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US-Forscher kämpfen mit Drohnen gegen tödliche Minen

18.12.2018 | 14:12 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

US-Forscher wollen Minen, die Menschen und oft besonders Kinder grauenvoll verstümmeln oder töten, mit Flugdrohnen aufspüren, an denen Infrarotkameras befestigt sind.

US-Forscher wollen in Afghanistan Minen mit Flugdrohnen aufspüren, an denen Infrarotkameras befestigt sind. Das berichtet Spiegel Online.

Konkret geht es um vergleichsweise kleine Minen, die vor allem aus Kunststoff gefertigt sind und Sprengstoff enthalten. Diese Minen werden in der Regel von Flugzeugen aus abgeworfen oder durch Artilleriegeschütze verschossen und liegen dann weit verstreut über dem Abwurfgebiet verteilt. Anders als konventionelle Minen kann man diese Anti-Personen-Minen meist nicht mit einem Minensuchgerät aufspüren, weil sie zu wenig oder gar kein Metall enthalten. Aufgrund ihrer geringen Größe und ihres Tarnanstrichs sind sie zudem schlecht mit dem Auge zu entdecken, obwohl sie anders als klassische Anti-Personen- und Anti-Panzer-Minen nicht im Boden vergraben werden. Wegen ihrer an Schmetterlinge erinnernden Form spielen oft Kinder mit ihnen – und werden durch die Explosion entsetzlich verstümmelt.

Die in Afghanistan heute noch oft herumliegenden „Schmetterlingsminen“ (der Name rührt von der Form der Minen her, die aerodynamisch geformt sind) vom Typ PFM-1 wurden zwischen 1979 und 1989 von der Roten Armee verstreut. Aber auch die USA verwendeten diesen menschenverachtenden Waffentyp, und zwar in Vietnam. Die Minen zünden, wenn sie durch ein vorgegebenes Gewicht belastet (mindestens fünf Kilogramm) oder geschüttelt werden. Eine deutschsprachige Beschreibung dieses Minen-Typs finden Sie hier. Die sowjetische PFM-1 oder die US-amerikanische BLU-43/B dienen in erster Linie zum Verstümmeln ihrer Opfer, denn für das Töten reicht oft die Menge des Sprengstoffs (37 Gramm) nicht.

Die US-Forscher wollen diese Minen nun aufspüren, indem sie Flugdrohnen fliegen lassen, an denen Infrarotkameras befestigt sind. Die Minen erwärmen sich nämlich schneller als der Boden, auf dem sie liegen – somit kann sie eine Drohne mit Infrarotkamera am Morgen leichter aufspüren. Und am Abend ist die Entdeckung per Drohne und Infrarotkamera ebenfalls möglich, weil der Boden schneller abkühlt als die Minen. In Afghanistan mit seiner dünnen Vegetation könnte diese Methode klappen – das müssen jedoch die Tests erst noch zeigen. In Ländern mit dichter Vegetation wie Vietnam können die Drohnen mit den Kameras aber die meist dicht überwucherten Minen kaum entdecken.

Wenn die Drohnen die Minen ausgemacht haben, können professionelle Minen-Räumer sie entschärfen. Das Identifizieren der Minen auf den von der Drohne erstellten Bildern erfolgt derzeit noch durch Menschen, doch künftig soll das ein Algorithmus erledigen.

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