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Unter Linux einfach Windows-Daten bearbeiten

30.05.2017 | 15:01 Uhr |

Der Umstieg auf ein Linux-System ist einfach. Doch wie steht es um die gewohnte Software und um die eigenen Benutzerdateien und Medien? Dieser Beitrag fasst zusammen, was sorgenfrei funktioniert und wo Hindernisse auftreten können.

Mit einem Desktop-Linux wie Ubuntu und Linux Mint sind Sie nach dem Setup mit der vorinstallierten Software für alle wesentlichen Aufgaben gerüstet. Es gibt für die ganze multifunktionale Einsatzbreite eines PCs oder Notebooks einfache, gute bis exzellente Software. Schlanke Distributionen nehmen hingegen manche Lücke in Kauf und müssen zum Teil deutlich aufgerüstet werden.

Softwareausstattung vervollständigen

Die Installation von Software bedeutet für Windows-Umsteiger eine große Umstellung, denn die Software kommt primär aus den Paketquellen der Distribution (etwa Ubuntu oder Mint). Das ist ein Sicherheitsvorteil gegenüber den Setupprogrammen aus beliebiger Quelle wie unter Windows, bedeutet aber auch eine gewisse Einschränkung: Der Nutzer ist darauf angewiesen, was die Distribution anbietet.

Komfortable Anlaufstelle ist das „Ubuntu Software Center“ beziehungsweise die „Anwendungsverwaltung“ (Linux Mint). Hier finden Sie eine große Auswahl kostenloser wie kommerzieller Programme. Wer weiß, was er will, nutzt das Suchfeld, um den Namen des Programms einzugeben. Die Treffer lassen sich dann mit „Installieren“ in das System holen.

Deinstallieren: Installierte Software kann an dieser Stelle auch mit „Entfernen“ deinstalliert werden. Dabei sollten Sie immer sorgfältig auf eventuelle Hinweise „[…] müssen folgende Pakete ebenfalls entfernt werden“ achten. Dabei handelt es sich um abhängige Komponenten. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie diese abhängigen Komponenten noch brauchen, sollten Sie immer „Abbrechen“.

apt-Befehle im Terminal funktionieren sie unter jeder Debian/Ubuntu-Variante.
Vergrößern apt-Befehle im Terminal funktionieren sie unter jeder Debian/Ubuntu-Variante.

Installieren mit apt: Wer weiß, was er will, installiert im Terminal meist noch einfacher: Das Kommando

sudo apt-get install vlc

installiert auf allen Debian-basierten Systemen (wie Ubuntu und Mint) den VLC-Mediaplayer.

Vorangestelltes sudo verschafft die notwendigen Rechte. Die Nutzung von apt im Terminal wird dadurch vereinfacht, dass Sie den Paketnamen (hier „vlc“) nicht unbedingt wissen müssen. Der apt-Befehl apt-cache search hilft bei der Suche eines Paketnamens:

apt-cache search chrome

Hier erfahren Sie etwa, dass der Paketname für den Google-Browser „google-chrome-stable“ und für dessen Open-Source-Klon Chromium „chromium-browser“ lautet. Ebenso können Sie thematisch filtern und sich etwa mit

apt-cache search dateimanager

alternative Dateimanager auflisten lassen. Die Installation erfolgt dann wieder mit apt und dem ermittelten Paketnamen:

sudo apt-get install google-chrome-stable

Abseits von den Paketquellen der Distribution gibt es im Web auch Linux-Installationspakete zum Download. Nach dem Download und dem Doppelklick darauf fragt das System, mit welchem Programm es geöffnet werden soll. Standardmäßig ist es der Paketmanager des Systems, unter Ubuntu das Ubuntu Software Center. Ein Klick öffnet dieses und bietet die Installation an. Das ist Linux-untypisch und klingt nach Windows. Achten Sie hier darauf, nur aus absolut seriösen Quellen zu installieren.

Unter Ubuntu genügt oft schon die Standardsoftware zum Abspielen aller gängigen Medien.
Vergrößern Unter Ubuntu genügt oft schon die Standardsoftware zum Abspielen aller gängigen Medien.

Multimedia-Dateien unter Linux

Bildformate, Musikformate und Videos sind plattformübergreifend und verursachen keine Probleme beim Umzug von Windows nach Linux.

Bildformate: Vorinstallierte Bild-Viewer wie eog (Eye of Gnome, „Bildbetrachter“) oder gthumb kennen alle gängigen Formate. Diese Viewer genügen für Alltagsansprüche mit Thumbnailübersicht, Diashow und einfachen Darstellungsfunktionen wie Drehen der Bilder. Zusätzliche Funktionen und eine Bildverwaltung bietet Shotwell (so auch der Paketname), das unter Ubuntu zum Standard gehört. Anspruchsvolle Bildbearbeitung leistet Gimp, das alle verbreiteten Bildformate beherrscht, auch PSD-Photoshop oder Postscript (PS und EPS).

