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"Unforeseen Incidents": Gelungenes Verschwörungs-Adventure

03.07.2018 | 12:37 Uhr |

"Unforeseen Incidents", zu Deutsch: Unvorhergesehene Ereignisse, ist ein spannendes und packend erzähltes Adventure der alten Schule mit neuen Inhalten.

Über das Spiel hatten wir im Vorfeld schon mehrfach berichtet – das Adventure vom (deutschen) Entwickler Backwoods Entertainment und im Vertrieb von Application Systems Heidelberg ist inspiriert von Serien wie "Lost" oder "X-Files" (”Akte X”) und dreht sich um eine gefährliche Epidemie, hinter der offenbar ein geldgieriger Konzern und eine machthungrige Senatorin stehen. Für diese gilt es, jede Menge Informationen und Vorkommnisse aus der Vergangenheit, aber auch das aktuelle Geschehen mit dem Virusausbruch in der Kleinstadt Yelltown  zu vertuschen. Und den wahren Motiven auf die Spur zu kommen…

Held wider Willen

Hier kommt unser zunächst unfreiwilliger Yelltown-Held Harper Pendrell ins Spiel, ein Selfmade-Techniker und Handwerker, der sich mit der tödlichen Krankheit wie auch der konspirativen Verschwörung in seinem Heimatort konfrontiert sieht. Doch natürlich greift die Geschichte weit um sich, sodass wir an unterschiedlichen Schauplätzen von eisig bis sonnig in der mit Hand gezeichneten Welt im 2D-Adventure-Stil unterwegs sind. Wie vom Anbieter versprochen, sind die Hintergründe, Objekte und Personen liebevoll gestaltet, es macht richtig Spaß, hinzusehen, wenn man kein krachendes 3D-Grafikspektakel erwartet. Die Animationen der laufenden Figuren wirken leider etwas holprig und schlicht, ansonsten gibt es wenig Grund, sich zu beklagen.

Auch die Dialoge sind gekonnt, manchmal vielleicht einen Hauch zu ausführlich, aber da man Sprechblasen sieht, kann man schneller lesen als hören und sie zur Not flott wegklicken, ohne etwas zu versäumen. Die deutsche Vertonung ist ebenfalls sehr gelungen, dennoch haben wir meistens die noch etwas ”coolere” englische Sprachausgabe bevorzugt. Und die Musik schließlich ist angemessen spannend und untermalt das Geschehen so unaufdringlich wie ausgezeichnet.

"Unforeseen Incidents": Inventar und Minispiele

Wie in einem klassischen Adventure gibt es auch hier ein Inventar, das sich am oberen Bildrand einblenden lässt. Darunter findet sich die meiste Zeit auch eine Karte für die verschiedenen Locations in den insgesamt vier Kapiteln, mit der man schnell das Szenario wechseln kann. Praktisch ist auch, dass auf Druck der Leertaste die Hotspots eingeblendet werden, sonst würde man wichtige Spielobjekte oder interaktive Felder leicht verpassen.

Die Dialoge sind nicht nur atmosphärisch wichtig, sondern bieten oft auch entscheidende Hinweise zu Hintergründen und um das Spielgeschehen weiter zu bringen. Auch die Objekte im Inventar muss man an passender Stelle oder in Kombination mit den richtigen Personen einsetzen, damit sie ihre Wirkung erzielen. Nicht immer ist sofort deutlich, wie der nächste Schritt aussieht oder was man mit den Objekten tun soll, so muss man gelegentlich um die Ecke denken oder einfach ausprobieren, auch das typisch für eine gut aufgebautes Abenteuerspiel.

Auch was zum ”Hacken”

Sogar an Hacker-Fans ist gedacht, zwischen den Kapiteln findet immer ein Minispiel statt, bei dem man auf dem Monitor Nodes (als Ordner dargestellt) durch Verbindungslinien ausschalten muss, dann erscheint auf den ”gehackten” Ordnern ein Totenkopfsymbol und man betritt das nächste Szenario. Dazu kommen wenige Situationen, in denen man auch mal flott handeln muss. Doch in der Regel hat man alle Zeit der Welt, um Situation und Inventar zu betrachten, die Dialoge zu führen und die richtigen Schlüsse zur Rätsellösung zu ziehen. Und damit hat man jede Menge Spielspaß, der mit aller Tüftelei deutlich über 10 Stunden liegt.

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

"Unforeseen Incidents" gibt es sowohl für Mac als auch Windows und Linux. Die Systemvoraussetzungen sind relativ niedrig, so konnten wir auch auf unserem Mac Mini problemlos starten und spielen. Genauer genommen werden mindestens macOS 10.9, Windows 7 oder Linux ab Ubuntu 12.04 vorausgesetzt. Mehrere Sprachen, darunter Deutsch und Englisch, finden Unterstützung, sowohl für die Sprachausgabe als auch die Sprechblasen. Bei diesen kann man übrigens recht schick verschiedene Schriften einstellen. Der reguläre Preis liegt bei 20 Euro.

Ebenfalls erhältlich ist " Unforeseen Incidents" bei Steam mit Steam Achievements und Trading-Cards, DRM-frei bei GoG.com mit Galaxy-Support, im HumbleStore, Mac App Store und bei anderen Anbietern.

Fazit und Empfehlung

"Unforeseen Incidents" ist eine ganz klare Empfehlung für Freunde des gepflegten klassischen Point-and-Click-Adventures. Die Rätsel fordern, sind aber lösbar. Man dürfte in der Regel damit viele Stunden zu tun haben. Die Geschichte ist spannend und mit all den Hintergründen und Verästelungen unkonventionell. Auch die Grafik macht im Rahmen dieses Ambientes einfach Spaß. Und bei dem Preis kann man angesichts des Spielumfangs nicht meckern... Eigentlich hat "Unforeseen Incidents" keinen echten Wiederspielwert, wenn man aller Rätsel Lösungen kennt. Aber um die Spielwelt und die teils sympathischen, teils skurrilen Charaktere erneut zu erleben, ist es auch nicht ausgeschlossen. Bis es hoffentlich eine Fortsetzung mit einem neuen Plot gibt.

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