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Ubuntu Budgie Remix: Die Distribution im Überblick

19.09.2017 | 10:45 Uhr |

2014 haben die Gnome-affinen Desktops mit der neuen Oberfläche „Budgie“ Zuwachs erhalten. Eigentliche Stammdistribution für Budgie ist das Projekt Solus. Aus technischen Gründen geben wir hier der Ubuntu-Variante mit Budgie den Vorzug.

Budgie wurde zunächst exklusiv für die Linux-Distribution Solus entwickelt . Dieses aufstrebende Desktopsystem konnte bereits in die Top Ten der Distributionen auf Distrowatch vordringen, offenbart aber noch Defizite eines Betastadiums. Das von Grund auf neu und nur für 64-Bit-Architektur entwickelte Solus beeindruckt durch Geschwindigkeit, zeigt aber noch Lücken bei den Software-Paketquellen und bei der deutschen Lokalisierung. Nebenbei muss sich der Nutzer auf eine ungewohnte Paketverwaltung und einen vergleichsweise simplen Installer einstellen.

Daher: Ja, Solus mit Budgie ist das schnellere Original und durchaus ein Tipp für Experimentierfreudige, aber Einsteiger und Pragmatiker sind mit dem Budgie-Desktop auf solider Ubuntu-Basis besser beraten.

Motive und Hardware für Ubuntu Budgie

Ubuntu Budgie ist seit April 2017 ein weiteres offizielles Ubuntu-Derivat. Es handelt sich bei Budgie um eine weitere Neuinterpretation des Gnome-3-Desktops mit traditionellerem Ansatz, nämlich mit Anwendungsmenü und einer aus-und einblendbaren Seitenleiste. Der zusätzliche Starter Plank-Dock ist eine Beigabe in Budgie, die im Prinzip jedem Linux-Desktop zur Verfügung steht. Das Motto lautet hier, alle wichtigen Komponenten für effektives Arbeiten ästhetisch, übersichtlich und ohne Schnickschnack anzubieten. Für Einsteiger, Ästheten und Notebooknutzer lohnt sich der Blick auf den Budgie-Desktop allemal.

Besonderes Merkmal ist die angesprochene, recht opulente Seitenleiste am rechten Bildschirmrand, die sich standardmäßig automatisch ausblendet. Diese Multifunktionsleiste ist unten näher erklärt.

Generell trägt diese Desktopaufteilung modernen 16:9-Bildschirmen Rechnung und kommt auch kleineren Notebookdisplays entgegen. Einsteiger sollten sich auf dieser Oberfläche problemlos zurechtfinden.

Dieser Dialog erscheint nach dem ersten Start automatisch und bietet nützliche Ersteinrichtungsschritte. Das Tool kann auch manuell mit budgie-welcome gestartet werden.
Vergrößern Dieser Dialog erscheint nach dem ersten Start automatisch und bietet nützliche Ersteinrichtungsschritte. Das Tool kann auch manuell mit budgie-welcome gestartet werden.

Ubuntu Budgie benötigt eine einigermaßen aktuelle PC-oder Notebookhardware. Die 64-Bit-Variante nimmt sich ab Start gerne 700 MB RAM und mehr. Das liegt etwa im Rahmen eines Gnome 3 oder Unity. Zwei, besser vier GB RAM sollten also vorhanden sein. Damit die 3D-Effekte flüssig laufen, sollten Grafikkarte und Treiber Hardwarebeschleunigung unterstützen.

Für die Installation auf dem Datenträger empfehlen die Entwickler mindestens 12 GB Speicherplatz. Für flüssiges Arbeiten sind mindestens zwei Prozessorkerne nötig.

Anders als Solus gibt es Ubuntu Budgie sowohl für 64 wie für 32 Bit, ferner als aktuelle Version 17.04 und als LTS-Version 16.04.2. Die vier Varianten finden Sie unter https://ubuntubudgie.org/downloads . Die Installation erledigt der bewährte Ubuntu-Installer.

