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True OS – was ist dran an der neuen Distribution?

29.01.2018 | 10:38 Uhr |

True OS basiert auf Free BSD. Dieser Unix-Abkömmling hat viele Ähnlichkeiten mit Linux, aber auch signifikante Unterschiede. Zu den Besonderheiten von True OS zählen das Dateisystem ZFS und die portable Home-Verschlüsselung mit „Personacrypt“.

Auf distrowatch.com klopft in der letzten Zeit häufiger die Distribution True OS an die Top Ten. Ihre bisherige Top-Platzierung ist Platz 10, während sie bis vor ein, zwei Jahren noch unter „ferner liefen“ zu suchen war. Was ist dran an diesem System? – das fragen uns die LinuxWelt-Leser. Eine Frage, die wir an dieser Stelle gerne beantworten, zumal True OS ein schnelles Ausprobieren in einem Livesystem nicht vorsieht. Echtes Installieren ist unvermeidlich, um das System zu testen.

Download und Installation

Erste Informationen über True OS finden Sie auf der Projektseite: https://www.trueos.org/ . Wer sich vorab detaillierter über die Hardwarevoraussetzungen und den Praxisalltag unter True OS informieren will, sollte einen Blick werfen auf das Onlinehandbuch https://www.trueos.org/handbook/trueos.html , das auch direkt über die Projektseite erreichbar ist. Aufgrund des Dateisystems ZFS sind für das an sich schlanke System etwa vier GB RAM empfohlen, absolutes Minimum ist ein GB.

Auf der Downloadseite https://www.trueos.org/downloads/ finden Sie Angebote aus dem Stable- und Unstable-Zweig (Stable empfohlen). Der Download des „Latest TrueOS Stable“ beträgt etwa 2,5 GB. Das ISO-Image schreiben Sie dann mit einem Tool Ihrer Wahl am besten auf eine DVD ( Brasero unter Linux, Imgburn unter Windows). Eigentlich sollte auch ein USB-Stick als Installationsgerät funktionieren, jedoch war dies in unserem Fall weniger zuverlässig als das optische Medium.

Wenn Sie den Zielrechner damit starten, erhalten Sie kein Livesystem, sondern einen reinen Installer. Neben der typischen Abfrage der Systemsprache geht es um die Entscheidung, ob eine grafische Oberfläche installiert und ein proprietärer Treiber für die Grafikkarte genutzt werden soll. Dann geht es zur Partitionierung: Wenn True OS die erste Festplatte „ada0“ nicht oder nicht in vollem Umfang übernehmen darf, ist der Klick auf „Customize Disk Settings“ erforderlich. Die Schaltfläche „Customize Disk Settings“ ist unbedingt auch dann notwendig, wenn True OS das alte MBR-Partitionierungsschema verwenden soll. Standardmäßig geht es von einer Uefi/GPT-Installation aus. Der hiermit gestartete „TrueOS Disk Wizard“ ist für Erfahrene akzeptabel, für Anfänger eher riskant. Wer Multiboot oder die umfassenden Pool- und Raid-Optionen von ZFS einrichten will, sollte unbedingt Erfahrung mitbringen und parallel das angesprochene Onlinehandbuch benutzen.

Tipp: Die richtige Linux-Distribution für Einsteiger

Ersteinrichtung von True OS

Nach erfolgreicher Installation und dem ersten Start fordert das System ein Passwort für den Rootzugang und danach ein erstes Benutzerkonto.
Die Personacrypt-Verschlüsselung: Schon bei Einrichtung des Erstkontos fällt die zweite Registerkarte „PersonaCrypt“ ins Auge, die auch später im „Usermanager“ für alle Benutzerkonten auftaucht. Es handelt sich um die optionale Verschlüsselung des jeweiligen Home-Verzeichnisses. Wie bei Linux-Systemen kann das Home-Verzeichnis geschützt werden, indem bei „Device“ die Option „On Disk Encryption (PEFS)“ gewählt wird. True OS kann aber an dieser Stelle mehr: Bei angeschlossenem USB-Datenträger wird dieser als „Device“ angezeigt und kann dann als Ziel für die verschlüsselten Dateien definiert werden. Das unter „PersonaCrypt“ eingegebene Passwort ist unabhängig vom Systempasswort, kann aber der Einfachheit halber auch identisch gewählt werden.

