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USA testen tödliche Railguns für Panzer, Artillerie und Luftabwehr

26.04.2018 | 11:26 Uhr |

Die US Army verstärkt ihre Forschungen an Railguns als Kriegswaffe der Zukunft. Für weit reichende Artillerie, zur kostengünstigen Luftabwehr und wohl auch zum Einsatz in Panzern.

Die US-Armee treibt ihr Forschungen an der Entwicklung einer tödlichen und besonders durchschlagsfähigen Waffe trotz Bedenken und Zweifel an deren Effektivität energisch voran. Die Rede ist von Railguns .

Als Railgun bezeichnet man eine Waffe, die mit Hilfe von elektromagnetischen Wellen und des dadurch erzeugten Magnetfeldes ein Projektil entlang zweier parallel laufender Schienen massiv beschleunigt – auf ein Vielfaches der Schallgeschwindigkeit. Vereinfacht gesagt ersetzt Strom hier die sonst übliche Treibladung einer Rakete oder eines sonstigen Geschosses. Die US-Armee kalkuliert mit Geschwindigkeiten von Mach 5 für die von einer Railgun abgefeuerten Geschosse - also mit fünffacher Schallgeschwindigkeit.

Die US Army hat kürzlich das US-Unternehmen General Atomics damit beauftragt eine Railgun für das Heer zu entwickeln. Die Army ist damit die zweite Teilstreitkraft der US-Streitkräfte, die Railguns erprobt. Denn die US Navy, also die Marine der Vereinigten Staaten, testet diese neue Waffentechnologie bereits für den Einsatz auf Schiffen. Dabei hat die Marine zwei große Vorteile: Auf Kriegsschiffen ist der benötigte Platz für den Einbau einer Railgun vorhanden. Und die Motoren des Schiffes können auch den benötigten Strom mit ausreichender Leistung liefern. Beim Heer sieht das alles ganz anders aus: Hier müssten die Railguns in vergleichsweise kleine Fahrzeuge eingebaut werden und von deutlich schwächeren Motoren mit Strom versorgt werden. Genau das ist die Nuss, die General Atomics jetzt knacken muss. Ebenfalls ein wichtiger Aspekt ist der Rohrverschleiß: Die Railguns müssen so konstruiert sein, dass ihr Rohr über 1000 Schüsse aushält, bevor es verschlissen ist.

Aufgrund ihrer enormen Geschwindigkeit können die Railgun-Geschoße über größere Entfernungen als konventionell abgefeuerte Munition – beispielsweise aus Panzern – stärkere Panzerungen durchschlagen. Damit würden Railguns eine wichtige Rolle beim Knacken von Bunkern und von Kampfpanzern bereits aus großer Entfernung spielen. Mit einer Railgun ausgestattete Panzer könnten also Feindpanzer bereits bekämpfen, wenn sie selbst noch außerhalb der Feuer-Reichweite der Feindpanzer sind.
Moderne Panzer haben neben ihrer eigenen Panzerung – die meist aus mehreren Schichten unterschiedlichen Materials besteht, beispielsweise die britische Chobham-Panzerung oder Schottpanzerung – mitunter auch noch eine Reaktivpanzerung, die mit einer Gegenexplosion das anfliegende Projektil zerstören soll. Die Erwartung der US-Experten ist, dass ein Railgungeschoss das alles durchschlägt und damit den feindlichen Panzer vernichtet. Inwieweit Railguns auch die ganz neuen Hard-Kill-Abwehrsysteme überwinden können, muss sich aber erst noch zeigen.

Neben dem Einsatz in Gefechtsfahrzeugen wie Panzern will die US-Armee Railguns aber auch für die Artillerie erproben. Hierbei würde zumindest das Platzproblem, wie es bei Railguns in Panzern auftritt, entfallen. Solche Artillerie-Railguns könnte man auch auf LKWs montieren.

Ein weiterer denkbarer Einsatzzweck könnten Railguns zur Luftabwehr beziehungsweise zur Abwehr von anfliegenden Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen sein. Diese Luftabwehr wird derzeit mit teuren Raketen realisiert. Railgun-Projektile kosten aber deutlich weniger als Luftabwehrraketen, Railguns würden in diesem Bereich also die Kosten senken.

Die US Army hat die Erprobungsphase auf drei Jahre angelegt. General Atomics soll mehrere Prototypen produzieren und testen, ob und wie diese in Armee-Fahrzeuge passen. Außerdem wird natürlich die Durchschlagskraft der Projektive genauer unter die Lupe genommen. General Atomics arbeitet seit den 1990ern an der Railgun-Technologie. Der vorhandene Prototyp (für mittlere Reichweite) feuert über eine Entfernung von über 95 Kilometer. Das soll mit 20 Schuss pro Minute möglich sein, so die Hoffnung der Experten. Der aktuell existierende Prototyp eignet sich laut General Atomics für indirektes Feuern, also für die Artillerie. Doch wenn die US Army das will, werde man auch Prototypen für direktes Feuern entwickeln, so General Atomics. Also für Panzer.

Die USA gehen zudem davon aus, dass auch China an Railguns forscht. Die Amerikaner haben offensichtlich Fotos von einem chinesischen Schiff, auf dem eine Railgun montiert sein könnte. Ob und wie diese Waffe tatsächlich funktioniert, können die US-Experten aber nicht einschätzen.

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