2261796

Ubiquity: So klappt die Linux-Installation überall

27.03.2017 | 14:30 Uhr |

Die Linux-Installation kennt mehr Spielarten als Windows. Man kann dabei durch Unwissen durchaus Fehler begehen. Dieser Artikel erklärt die Einrichtung als Einzelsystem und einfaches Dualboot.

Alle Ubuntu-Varianten einschließlich Linux Mint , Elementary OS , Bodhi Linux , Zorin-OS , Peppermint- OS verwenden das Setupprogramm von Ubuntu . Dieser Installer „Ubiquity“ hat unter Linux Maßstäbe gesetzt. Kein anderes Setup unter Linux leistet eine so komfortable und umfassende Systemeinrichtung. Zum Umfang gehören die Erkennung von bereits vorhandenen Systemen, das Einrichten von verschlüsselten Benutzerdaten, das Anlegen eines Erstbenutzers, Sprach- und Regionseinstellungen, das Nachladen unfreier Mediencodecs, vor allem aber ein umfassendes Partitionierungswerkzeug.

Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie mit diesem Werkzeug ein Linux auf eine interne Festplattenpartition oder auf einen externen USB-Datenträger installieren.

Schritt für Schritt: So klappt der Umstieg zu Linux

1. So starten Sie den Installer

Sie müssen für die Installation den Rechner zunächst mit dem ISO-Abbild der passenden Distribution starten. Das Installationsprogramm erscheint dann im so gestarteten Livesystem typischerweise als Desktopverknüpfung mit dem Namen „Ubuntu […] installieren“, die Sie einfach per Doppelkick laden. Das ist bei allen modernen Linux-Desktopdistributionen üblich.

Bei intensiverer Beschäftigung mit Linux werden Sie früher oder später auch andere Erscheinungsformen von Installern kennenlernen: So ist das mini.iso des Ubuntu-Servers kein Livesystem, sondern ein purer Installer. Sie landen also beim Start dieses Abbilds nicht auf einem System, das Sie ausprobieren können und optional installieren, sondern sofort im Installer. In diesem Fall handelt sich um eine textbasierte Variante des Ubiquity-Installers.

Alle Dialoge und Fragen des Assistenten entsprechen jenen des nachfolgend beschriebenen grafischen Ubiquity, jedoch sind hier Tab- und Cursor-Taste erforderlich, um Optionen anzusteuern und Entscheidungen wie „Ja“, „Nein“, „Weiter“.

Seltener ist die Trennung von Livesystem und Installer. Hier müssen Sie sich nach dem Booten des Abbilds entscheiden, ob Sie das Livesystem ausprobieren oder gleich die Installation anstoßen wollen. Wenn Sie erst das Livesystem testen und dann beschließen, das System zu installieren, müssen Sie das Abbild erneut starten, um den Installer zu laden.

Eine vierte Installermethode ist heute obsolet: Wubi (Windows-based Ubuntu Installer) ermöglicht Ubuntu-Installationen unter Windows. Das theoretisch immer noch funktionierende, aber mit erheblichen Einschränkungen behaftete Wubi wurde bereits im Jahr 2015 eingestellt.

Die Home-Verschlüsselung

Der Ubiquity-Installer zeigt zu einem späten Zeitpunkt bei der Einrichtung des Erstbenutzers (im Dialog „Wer sind Sie?“) eine sehr nützliche Option für mobile Geräte (Notebooks, USB-Datenträger): „Meine persönlichen Daten verschlüsseln“ schützt alle Benutzerdaten des beim Setup angelegten Erstbenutzers. Diese sind nur lesbar, wenn sich genau dieser Benutzer am System anmeldet. Bei Verlust und Fremdzugriff bleiben die Daten unlesbar verschlüsselt.

2. Installation auf die interne Festplatte

Partition löschen: Die Schaltfläche „-“ löscht eine bestehende Partition, die dann als „Freier Speicherplatz“ erscheint und anschließend neu angelegt werden kann.
Vergrößern Partition löschen: Die Schaltfläche „-“ löscht eine bestehende Partition, die dann als „Freier Speicherplatz“ erscheint und anschließend neu angelegt werden kann.