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Welcome-Optionen und der Desktop

Nach der Installation fehlen noch deutsche Sprachpakete, was Sie über „System Tools -> Settings -> Region & Language“ korrigieren können. Der nach der Anmeldung automatisch startende englischsprachige Willkommensbildschirm informiert über die Budgie-Features, bietet eine Verknüpfung zum Software-Center für Nachinstallationen und die wichtige Option „Default Settings“. Letztere kann den Desktop im Falle des Falles wieder auf die Standardeinstellungen zurückzusetzen. Den Willkommen-Dialog erreichen Sie jederzeit auch manuell über den Befehlbudgie-welcome.

Auf den ersten Blick zeigt sich der Budgie-Desktop aufgeräumt bis puristisch, jedoch darf die Arbeitsfläche als klassische Dateiablage genutzt werden. Links ist das Plankdock angeordnet mit einigen wenigen Programmstartern, oben die Systemleiste mit vertrauten Elementen: Ganz links liegt die Schaltfläche für das Startmenü und rechts die gewohnten Indikatoren für die Netzwerkverbindungen, Klang, Akkuanzeige, Bluetooth-Einstellungen. Das Icon in Form einer Glocke zeigt Benachrichtigungen des Systems oder einzelner Anwendungen an und dient als Sprungbrett zum „Raven Control Center“, einer Neuheit des Budgie-Desktops.

Die Systemleiste kann erweitert und angepasst werden wie bei anderen Desktops. Das geschieht aber in Budgie über die Seitenleiste mit den „Budgie Einstellungen“.
Vergrößern Die Systemleiste kann erweitert und angepasst werden wie bei anderen Desktops. Das geschieht aber in Budgie über die Seitenleiste mit den „Budgie Einstellungen“.

Das Startmenü ist ästhetisch, funktional und schlicht: Links gibt es eine Liste der Kategorien, rechts die jeweils zugeordneten Anwendungen. Die Sortierung ist teilweise unglücklich, da wir eine zentrale Software wie den Dateimanager (Nautilus wie unter Ubuntu) nicht unter „Zubehör“ suchen würden. Bereits aufgerufene Programme landen in dieser Liste stets oben, mehrfach aufgerufene Programme behalten ihre obersten Plätze. Die Sortierung im Suchfeld erfolgt nicht rein alphabetisch, sondern beispielsweise auch nach der Rubrik, etwa bei der Eingabe des Stichworts „Spiele“. Ähnlich funktioniert die Sortierung im Dialogfeld „Ausführen“, das mit der Tastenkombination Alt+F2 aufgerufen wird.

Das schicke, aber einfache Dock „Plank“ zeigt die Programmfavoriten plus die aktuell laufenden Tasks. Über Rechtsklick und „Im Dock behalten“ heften Sie ein Programm dauerhaft ins Dock. Die Einstellungen von Plank sind im Prinzip durch einen Rechtsklick auf eine freie Stelle im Dock und die Option „Einstellungen“ zu erreichen. Da es meist schwierig, bei transparenter Optik unmöglich ist, tatsächlich eine freie Stelle im Dock zu treffen, kann auch der Terminalbefehl

plank --preferences

aushelfen. Hier finden Sie alle Optionen zu Position, Optik und zum Verhalten des Favoritendocks.

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Seitenleiste und Konfigurationszentrum „Raven“

Die Seitenleiste rechts ist ein cleverer Ansatz, Systemnachrichten, Leistenapplets und die Konfiguration dieser Leistenapplets platzsparend an einer Stelle zu kombinieren. Beim Einblenden der Seitenleiste etwa über das Glockensymbol in der Systemleiste erscheinen Benachrichtungen, Applets wie die Lautstärkesteuerung oder das Sitzungsmenü (Ausschalten, Abmelden). Das Zahnradsymbol ganz rechts oben führt aber auch gleich umstandslos zur Konfiguration: Die Seitenleiste wechselt ihr Gesicht zu „Budgie Einstellungen“ und erlaubt hier die Einstellungen der Systemleiste(n) sowie der einzelnen, darin enthaltenen Applets. Das Angebot der Applets unterscheidet sich allerdings nicht davon, was auch andere Desktops bieten – also etwa Arbeitsflächenwechsler oder Taskliste. Die Kombination von Systemapplets plus Konfiguration derselben ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus überzeugend.

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