Bei Pixelgrafiken wie JPG-oder PNG-Fotos sind generell keine Probleme zu erwarten. Bei proprietären Formaten von Adobe Photoshop, Adobe Illustrator, Corel Draw ist hingegen unter Linux mit Gimp und Inkscape mit Fehlern zu rechnen.

Musikformate: Ob MP3, WMA, Flac, AAC, WAV oder OGG – die Standardplayer der einzelnen Distributionen spielen alles ab. Die Frage ist daher eher, ob der Umfang des Standardplayers genügt.

Ein Multitalent ist Banshee (Produktname und Paketname), der alle Audioformate abspielt, eine Medienverwaltung mitbringt und CDs rippen kann. Der Alleskönner integriert auch Podcasts und Internetradiosender. Wer gleichzeitig Windows nutzt, kann den plattform-übergreifenden Player auch dort verwenden.

Videos und DVDs: Wo immer Videos und Filme genutzt werden und die Allzweckwaffe VLC nicht vorinstalliert ist, sollten Sie dies mit sudo apt-get install vlc nachholen. Kein anderer Player besitzt dessen Funktionsumfang. Mit aktiviertem libdvdread4 spielt der VLC auch DVDs ab. Diese DVD-Komponente laden Sie mit folgendem Befehl nach:

sudo apt-get install libdvdread4

Danach gehen Sie im Terminal mit cd zum Programmverzeichnis

cd /usr/share/doc/libdvdread4/

und starten abschließend mit

sudo sh install-css.sh

das Install-Script.

Office-Dateien, PDF und Archive

Das auf größeren Distributionen standardmäßig installierte Libre Office (Paketname „libreoffice“) lädt und bearbeitet mit Ausnahme von Access-Datenbanken alle Dateien von Microsoft Office (97 bis 2016). Hundertprozentige Kompatibilität ist aber nicht erreichbar. Jüngeres Word und Excel bieten einige Formatfunktionen und Diagrammtypen, die Libre Office nicht kennt. Korrigierbare kleinere Probleme gibt es bei Tabellen und Bildern, ferner bei Inhaltsverzeichnissen in der Textverarbeitung. Pivot-Tabellen in der Tabellenkalkulation und neuere Videofunktionen von Powerpoint sind ebenfalls nicht voll kompatibel. Bei nur lesender Nutzung sind diese kleinen Inkompatibilitäten kein Problem, bei der Weiterbearbeitung müssen Sie aber nachbessern.

Libre Office kann am besten mit den älteren Microsoft-Binärformaten doc, xls und ppt umgehen. Diese Formate bieten sich als Austauschformate an, wenn sich der Austausch über das neue OOXML-Format als unbefriedigend erweist. Um die Kompatibilität zu erhöhen, gibt es in Libre Office unter „Extras -> Optionen“ eine Reihe von Einstellungen: Standardmäßig sollten alle Optionen unter „Laden/Speichern -> Microsoft Office“ aktiviert sein. Ferner finden Sie noch den Punkt „LibreOffice Writer -> Kompatibilität“: Die hier angebotenen Optionen eignen sich zum Experimentieren, wenn der Austausch von Texten Probleme verursacht.

RTF, Text, PDF, Epub: Während für RTF-Formate erneut Libre Office (Writer) zuständig ist, lesen Sie puren Text mit dem Editor Gedit. Für PDF-Dateien ist in vielen Distributionen der „Dokument-Betrachter“ Evince zuständig. Für PDF und manches Textformat eignet sich aber auch ein Browser wie Firefox oder Chrome. Für das elektronische Buchformat Epub ist kein Standardprogramm installiert: Die große Lösung ist die Installation von Calibre, für gelegentliches Lesen reichen Erweiterungen für Firefox oder Chrome.

ZIP, RAR, CAB: Für gepackte Archive aller Art gibt es die „Archivverwaltung“. Der Programm-und Paketname lautet „file-roller“. Das Tool beherrscht Linux-typische Archive wie TAR und GZ ebenso wie die unter Windows verbreiteten Formate ZIP, 7Z und RAR und kann darüber hinaus auch mit ISO-Images und Windows-CAB-Dateien umgehen.

Die Synchronisierung in Chrome & Firefox sorgt für plattformübergreifende Vereinheitlichung.
Vergrößern Die Synchronisierung in Chrome & Firefox sorgt für plattformübergreifende Vereinheitlichung.