Alle nachfolgenden Informationen beziehen sich auf den Ubuntu-Installer und auf dessen Partitionierungsdialog. Auf die übrigen Setupoptionen gehen wir hier nicht näher ein: Das Nachladen von „Drittanbieter-Software“, das Einstellen der Zeitzone, des deutschen Tastaturlayouts oder der eigenen Benutzerangaben sind keine Herausforderung. Auch auf andere Linux-Installer gehen wir nicht näher ein. Das Prinzip ist überall ähnlich, jedoch sind anderen Installer unkomfortabler. Dort müssen Sie zum Teil Festplattenkennungen manuell eintragen oder es werden zur Partitionierung externe Tools wie Gparted eingebaut. Ein übersichtlicher und informativer Installer, den auch Anfänger zumindest für eine Einzelinstallation problemlos beherrschen, ist der Debian-Installer, der in Debian selbst und in Debian-Derivaten wie Bunsenlabs zum Einsatz kommt.

Optimalerweise findet die Installation bereits mit bestehender Internetverbindung statt. Dann kann der Installer Updates, Drittanbieter-Software und Sprachpakete schon beim Setup laden. Bei Kabelverbindung ist das Internet automatisch verfügbar, bei WLAN-Verbindung erscheint zu einem frühen Zeitpunkt das Fenster „Funknetzwerk“ mit den erkannten Netzwerken und Sie werden gefragt, ob Sie sich an Ihrem Funknetz anmelden wollen (zu empfehlen). Bei Problemen mit dem WLAN-Adapter empfehlen wir vorübergehend eine Kabelvernetzung. Im Prinzip können Sie aber auch ohne Internet installieren und Fehlendes später nachholen.

Der entscheidende Dialog ist das Fenster „Installationsart“. Bei der Installation auf eine interne Festplatte gibt es drei mögliche Szenarien:

Systempartition erstellen: Die Partition für ein Desktop-Linux sollte mindestens zehn bis 20 GB betragen (10 000 – 20 000 MB). Verwenden Sie nicht die gesamte Kapazität, da auch noch die Swappartition Platz finden muss.
Vergrößern Systempartition erstellen: Die Partition für ein Desktop-Linux sollte mindestens zehn bis 20 GB betragen (10 000 – 20 000 MB). Verwenden Sie nicht die gesamte Kapazität, da auch noch die Swappartition Platz finden muss.

1. Die bestehenden Verhältnisse werden optimal erkannt. Im einfachsten Fall kann es heißen, dass „keine erkannten Betriebssysteme“ vorliegen und der Installer die Option „Festplatte löschen und […] installieren“ vorschlägt. Die Abbildung am Beginn dieses Artikels zeigt einen komplizierteren Fall, wo bereits ein Windows und ein Ubuntu vorliegen und das Setup wahlweise Upgrade oder kompletten Ersatz des älteren Ubuntus durch das aktuelle oder auch den Ersatz aller bisherigen Systeme durch das aktuelle anbietet („Festplatte löschen und […] installieren“. Nach Ihrer Entscheidung erfolgt alles Weitere vollautomatisch.

2. Die bestehenden Verhältnisse werden im Prinzip erkannt, sind aber zu kompliziert, um vom Installer exakt dargestellt zu werden. Die Aussage lautet dann „Auf diesem Rechner befinden sich momentan mehrere Betriebssysteme“. Die angebotenen Optionen sind dann „Ubuntu daneben installieren“ oder „Festplatte löschen und […] installieren“. In dieser Situation ist es meist klarer, die manuelle Partition über den Punkt „Etwas Anderes“ zu wählen. Das ist unumgänglich, wenn das neue Linux auf einer ganz bestimmten Partition landen und ein dort bestehendes System überschreiben soll. Die Details zur manuellen Partitionierung mit „Etwas Anderes“ finden Sie im Punkt 3 („Installation auf USBStick/ Festplatte“).

3. Die bestehenden Verhältnisse werden nicht erkannt. Wenn der Installer meldet, dass keine Betriebssysteme vorliegen, Sie aber das Gegenteil wissen, müssen Sie die Bremse ziehen und die Installation abbrechen.

Auslagerung: Die Swappartition

Jedes Betriebssystem benötigt einen eigenen Datenträger oder zumindest eine eigene Partition auf einem Datenträger. Bei Linux-Systemen kommt noch hinzu, dass sie eine weitere kleine Partition als Swap- oder Auslagerungsspeicher nutzen.

Im laufenden Betrieb sind bei den heute üblichen vier bis acht GB Speicher zwar auch ohne solche Swappartition keine negativen Effekte zu beobachten, dennoch ist eine solche Partition insbesondere für einen funktionierenden Ruhezustand („Hibernation“) notwendig. Wenn Sie in Ubiquity eine der geführten Installationsarten wie „Festplatte löschen und Ubuntu installieren“ oder „Ubuntu daneben installieren“ (Parallelinstallation bei erkanntem Betriebssystem) wählen, wird die Swappartition automatisch angelegt. Bei manueller Partitionierung sollten Sie für den optimalen Betrieb ebenfalls eine Swappartition etwa in der Größe des Arbeitsspeichers einrichten (vier bis acht GB).

