. Mittlerweile dürfen die Tiger wieder fliegen, allerdings nur mit Einschränkungen bei der Geschwindigkeit und bei der Verwendung des Autopiloten.

Ein Schreiben des Parlamentarischen Staatssekretärs Markus Grübel an den Verteidigungsausschuss, zitiert aus dem Augengeradeaus , ein Blog rund um Bundeswehr, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik, rückt nun die Software des Autopiloten in den Fokus der Ursachenforschung für den Absturz. Materialversagen oder ein Abschuss sollen demnach als Absturzursachen ausscheiden.

Stattdessen scheint es so zu sein, dass der Autopilot eine falsche Einstellung für die Längssteuerung des Tigers vorgenommen hat: „Dadurch wurde am Unfall-Luftfahrzeug der maximale und normalerweise verfügbare Steuerweg in der Nickachse nach vorne erheblich eingeschränkt, wodurch der Autopilot an seine Steuergrenze gelangte und sich entsprechend der bestehenden Systemauslegung in dieser Achse abschaltete“, zitiert Augengeradeaus aus dem Schreiben. Der Autopilot warnte den Piloten, der laut Bundeswehr sehr erfahren war, aber nicht davor, dass er sich abschaltete. Stattdessen ging der Kampfhubschrauber „innerhalb von drei Sekunden in einen unkontrollierten steilen Sturzflug“, bei dem er sogar ein Rotorblatt verlor. Die Besatzung wurde von dem Sturzflug ohne Autopilot überrascht; sie war durch die „hohen negativen Beschleunigungswerte“ vermutlich auch körperlich beeinträchtigt und konnte nicht mehr reagieren: Der Hubschrauber rammte sich mit rund 250 km/h frontal in den Boden Malis.

Bisher konnte die Bundeswehr dieses Problem mit der Längssteuerung des Autopiloten bei keinem anderen Tiger feststellen. Deshalb vermuten Experten ein Software-Problem bei dem abgestürzten Tiger. Allerdings stellt sich nun die Frage, wer die Software des Autopiloten des abgestürzten Tigers so eingestellt hatte wie es anscheinend der Fall war. In Frage kommen zum Beispiel der Hersteller Airbus und das Wartungspersonal der Bundeswehr.

Offiziell geklärt ist die Absturzursache bis jetzt aber noch nicht.

Die Bundeswehr nimmt in Mali an der UN-Mission MINUSMA teil. Vier Tiger der Bundeswehr waren in Mali ursprünglich im Einsatz, es fliegen immer zwei zusammen einen Einsatz. Die Tiger fliegen Aufklärungsmissionen und gegebenenfalls Kampfeinsätze – für letzteres wurden sie eigentlich gebaut, vor allem zur Panzerbekämpfung.

Die Bundeswehr hat ohnehin große Probleme mit der Einsatzbereitschaft des Tigers, der offiziell nicht als Kampfhubschrauber, sondern als „Unterstützungs-Hubschrauber“ (UH)  bezeichnet wird. Faktisch ist der Tiger aber ein Kampfhubschrauber. Von den 52 Tigern der Bundeswehr sind nur 12 Tiger einsatzbereit. Zudem fehlt es an erfahrenen Piloten für die Ausbildung neuer Besatzungen.


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