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USK: Hakenkreuze in Spielen künftig möglich

09.08.2018 | 12:14 Uhr |

Die USK hat das grundsätzliche Verbot von Hakenkreuzen & Co. in Spielen aufgehoben. Die "Sozialadäquanz" wird künftig bewertet.

Spiele, die in Deutschland auf den Markt kommen, durften bisher keine Hakenkreuze oder andere Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen tragen. Entsprechend aufwendig mussten Entwickler bisher ihre Spiele für den deutschen Markt anpassen. Das könnte sich nun ändern: Die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) teilt am Mittwoch mit, dass sie künftig bei Altersfreigaben von Spielen die Sozialadäquanz berücksichtige. "Die Änderung wurde durch eine veränderte Rechtsauffassung der zuständigen Obersten Landesjugendbehörde möglich, die den aktuellen rechtlichen Bewertungen Rechnung trägt", erklärt die USK.

Bisher verweigerte die USK grundsätzlich allen Spielen eine Überprüfung, wenn diese Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen enthielten. "Ab sofort kann die Sozialadäquanzklausel des § 86a Abs. 3 des Strafgesetzbuches (StGB) durch die USK-Gremien bei der Prüfung von Computerspielen mit einbezogen werden", heißt es in der Mitteilung der USK.

In Paragraph 86a Abs. 3 heißt es im Gesetzestext zur Sozialadäquanz konkret: "Absatz 1 gilt nicht, wenn das Propagandamittel oder die Handlung der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient."

Ein Computer- oder Videospiel, in welchem beispielsweise Hakenkreuze vorkommen, kann künftig also von der USK dennoch eine Altersfreigabe erhalten, wenn es von den USK-Gremien als "sozialadäquat" beurteilt wird. Sozialadäquat bedeutet, dass die Symbole verfassungsfeindlicher Organisationen dann in einem Spiel verwendet werden können, wenn dies der Kunst oder der Wissenschaft, der Darstellung von Vorgängen des Zeitgeschehens oder der Geschichte dient. Eine ähnliche Regelung, die schon immer für beispielsweise Kinofilme oder Kunstwerke galt.

"Durch die Änderung der Rechtsauffassung können Spiele, die das Zeitgeschehen kritisch aufarbeiten, erstmals mit einem USK-Alterskennzeichen versehen werden", erklärt Elisabeth Secker, Geschäftsführerin der USK. Nachdem dies bei Filmen schon lange der Fall gewesen sei, sei dies "im Hinblick auf die Kunstfreiheit richtiger jetzt auch bei Computer- und Videospielen" möglich. Secker fügt hinzu: "Die Gremien der USK werden auch diese Aufgabe mit großer Sorgfalt, Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein wahrnehmen."

Auch Wolfgang Hußmann, Vorsitzender des Beirats der USK und Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, begrüßt die Änderung. "Das Zusammenwachsen der Mediensysteme macht es erforderlich, dass der Jugendmedienschutz nach vergleichbaren Regeln gewährleistet wird. Es ist eine richtige Entscheidung, dass die USK nun auch solche Inhalte in der Prüfung berücksichtigen kann, bei denen im Einzelfall die Sozialadäquanz abzuwägen ist", so Hußmann.

Sozialadäquanz ist kein Freifahrtschein!

Die USK betont allerdings, dass weiterhin das grundsätzliche Verbot von Kennzeichen gemäß §86a des Strafgesetzbuches gelte. Daher verlange eine Entscheidung über eine Altersfreigabe für ein Spiel weiterhin immer die Prüfung im Einzelfall und stelle keine generelle Ausnahme dar. Für Entwickler von Spielen steht ein aktualisierter Prüfungsantrag bereit.

Das heißt auch, dass nun künftig nicht einfach vermehrt Spiele mit Hakenkreuzen und ähnlichen Symbolen auf den Markt kommen. Die USK erklärt sich lediglich bereit, diese Spiele - anders als bisher - dennoch zu überprüfen und kann ihnen die Kennzeichnung verweigern, wenn sie zum Schluss kommt, dass der Inhalt des Spiels die Sozialadäquanzklausel nicht erfüllt. Verweigert die USK eine Kennzeichnung, dann wird ein Spiel auch weiterhin nicht in Deutschland in der Form erscheinen und verbreitet werden dürfen. Händler und Marktplätze (Steam, Microsoft, Playstation, etc) bieten nur Spiele mit einer USK-Kennzeichnung an. Die Entwickler können dann immer noch die Entscheidung anfechten

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