Anleitung: Der Multiboot von Windows mit Linux

3. Installation auf externem USB-Stick/ Festplatte

Soll das neue Linux auf einem externen USB-Datenträger landen, dann ist es unerlässlich, die richtige Partition, den Einbindungspunkt der Partition im Dateisystem, die Position der Bootumgebung und die Swappartition (siehe Kasten „Auslagerung: Die Swappartition“) manuell einzurichten.

Die Option „Etwas Anderes“: Wenn Sie diese Option aktivieren, zeigt der Dialog nach kurzer Analysezeit die Liste der erkannten Laufwerke und Partitionen. Physische Laufwerke erscheinen als „dev/sda“, „dev/sdb“ und so fort, die Partitionen der Laufwerke als „/dev/sda1“, „dev/sda2“ und so fort. „dev/sda“ ist die erste interne Festplatte; ein USB-Medium wird als „dev/sdb“ erscheinen oder auch erst als „dev/sdc“, wenn zwei Festplatten im Rechner stecken.

Wenn Sie sich trotz der Größenangaben (Spalte „Größe“) nicht sicher sind, um welches Laufwerk es sich handelt, hilft das Ausklappen der Geräteliste unter „Gerät für die Bootloader- Installation“. Diese Liste zeigt nämlich im Unterschied zur Partitionsliste die Gerätebezeichnungen an – etwa „ATA WDC…“, „SanDisk Ultra USB 3.0“, woran Sie den Datenträger leichter erkennen. Zweifel am Datenträger müssen Sie in jedem Fall ausräumen, um nicht das falsche Laufwerk zu überschreiben.

Die Swappartition: Wenn Sie den Typ „Auslagerungsspeicher (Swap)“ angeben, entfällt die Nachfrage nach dem „Einbindungspunkt“ automatisch.
Vergrößern Die Swappartition: Wenn Sie den Typ „Auslagerungsspeicher (Swap)“ angeben, entfällt die Nachfrage nach dem „Einbindungspunkt“ automatisch.

Nehmen wir an, „/dev/sdb“ ist definitiv der USB-Stick, auf den Sie eine Ubuntu-Variante installieren möchten. Löschen Sie zunächst eine oder alle Partition(en) des Datenträgers. Das wäre in diesem Fall „dev/sdb1“ und eventuell weitere „/dev/sdb2“ und so fort. Dazu markieren Sie die Partition in der Laufwerksliste und verwenden die Schaltfläche mit dem Minus-Symbol (-). Die Liste wird jetzt aktualisiert. Danach erscheint unter „dev/ sdb“ der Eintrag „Freier Speicherplatz“, den Sie dann mit dem Plus-Symbol (+) neu einrichten.

Systempartition: Im Unterdialog „Partition erstellen“ ist oben die Gesamtgröße der Partition voreingestellt. Verwenden Sie nicht die Gesamtgröße, damit noch Platz für die Swappartition bleibt. Reduzieren Sie daher neben „Größe“ den MB-Wert um vier bis acht GB, also 4000 oder 8000 MB. Als „Typ der neuen Partition“ wählen Sie „Primär“, Position ist am „Anfang dieses Bereichs“ und das Dateisystem vorzugsweise „Ext4“. Neben „Einbindungspunkt“ klappen Sie die Drop-down-Liste aus und wählen „/“.

Swappartition: Zurück in der Geräteliste unter „Installationsart“ gibt es jetzt unter der Gerätebezeichnung (also im Beispiel unter „/dev/sdb“) die neue Partition („/dev/sb1“). Ferner gibt es dort immer noch einen Eintrag „Freier Speicherplatz“, weil Sie für die Systempartition nicht den gesamten Platz verbraucht haben. Wenn Sie diesen Eintrag markieren und wieder auf das Plus-Symbol klicken, erscheint erneut der Unterdialog „Partition erstellen“, wo Sie jetzt den gesamten verfügbaren Speicherplatz, ferner „Primär“ und neben „Benutzen als“ die Option „Auslagerungsspeicher (Swap)“ wählen. Die Wahl des Einbindungspunktes entfällt damit automatisch.

