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Urteil über Einsatz von Keyloggern am Arbeitsplatz

28.07.2017 | 15:53 Uhr |

Der Einsatz von Keyloggern am Arbeitsplatz ist nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.

Laut einem aktuellen Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) dürfen Keylogger und Screenshot-Tools von Arbeitgebern nur unter bestimmten Voraussetzungen eingesetzt werden. Zulässig ist die Mitarbeiter-Überwachung nur, „wenn ein auf den Arbeitnehmer bezogener, durch konkrete Tatsachen begründeter Verdacht einer Straftat oder einer anderen schwerwiegenden Pflichtverletzung besteht.“ (Aktenzeichen 2 AZR 681/16)

Dem aktuellen Urteil liegt der Fall eines Webentwicklers zugrunde. Dessen Arbeitgeber kündigte im April 2015 an, den gesamten Internet-Traffic und die Systemnutzung der Mitarbeiter überwachen und mitloggen zu wollen. Das Unternehmen installierte auch auf dem PC des Klägers einen Keylogger und speicherte regelmäßig Screenshots von seinem Desktop ab. Bei der Auswertung fiel auf, dass der Webentwickler in seinen Pausen ein eigenes PC-Spiel programmiert und den E-Mail-Verkehr für die Firma seines Vaters abgewickelt habe.

Der Arbeitgeber des Webentwicklers war aufgrund der Auswertungsdaten der Auffassung, dass der Mitarbeiter am Arbeitsplatz „Privattätigkeiten in erheblichem Umfang“ vorgenommen habe. Die Folge: eine außerordentliche fristlose Kündigung. Der Webentwickler klagte daraufhin gegen seinen Arbeitgeber – und bekam vom Bundesarbeitsgericht recht.

Das BAG urteilte, dass der Arbeitgeber mit seinen Überwachungstools die informelle Selbstbestimmung seines Angestellten verletzt habe. Zum Zeitpunkt der Installation von Keylogger und Screenshot-Tool habe es für den Arbeitgeber keinen Verdacht auf schwerwiegende Pflichtverletzungen oder eine Straftat gegeben. Laut dem Gericht rechtfertige die private PC-Nutzung des Klägers keine Kündigung, da es für diese im Vorfeld keine Abmahnung gegeben habe. 

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