Kontinuität im Browser

Firefox und Chrome sind unter Windows und Linux praktisch funktionsgleich. Über die eingebaute Synchronisierung ist es zudem einfach, die Browsereinstellungen, Kennwörter, Themes und Lesezeichen automatisch von Windows nach Linux zu übernehmen. Voraussetzung ist nur, dass Sie zunächst unter Windows die Browsersynchronisierung aktivieren und dies unter Linux mit demselben Browser wiederholen.

Google Chrome und Chromium: Sie brauchen ein Google-Konto. Über das Menü „Einstellungen“ oder die Adresse „chrome://settings/“ können Sie sich „In Chrome anmelden“ und dann den Umfang der Synchronisierung bestimmen. Danach erhält jeder Browser Chrome/Chromium, den Sie unter Windows oder Linux auf diese Weise einstellen, dieselben Lesezeichen, Erweiterungen, Designs.

Firefox bietet die Synchronisierung unter „Firefox -> Einstellungen -> Sync“. Sie benötigen ein Konto auf dem Mozilla-Server und wählen daher „Firefox-Sync einrichten“, anschließend „Neues Benutzerkonto anlegen“. Beim Firefox am Linux-Rechner wählen Sie unter „Einstellungen -> Sync -> Firefox-Sync einrichten“ die Optionen „Ich habe ein Benutzerkonto“ und „Ich habe das Gerät nicht bei mir“. Dann geben Sie die Firefox-Sync-Kontodaten ein.

Lese-Tipp: Die besten Browser-Plugins für Firefox, Chrome & Co.

Kontinuität beim Mailprogramm

Sofern Sie Ihre Mails im Browser erledigen, ist keine Umstellung erforderlich. Nicht viel anders liegt der Fall, wenn Sie zwar eine lokale Mailsoftware, dort aber statt POP3 das IMAP-Protokoll verwenden. Dann liegen alle Mails auf dem Server und es genügt im Linux-Mailprogramm das Einrichten des Mailkontos.

Recht einfach gestaltet sich der Umzug auch, wenn Sie unter Windows Thunderbird nutzen. Thunderbird trennt konsequent zwischen Programm-und Benutzerdaten. Letztere befinden sich unter Windows im Ordner „%appdata%\Thunderbird\Profiles\[xxxxxxxx].default“, wobei das „xxxxxxxx“ für eine zufällig generierte Zeichenkombination steht. Wenn Sie alle Daten dieses Ordners kopieren und unter Linux im Home-Ordner unter „~/.thunderbird/[ xxxxxxxx].default/“ einfügen, können Sie sofort mit allen Mails und Einstellungen weiterarbeiten. Vor der Aktion muss Thunderbird unter Linux installiert werden und mindestens einmal gelaufen sein, damit der Ordner „~/.thunderbird/[xxxxxxxx].default/“ existiert. Löschen Sie dann vor der Kopieraktion alle Dateien, die Thunderbird automatisch erstellt hat.

Thunderbird kann auch aushelfen, um die Daten zunächst aus Microsoft Outlook zu importieren. Diese Option bietet das Mailprogramm beim Setup automatisch an. Danach können Sie das Thunderbird-Profil – wie oben beschrieben – nach Linux transportieren.

Über „Öffnen mit“ weisen Sie einem Dateiformat das gewünschte Anzeige- oder Bearbeitungsprogramm zu.
Vergrößern Über „Öffnen mit“ weisen Sie einem Dateiformat das gewünschte Anzeige- oder Bearbeitungsprogramm zu.

Programmzuordnungen

Welches Standardprogramm für welchen Dateityp zuständig ist, lässt sich unter Linux genauso festlegen wie unter Windows. Der Weg führt in die „Systemeinstellungen“: In Linux Mint finden Sie dort den Punkt „Anwendungen und Wechseldatenträger“. In Ubuntu ist der Punkt etwas verirrt unter „Systemeinstellungen -> Informationen -> Vorgabeanwendungen“. Wie Sie dort feststellen werden, führt das allerdings nicht in die Tiefe: Hier lassen sich nur einige Standards wie Browser, Mailprogramm oder Bildbetrachter definieren.

Genauere Zuweisungen erledigen Sie mit dem Dateimanager und direkt mit dem jeweiligen Dateityp: Unter Linux Mint ist das erneut logischer gelöst. Wenn Sie nach Rechtsklick „Öffnen mit -> Andere Anwendung“ wählen, erhalten Sie unter dem Auswahlfenster der vorhandenen Programme die Schaltfläche „Als Standard festlegen“. Unter Ubuntu ist „Öffnen mit -> Andere Anwendung“ hingegen nur eine temporäre Angelegenheit. Für eine dauerhafte Zuweisung müssen Sie das Kontextmenü „Eigenschaften -> Öffnen mit“ verwenden. Hier gibt es dann den Punkt „Als Vorgabe festlegen“.

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