Bootumgebung: Wieder zurück im Hauptdialog „Installationsart“ steht die letzte wichtige Entscheidung unter „Gerät für die Bootloader-Installation“ an. Das ist der Ort, wo die Bootumgebung „Grub“ eingerichtet werden soll. Voreingestellt ist hier die erste interne Festplatte („/dev/sda“). Das wäre aber für eine Linux-Installation auf einen USB-Datenträger fehlerhaft: Dieses Linux würde künftig nur auf dem Rechner booten, auf dem Sie gerade installieren.

Daher schreiben Sie die Bootumgebung explizit auf den externen Datenträger. Das ist dann nicht „/dev/sda“, sondern je nach Situation „/dev/sdb“ (gemäß der bisherigen Beispielinstallation) oder auch „/dev/sdc“.

Check vor dem finalen „Jetzt installieren“: Das System soll auf den USBStick „/dev/sdb“. Dateisystem und Einhängepunkt auf Partition „sdb1“ sind korrekt, „geswappt“ wird auf „sdb2“ und der Bootloader landet ebenfalls auf „/sdb“.
Vergrößern Check vor dem finalen „Jetzt installieren“: Das System soll auf den USBStick „/dev/sdb“. Dateisystem und Einhängepunkt auf Partition „sdb1“ sind korrekt, „geswappt“ wird auf „sdb2“ und der Bootloader landet ebenfalls auf „/sdb“.

Nach dieser letzten Entscheidung klicken Sie auf „Jetzt installieren“. Alle Partitionsaktionen werden noch einmal in Zusammenfassung angezeigt und danach startet die Installation. Neben der Auswahl der Zeitzone, des Tastaturlayouts und der Angaben für das erste Benutzerkonto ist nicht mehr viel zu tun.

Anmerkung zur Bootumgebung: Wenn Sie den Bootloader eines mobilen Systems wie geschildert auf den USB-Datenträger schreiben, wird dieser später beim Booten auch die Betriebssysteme der internen Festplatte anbieten. Der Bootloader sucht standardmäßig auf allen verfügbaren Laufwerken nach Systemen, die es dann in seine Konfiguration einträgt. Beachten Sie, dass diese zusätzlichen Einträge im Bootmenü natürlich obsolet sind, wenn Sie das mobile Linux auf anderen PCs booten. Das relevante System ist aber leicht zu erkennen: Es erscheint immer an oberster Stelle und ist das Standardsystem, das nach der Wartezeit automatisch startet.

LVM (Logical Volume Manager): Partitionierung für Server

Im typischen Fall besteht das Partitionsschema eines Linux-Systems aus einem physikalischen Datenträger, dessen Speicherplatz eine oder mehrere Partitionen nutzen. Das ist für PCs und Notebooks völlig ausreichend, aber nicht mehr die einzige Partitionierungsweise während einer Linux-Installation. Mit dem Logical Volume Manager (LVM) kommt eine Partitionsverwaltung hinzu, die im Ubiquity-Installer aller Ubuntu-Varianten ganz selbstverständlich im Fenster „Installationsart“ angeboten wird, aber nicht unbedingt einsteigertauglich ist.

LVM ähnelt dem Konzept der „Dynamischen Datenträger“ unter Windows und ist primär eine Technik für Server. Sie abstrahiert die Kapazität der physischen Datenträger zu logischen Datenpools, die sich ohne Aufwand durch weitere Festplatten erweitern lassen. Auf typischen Arbeitsrechnern mit einer oder auch zwei Festplatten ist diese anspruchsvolle Methode nicht angemessen und schlicht Overkill.

Die Setupoption für LVM beansprucht zur Einrichtung außerdem grundsätzlich mindestens eine komplette Festplatte: Wenn Sie vorhaben, Linux in eine bestimmte Partition einer Festplatte zu installieren und weitere Partitionen zu erhalten, kann das mit LVM nicht funktionieren.

Empfehlung für Einsteiger: Machen Sie einen Bogen um diese Option, es sei denn, Sie wissen genau, dass Sie LVM brauchen und wie diese Technik funktioniert. LVM ist zwar auch die Voraussetzung für eine Festplattenverschlüsselung (ähnlich Bitlocker unter Windows), jedoch gibt es mit der Verschlüsselung der persönlichen Daten eine einfachere Datenschutzvariante, die wir Linux-Einsteigern empfehlen (siehe dazu den Kasten „Home-Verschlüsselung“).

0 Kommentare zu diesem Artikel

PC-WELT Marktplatz

2261796