Im späteren Betrieb reagiert True OS auf PersonaCrypt-Konten wie folgt: Konten mit lokaler „On-Disk-Verschlüsselung“ werden am Anmeldebildschirm immer angezeigt, selbstverständlich auch alle Konten ohne jede Verschlüsselung. Personacrypt-Konten mit externen USB-Medien erscheinen jedoch nicht, sofern der Datenträger nicht angeschlossen ist. Mit anderen Worten: Die Anmeldung eines solchen Kontos ist nur möglich, wenn der Nutzer seinen Datenträger dabei hat und anschließt. Für die Anmeldung von Personacrypt-Konten sind immer zwei Kennwörter nötig – das Systempasswort und zusätzlich das Verschlüsselungspasswort.

Der Lumina-Desktop: Standardmäßig startet True OS seinen Stammdesktop Lumina. Diese Oberfläche ist keine Schönheit, orientiert sich aber mit Startmenü, Systemleiste und Rechtsklickmenü am Desktop weitgehend an geläufigen Standards. Über den Desktop-Rechtsklick und „Einstellungen -> Desktop Actions“ kann der Desktop als Ordner und Dateiablage genutzt werden. Wer es ganz minimalistisch haben will, kann am Anmeldebildschirm auch auf Fluxbox umstellen.

Das Softwarecenter: Die Softwareausstattung ist standardmäßig ausreichend, aber eher spartanisch. Ihre Ausstattung ergänzen Sie recht komfortabel mit dem grafischen Paketmanager „AppCafe“. Ähnlich wie bei Ubuntu gibt es verschiedene Paketquellen, zwischen denen Sie über das Listenfeld in der Mitte wechseln. Stöbern Sie in den Kategorien oder suchen Sie gezielt nach Programmen. Viele der bekannten Linux-Klassiker wie Libre Office, VLC, Filezilla, MC oder Gimp sind auch in Versionen für True OS (Free BSD) zu bekommen. Auch alternative Desktops wie Mate oder XFCE sind verfügbar. Das „AppCafe“ bietet nicht den Umfang von Debian/ Ubuntu-Distributionen, aber alles Wesentliche ist hier erhältlich.

Siehe auch: Linux Mint - So klappen Installation & Multiboot

Fazit: Viele Kompromisse

Den Hauptschub für das aktuelle Interesse an True OS dürfte die Veröffentlichung des Stable-Zweiges im Juli 2017 ausgelöst haben: Ähnlich wie Debian arbeitet True OS nun mit einem Unstable-Zweig, der stets die neuesten Entwicklungen einbaut, während der Stable-Zweig nur bewährte Pakete ausliefert.

Das Hauptmotiv für True OS ist wohl nicht das mächtige Dateisystem ZFS mit vielen serverrelevanten Optionen für Festplattenpools und Systemsnapshots. Vielmehr dürfte bestimmte Nutzer das ungewöhnliche Personacrypt faszinieren: Die eigenen Daten sind unzugänglich, das maßgebliche Konto am Log-in-Bildschirm nicht einmal ersichtlich, solange der Nutzer nicht das passende USB-Gerät aus seiner Schublade holt und anschließt. Ob man solche Zwei- Geräte-Sicherheit als konsequente Datenschutzmaßnahme interpretieren oder doch überwiegend in der Ecke schmuddeliger Versteckspiele verorten will, überlassen wir dem Urteil des Lesers.

Deutlich ist, dass der Anwender für das eine oder andere interessante True-OS-Feature einige Kompromisse in Kauf nehmen muss: True OS kann weder beim Installerkomfort noch bei der Hardwareerkennung einem Debian/Ubuntu das Wasser reichen.

Mit dem voreingestellten Lumina-Desktop gibt es dann eine allenfalls brauchbare Bedienoberfläche – selbst ein einfaches LXDE (auf Lubuntu oder Debian) kann da mindestens mithalten. Nebenbei ist das System kein Schnellbooter und fordert, gemessen am grafischen Komfort, relativ viel Arbeitsspeicher (wegen ZFS).

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